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Weniger netto: Zusatzbeitrag für Versicherte steigt

Gesetzliche Krankenversicherung Weniger netto: Zusatzbeitrag für Versicherte steigt

Der Zusatzbeitrag für die gesetzlich Krankenversicherten ist im Wahljahr stabil. Doch wie wird er sich danach weiterentwickeln? Trotz des Finanzpolsters der Kassen rechnet der Chef des Ersatzkassenverbands, Uwe Klemens, mit einer möglichen Mehrbelastung. Er gehe von einem Zusatzbeitrag von 1,8 bis zwei Prozent in den nächsten drei Jahren aus, sagte er.

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Quelle: dpa

Potsdam. Die gesetzlich Krankenversicherten müssen ab kommenden Jahr damit rechnen, höhere Zusatzbeiträge zu zahlen. Davon jedenfalls geht der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) aus. Verwaltungsratschef des Uwe Klemens sagte am Mittwoch gegenüber dpa, er gehe von einem Zusatzbeitrag von 1,8 bis zwei Prozent in den nächsten drei Jahren aus.“ Bundesweit liegt dieser Beitrag derzeit durchschnittlich bei 1,1 Prozent.

Bei der AOK Nordost, zu der auch Brandenburg gehört, zahlen Versicherte momentan einen Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent. Damit liegt die Kasse unter dem Durchschnitt. Während der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen wird, muss der Zusatzbeitrag allein vom Arbeitnehmer bezahlt werden. Eine Erhöhung auf zwei Prozent würde bei einem Einkommen von 2500 Euro 22 Euro im Monat bedeuten.

Druck auf den Zusatzbeitrag könnte zunehmen

AOK-Nordost-Vorstand Frank Michalak sagte der MAZ, auch 2018 soll der Zusatzbeitrag unter dem bundesweiten Durchschnitt garantiert werden. Die AOK weise das dritte Jahr in Folge einen stabilen Beitragssatz aus, betonte er. Der liegt bei 15,5 Prozent, inklusive der 0,9 Prozent Zusatzbeitrag.

118 gesetzliche Kassen gibt es in Deutschland. Davon haben 27, meist kleinere, diesen Beitrag zum Jahresbeginn bereits erhöht. Als Grund, dass der Zusatzbeitrag ab 2018 erhöht werden könnte, nannte GKV-Chef Klemens Zusatzkosten der Kassen von vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr, die Folgen veränderter Bundesgesetze der schwarz-roten Koalition seien. Er nannte die Gesetze zur Pflegestärkung und zu Veränderungen in der Arzneimittelversorgung. „Das wird den Druck auf den Zusatzbeitrag stark erhöhen“, betonte Klemens.

Medizinischer Fortschritt habe seinen Preis

Der durchschnittliche Beitragssatz für das kommende Jahr werde vom Bundesgesundheitsministerium im Herbst festgelegt, sagte Frank Michalak von der AOK Nordost. Entscheidend sei, wie sich die Mehrausgaben etwa aufgrund von Reformen wie dem Krankenhausstrukturgesetz nach der Bundestagswahl entwickeln werden.

Die Barmer Ersatzkasse Berlin-Brandenburg geht von einer Steigerung des durchschnittlichen Beitragssatzes in der Gesetzlichen Krankenversicherung von 0,2 Prozent aus – „wenn die Politik nicht gegensteuert.“ Der medizinische Fortschritt, der sehr begrüßt werde, habe eben seinen Preis, sagte Sprecher Daniel Freudenreich. Wie stark sich der Zusatzbeitrag erhöhen wird, werde letzten Endes auch von der Konjunktur abhängen.

Die Techniker Krankenkasse will keine Prognose abgeben, wie hoch der Zusatzbeitrag steigt. Die Berlin-Brandenburger TK-Chefin Susanne Hertzer sagte, es sei unbestritten, dass im Gesundheitssystem ein Kostendruck herrsche. „Nicht zuletzt die kostenintensiven Gesetze der vergangenen Legislatur haben dafür gesorgt, dass die Ausgaben weiter steigen werden“, betonte sie.

Krankenkassen fahren Milliarden-Finanzplus ein

Die gesetzlichen Krankenkassen hatten 2016 ein Finanzplus von rund 1,4 Milliarden Euro eingefahren. Nach Angaben von Ende Februar stieg das Geldpolster damit auf 15,9 Milliarden Euro. Damals hieß es, mit diesem Finanzplus sinke die Wahrscheinlichkeit, dass die Zusatzbeiträge auf breiter Front steigen. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte den Kassen im Wahljahr zusätzliche 1,5 Milliarden Euro aus der Reserve des Gesundheitsfonds zukommen lassen.

Die Bundesregierung verwies auf das Geldpolster. „Die Krankenkassen haben Finanzreserven von 16 Milliarden Euro momentan“, sagte Ministeriumssprecherin Katja Angeli. Das seien gute Reserven, die es auch ermöglichten, die Versicherten daran teilhaben zu lassen. Die Entwicklung des Zusatzbeitrags werde im Oktober vom sogenannten Schätzerkreis ermittelt. „Dann sind seriöse Aussagen für das nächste Jahr möglich“, betonte sie.

Linke will keine Mehrbelastung für Versicherte

Der Linke-Vorsitzende Bernd Riexinger verlangte die Rückkehr zur paritätischen Krankenkassenfinanzierung - also ohne Mehrbelastung für Versicherte. „In Deutschland gibt es längst eine Zwei-Klassen-Medizin. Die Herkunft und der Geldbeutel haben massiven Einfluss auf die Gesundheit“, sagte er der „Abendzeitung München“ (Donnerstag). Die Zusatzbeiträge müssten in gleichen Teilen vom Arbeitgeber mitfinanziert werden.

Von Igor Göldner

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