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Brandenburg Weltkriegsbomben beschäftigen Brandenburg noch viele Jahre
Brandenburg Weltkriegsbomben beschäftigen Brandenburg noch viele Jahre
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00:22 25.01.2019
„Alltag“ in Potsdam: Erfolgreiche Bombenentschärfung in der Speicherstadt durch Mike Schwitzke. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Explosive Hinterlassenschaft: Das Land Brandenburg wird sich nach Einschätzung von Experten noch jahrzehntelang auf die Entschärfung von Bomben-Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg einstellen müssen. „Das wird noch viele Jahre so weiter gehen und könnte sehr, sehr lange dauern“, sagte Frank Pestel vom zuständigen Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg der MAZ (hier lesen Sie das ganze Interview). Allein in Oranienburg (Oberhavel) könnte es bei bisherigem Tempo noch mehr als 40 Jahre dauern, bis die letzte Bombe unschädlich gemacht ist, so Stadt-Sprecher Gilbert Collé.

Bund stellt Mittel für Entsorgung bereit

Vor diesem Hintergrund gibt es Forderungen aus der Politik nach einer beschleunigten Entschärfung. „Es müsste auf jeden Fall schneller gehen“, sagt der finanzpolitische Sprecher der oppositionellen CDU im Landtag, Steeven Bretz. Der Bund habe nicht nur mehr Mittel für solche Zwecke bereitgestellt, sondern auch deren Verwendung erweitert. Diese Möglichkeiten solle das Land nutzen.

Lesen Sie auch den Kommentar: Für Brandenburg ist der Zweite Weltkrieg nicht zu Ende

Brandenburg hat mit 392 000 Hektar bundesweit den höchsten Anteil an mit Kampfmitteln belasteten Gebieten. Besonders entlang der Oder, auf den Seelower Höhen, im „Kessel“ von Halbe und rings um Berlin, wo besonders erbittert gekämpft worden war, werden noch viele Granaten und Bomben vermutet. Allein in Potsdam waren vergangenes Jahr vier große Bomben entschärft worden. Insgesamt war der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) 1700 Mal zu kleineren und größeren Funden gerufen worden.

Viele Blindgänger bei Bauarbeiten entdeckt

Auch Militärforscher gehen davon aus, dass in Brandenburg Bombenfunde weiter auf der Tagesordnung sein werden. Harald Fritz Potempa vom Zentrum für Militärgeschichte in Potsdam sagte, das hänge auch davon ab, wie extensiv die Bautätigkeit sei. Die meisten Blindgänger der jüngsten Zeit seien bei Bauarbeiten gefunden worden. „Schon aus der Menge an niedergegangenem Material lässt sich aber schließen, dass Blindgänger das Land noch über Jahre beschäftigen dürften“, sagte Potempa.

Besonders die Städte Potsdam, Oranienburg und Brandenburg an der Havel seien betroffen, betonte der Forscher. Dort hätten sich militärische Einrichtungen, Flugzeugwerke und die Rüstungsindustrie konzentriert, zudem waren es wichtige Verkehrsknotenpunkte, so Potempa. In Oranienburg etwa gab es die Heinkel-Werke, die zu den großen Flugzeugbau-Unternehmen gehörten.

Wohl 270 Blindgänger in Oranienburg

In Oranienburg wurden seit 1990 rund 200 Bomben entdeckt und entschärft. Die Brandenburgisch-Technische Universität (BTU) in Cottbus-Senftenberg hatte vor zehn Jahren geschätzt, dass noch 326 Bomben im Boden versteckt seien. Seither wurden 50 entschärft, das würde bedeuten, dass mindestens 270 noch verborgen sind.

Oranienburgs Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) setzt auf die geplante „Modellregion Oranienburg“. Mit dem Projekt soll die Kampfmittelbeseitigung in der Stadt beschleunigt werden. Es war vom Landtag beschlossen worden. Laesicke spricht von einem „Schicksalsthema“ für seine Stadt. Sorgen bereiten ihm vor allem Bomben mit Langzeitzünder, da diese jederzeit hoch gehen könnten. „Wäre Oranienburg keine Stadt, sondern ein Wald, würde man einen Zaun drumherum bauen und Schilder mit ,Zugang verboten – Lebensgefahr!’ aufhängen“, sagte der Bürgermeister, der seit Januar im Amt ist.

Von Rüdiger Braun

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