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Weißer Ring bietet Hilfsangebot für Hinterbliebene

Umgang mit Trauer und Verlust Weißer Ring bietet Hilfsangebot für Hinterbliebene

Der Tod der Jungen Elias und Mohamed bedeutet für ihre Familien einen schweren Verlust. Mit der Trauer zu leben, erfordert große Anstrengungen. Die Hilfsorganisation Weißer Ring richtet ihr Beratungsangebot auch an traumatisierte Angehörige von Verbrechensopfern.

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Der Weiße Ring bietet ein Beratungsangebot für Verbrechensopfer und deren Angehörige.

Quelle: dpa

Potsdam. Es ist keine Frage von Monaten, eher von Jahren. Schlimmstenfalls verschwinden sie nie wieder, die Zweifel und Qualen, die Hinterbliebene durchleben müssen, nachdem sie einen wichtigen Menschen verloren haben. Für die Familien der getöteten Jungen Elias, 6, und Mohamed, 4, gibt es zumindest die Gewissheit, dass der Täter vor Gericht verurteilt wurde.

Es ist ein Trost, wenn auch ein schwacher. „Ein Urteil trägt dazu bei, den Verlust zu verarbeiten. Ich glaube aber, dass es damit noch nicht erledigt ist“, sagt Jürgen Lüth. Der langjährige Cottbuser Polizeipräsident ist seit 1996 Landesvorsitzender des Weißen Rings in Brandenburg. Die Organisation betreut Verbrechensopfer sowie deren Angehörige. Mögliche Maßnahmen sind eine finanzielle Soforthilfe sowie Schecks für eine juristische und psychologische Beratung.

Hinterbliebene von Todesopfern sind nicht selten traumatisiert. Ein Gerichtsprozess, noch dazu mit derart großer öffentlicher Aufmerksamkeit, kann zur zusätzlichen Belastung werden. Vor Gericht ertrug es Elias’ Mutter bei ihrer Zeugenaussage nicht, dem Mörder ihres Kindes in die Augen zu sehen. Anita S. beschrieb, wie sich ihr Leben für immer verändert habe. Auch Mohameds Mutter, die nach dem Tod ihres Kindes wegen eines Schocks im Krankenhaus behandelt werden musste und zwei Fehlgeburten erlitt, wirkte vor Gericht aufgewühlt. Sie befindet sich mittlerweile in einer Therapie.

„Ich würde immer raten, sich professionellen Rat einzuholen, um in diesen schweren Stunden Hilfe zu erhalten, die langfristig wirkt“, sagt Jürgen Lüth. Der Weiße Ring sieht sich als Mittler zwischen Opfer beziehungsweise Hinterbliebenen auf der einen und professionellen Psychologen auf der anderen Seite. „Das Gespräch alleine hilft nicht, wir müssen auch entsprechende Therapien einleiten.“ Je nach Einzelfall kommen alternativ auch andere Angebote in Frage, etwa spezielle Ferienaufenthalte.

Die Weitervermittlung sei aber nicht ohne Probleme, erklärt Lüth. „Für Therapien gibt es häufig sehr, sehr lange Wartezeiten von bis zu einem halben Jahr.“ In Brandenburg fehle es zudem an der Finanzierung sogenannter Traumaambulanzen, die gerade für Opfer von Sexualstraftaten wichtig sind. Bleibt eine frühzeitige Behandlung auf, drohen Depressionen, Angstzustände und Suchtkarrieren. In Brandenburg gibt es unter dem Dach des Vereins Opferhilfe seit 2013 eine Traumaambulanz. Das Modellprojekt steht derzeit mangels gesicherter Finanzierung allerdings vor dem Aus. Lüth hält das für einen folgenschweren Fehler der Landespolitik. „Im Ergebnis muss man immer davon ausgehen, dass dem Land durch nicht verarbeitete Traumata langfristig mehr Kosten entstehen.“

Seit es Gewissheit ist, dass der kleine Elias einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, gibt es ein Gesprächsangebot des Weißen Rings. Anita S. hat es bis heute nicht in Anspruch genommen. Jürgen Lüth würde das gerne ändern, aber er weiß auch, dass es nur auf freiwilliger Basis zum Erfolg führt. „Das kann man nicht verordnen, das kann man nicht vorgeben. Die Hinterbliebenen müssen es selbst wollen.“

Von Bastian Pauly

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