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Brandenburg Wenn der falsche Enkel Geld braucht
Brandenburg Wenn der falsche Enkel Geld braucht
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11:26 30.08.2017
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Potsdam

Dass Senioren ein beliebtes Ziel für Betrüger sind ist nichts Neues. Die Zunahme solcher Aktionen in Brandenburg ist jedoch beunruhigend. Das Telefon klingelt, der Anrufer gibt sich als Enkel aus und bittet flehentlich um finanzielle Unterstützung, angebliche Polizeibeamte fragen an Haustüren nach Bargeld, Schmuck und anderen Wertgegenständen. In manchen Fällen flattern den Opfern sogar Haftbefehle ins Haus, die sie angeblich nur durch die Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 28.500 Euro, auf ein Konto in der Türkei, abwenden können. Es gebe mittlerweile eine lange Trick-Liste bei den Betrügern, sagt Peter Urban, der im Polizeipräsidium Brandenburg die Abteilung Prävention leitet.

Zahl der Betrugsfälle hat deutlich zugenommen

„Und das besonders Schlimme ist: Die Opfer werden um die Quintessenz ihres Lebens betrogen, um das Geld, das sie für den Lebensabend gespart haben oder an ihre Kinder und Enkel vererben wollen“, so Urban weiter, „Den Tätern ist das völlig egal.“ Gerade die Generation 80 Plus sei für die Betrüger besonders anfällig. Laut Urban habe das mit der Nachkriegsgeneration zu tun, für die die Hilfsbereitschaft ein hohes Gut sei und die Obrigkeit weniger in Frage stelle. „Das wollen die Betrüger schamlos ausnutzen“, warnt Urban.

Wie prekär die Situation ist, zeigt die Entwicklung der Vorfälle, bei dem mit dem klassischen Enkeltrick Betrug durchgeführt wird. So ist die Zahl der registrierten Betrugsfälle in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2014 wurden in Brandenburg 159 Fälle erfasst, die eine Schadenssumme von knapp 60.000 Euro ergaben. Nur ein Jahr später lag die Zahl der registrierten Vorfälle bei 284, die einen Schaden in Höhe von 312.000 Euro umfassten. Wieder ein Jahr später sind die Vorfälle zwar weniger geworden (233), der Schaden allerdings stieg auf 571.000 Euro weiter an. Das seien jedoch nur die Fälle, die auch zur Anzeige gebracht würden, bemerkt Urban. „Viele Opfer trauen sich aus Scham gar nicht zur Polizei.“

Verfolgung und Bestrafung von Tätern kaum möglich

Es sei ein Geschäft mit geringem Risiko und hohem Ertrag für die Täter, bedauert Urban. Denn die Ausklärungsquote ist verschwindend gering: 2014 wurde gerade einmal ein einziger Täter gefasst, ein Jahr später waren es schon 16 und im vergangenen Jahr acht. Die Quote der Aufklärung liegt damit zwischen 0,6 und 5,6 Prozent. „Die Betrüger gehen sehr geschickt vor, mit verteilten Rollen zwischen Anrufer und Abholer, und so gibt es selten die Gelegenheit, jemanden zu überführen“, erklärt Urban.

So schützen Sie sich vor Enkeltrick-Betrug

- Am Telefon nicht ausfragen lassen! Geben sie keine Details Ihrer familiären oder finanziellen Verhältnisse preis.

- Nicht unter Druck setzen lassen! Vereinbaren Sie einen späteren Gesprächstermin. In der Zwischenzeit prüfen Sie die Angaben z.B. durch einen Anruf bei Ihren Verwandten oder einem Rückruf bei der örtlichen Polizei.

- Rufen Sie die Polizei an! Verwenden Sie dazu die öffentlich bekannte Telefonnummer – aber nicht die Nummer, die der Anrufer Ihnen möglicherweise gegeben hat oder die auf dem Display angezeigt wurde.

- Notieren Sie die eventuell auf dem Sichtfeld Ihres Telefons angezeigte Nummer des Anrufers.

- Bevor Sie jemandem Geld geben: Besprechen Sie die Angelegenheit mit einer Person Ihres Vertrauens. Wenn Ihnen die Sache „nicht geheuer ist“, informieren Sie die Polizei.

– Übergeben Sie Geld nur an Personen, die Ihnen persönlich bekannt sind!

– Haben sie bereits eine Geldübergabe vereinbart? Informieren Sie noch vor dem Termin die Polizei unter Tel. 110!

– Sichern Sie Ihre Wohnung: Tür abschließen, Sperrriegelkette vorhängen, Türspion benutzen.

– Schließen Sie niemals Verträge an der Haustür ab!

Die Senioren seien mit der vorbeugenden Arbeit der Polizei zunehmend schlecht zu erreichen. Das lege laut Urban daran, dass es früher wenigstens ein Dorfgasthaus oder einen Konsum gegeben habe, in dem die Polizei hätte Flyer auslegen können. Mittlerweile wird über soziale Medien probiert, die wirklichen Enkel dafür zu gewinnen, auf ihre Großeltern aufzupassen. Auch ein Ensemble von Laienschauspielern wird von der Polizeiinspektion Königs Wusterhausen zusammengestellt. Diese sollen durch Seniorenheime touren und die Menschen über Betrüger aufklären.

Präventivmaßnahmen als Gegenmittel

Der Opferhilfe-Verein „Weißer Ring“ beteiligt sich an der Präventionsarbeit, dabei sei vor allem das Misstrauen bei Anrufen oder beim Auftauchen angeblicher Amtspersonen eines der obersten Gebote, sagt Willi Wierscheim von der Außenstelle Potsdam des Vereins. Die Prävention fange aber schon im Kleinen an, mit der Eintragung in ein Telefonbuch etwa. Betrüger. „Eine Sieglinde und ein Horst deuten eher auf ein älteres Semester hin als ein Kevin oder eine Chantal – nach solchen Kriterien wählen die Täter ihre Anrufe aus“, beschreibt Wierscheim. Den Vornamen solle man daher im Telefonbuch abkürzen, rät er.

Auch Banken sind längst für dieses Thema sensibilisiert. „Unsere Mitarbeiter kennen die älteren Kunden in der regel schon sehr lange“, sagt Daniela Toppel, Sprecherin der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. Dieses Vertrauensverhältnis gebe ihnen die Möglichkeit, sensibel nachzufragen, wenn Kunden hohe Geldbeträge abheben sollten, so Toppel weiter. Die Mitarbeiter werden regelmäßig geschult, etwa was neue Betrugsmaschen angeht, Zahlen zu den Fällen könne Toppel nicht nennen – aber: „Wir haben schon viele Taten verhindern können, und in einigen Fällen wurden in Zusammenarbeit mit der Polizei auch schon Betrüger dingfest gemacht.“

> Weitere Fälle in der Region:

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Von MAZonline

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