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Brandenburg Welcher ist der schlimmste Bahnhof der Mark?
Brandenburg Welcher ist der schlimmste Bahnhof der Mark?
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14:14 18.10.2015
Auf dem Abstellgleis: In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Bahnhöfe einem Streichprogramm zum Opfer gefallen, wie in Alt Ruppin (Ostprignitz-Ruppin). Quelle: Peter Geisler
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Potsdam

Früh morgens in Brandenburg, Michael Jungclaus macht sich auf den Weg, mit dem Auto, ausnahmsweise. Der Grünen-Politiker hat Termine in Märkisch-Oderland. Mit der Bahn wäre es zu umständlich. Dabei hat Jungclaus in diesem Jahr schon ein Dutzend Tage größtenteils im Zug verbracht. Er hat sich zum Ziel gesetzt, allen 60 Bahnhöfen, die wegen ausbleibender Fahrgäste in Brandenburg auf der Streichliste stehen, einen Besuch abzustatten.

Bereist alle nachfrageschwachen Bahnhöfe: Grünen-Verkehrspolitiker Michael Jungclaus. Quelle: Markus Kniebeler

Gut die Hälfte hat der Verkehrspolitiker geschafft, Zeit für eine Zwischenbilanz. Dass das Thema Bahnhof vor Ort so viele Leute umtreibt, hätte er nie gedacht, sagt Jungclaus. Schüler und Pendler, Eigenheimbauer und Touristiker, Regionalplaner und Kulturschaffende, Senioren, die aufs Auto verzichten wollen – und scheitern. „Egal wohin ich komme“, sagt Jungclaus, „überall wünschen sich die Leute verlässliche Takte.“

Was denken Sie, liebe Leser?

Wir fragen die MAZ-Leser: Welcher Bahnhof ist Ihrer Meinung nach der schrecklichste Bahnhof in Brandenburg und warum?

Was müsste sich konkret bei Ihnen vor Ort ändern, damit Sie öfter mit dem Zug fahren? Welche Bedeutung hat der Bahnanschluss für Ihren Ort? Wie haben Bahnhöfe eine positive Zukunft?

Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen und Ihre Vorschläge an Märkische Allgemeine, Stichwort „Bahnhöfe“,
Friedrich-Engels-Straße 24,
14473 Potsdam oder per E-Mail an
leserbriefe@MAZ-online.de

Drastisches Sparprogramm für Schienenverkehr

Diese Woche diskutierte der grüne Verkehrspolitiker im Potsdamer Landtag mit Experten und Bürgern, die sich abgekoppelt fühlen. Bernd Arm vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) versicherte, dass zumindest 2016 kein Brandenburger Bahnhof vom Netz gehe. Die Frage Jungclaus’, ob das auch für 2017 garantiert werden könnte, ließ der VBB-Vertreter unbeantwortet.

Denn ab da droht dem Schienenverkehr in Brandenburg ein drastisches Sparprogramm. Bis 2030 stehen dem Land insgesamt gut 750 Millionen Euro weniger zur Verfügung als ursprünglich geplant, wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) berechnet hat – zumindest wenn es bei der ursprünglich angedachten Neuverteilung der milliardenschweren Bundesmittel für den regionalen Schienenverkehr auf die Bundesländer bleibt.

Weniger als 50 Fahrgäste pro Tag: Das Bahnhofsgebäude von Ferch-Lienewitz (Potsdam-Mittelmark) aus dem Jahr 1908 ist längst geschlossen. Quelle: Stähle

Eigentlich hatten sich die Länder auf den „Kieler Schlüssel“ geeinigt: die Verteilung der Mittel nach Bevölkerungszahl und Zugkilometern. Doch das steht jetzt offenbar wieder zur Disposition, weil die bevölkerungsschwachen ostdeutschen Länder befürchten, finanziell zu kurz zu kommen. Sie hatten damit gerechnet, dass die Regionalisierungsmittel auf 8,5 Milliarden Euro angehoben und jährlich um zwei Prozent gesteigert werden. Jetzt aber steht fest, dass der Bund die Zuweisungen für das Jahr 2016 lediglich auf 8 Milliarden Euro festsetzt und mit 1,8 Prozent moderater steigert.

Bahnhöfe im Niemandsland

Der 1875 erbaute Bahnhof in Walddrehna (Dahme-Spreewald) ist seit einem Jahr in Privatbesitz – an den Bahnsteig verirren sich nur wenige Fahrgäste. Quelle: MAZ-Archiv

Unterm Strich droht dem Land Brandenburg also ein dreistelliges Millionenminus. Steffen Streu, Sprecher von Verkehrsministerin Kathrin Schneider (parteilos) sagte der MAZ am Freitag, dass bislang lediglich feststehe, wie viel Geld der Bund zur Verfügung stelle, nicht aber, wie es unter den Ländern verteilt werde. Anita Tack, die verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, definiert die Ansprüche so: „Brandenburg hat ein existenzielles Interesse, den Regionalverkehr als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge nicht nur zu sichern, sondern zu verbessern.“

Doch das kostet Geld. Ihr Grünen-Amtskollege Jungclaus sieht deshalb das Land in der Pflicht, eigene Mittel im Etat bereitzustellen, um das Angebot zu verbessern. Denn das bekommt er auf der Bahnhofstour immer wieder zu hören: Wer fährt schon mit der Bahn, wenn der Bahnhof im Niemandsland liegt, fernab der Wohnsiedlungen? Wenn die Züge nur alle zwei Stunden im Dorf Station machen? Wenn der Fahrplan nachts und am Wochenende besonders übersichtlich ist? Beispiel Klasdorf (Dahme-Spreewald): „Der erste Zug fährt, dass man gegen 11 Uhr am Ziel ankommt. Halb eins muss man aber schon wieder zurück, um den letzten Zug zu bekommen“, berichtet Jungclaus von den Problemen der Klasdorfer. Und damit stehen sie nicht allein.

Nachbarbundesland macht’s vor

Aber es geht auch anders, wie man in Sachsen-Anhalt beweist. Dort gibt es das Programm „Revita“ zur Wiederbelebung maroder Bahnhofsgebäude – mit Touristeninformation, Gastronomie und modernen Toiletten, maßgeblich gefördert durch Landesmittel. Michael Jungclaus will sich davon vor Ort ein Bild machen, er hat sich jetzt vorgenommen, auf seiner Tour auch in Sachsen-Anhalt Station zu machen. Es wird also noch der eine oder andere Tag hinzukommen, der er im Zug verbringt. „Mit dem Auto wäre das alles einfacher“, muss Jungclaus eingestehen. „Aber eine Bahnhofstour kann man so ja schlecht machen.“

Von Bastian Pauly

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