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Brandenburg Wenn die Handtasche zur Waffe wird
Brandenburg Wenn die Handtasche zur Waffe wird
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21:11 03.03.2016
Körpergröße ist nicht alles: Yvonne Hübler wehrt Henrik Krüger ab. Quelle: Saskia Popp
Dallgow-Döberitz

Wenn Christian Henke den Helm aufsetzt, weiß er: Das wird jetzt wehtun. Denn jetzt, nach drei Stunden Seminar, werden die Frauen in Dallgow-Döberitz (Havelland) zeigen, was sie von ihm gelernt haben. Der 47-jährige Henke ist im Hauptberuf Polizist in einer Berliner Einsatzhundertschaft. In seiner Freizeit leitet er Selbstverteidigungskurse. Alpha heißt das Programm, nach dem an diesem Sonntagmorgen im Havelland 13 Frauen lernen.

„Ich bin selbst Polizistin und kenne Christian Henke durch die Arbeit. Ich finde es für alle Frauen wichtig, sich verteidigen zu können“, sagt Mandy Zieting. Sie hat den Kurs in Dallgow-Döberitz organisiert. „Zunächst für Vorschulkinder, jetzt für uns Mütter.“ Nach einem Theorieteil, in dem Henke und sein Kollege Henrik Krüger den Frauen Täterstrategien und Notfallsituationen erklären, geht es ans praktische Training. Anschreien und Ausweichen stehen auf dem Stundenplan, doch auch handfeste Methoden lernen die Dallgowerinnen bei Christian Henke. „Egal, wie ihr euch verteidigt“, ruft der Trainer durch den Raum, „wichtig ist, dass ihr überhaupt etwas macht! Und ihr müsst wütend sein, das gibt richtig Power.“ Er empfiehlt, im Falle eines Angriffs Alltagsgegenstände als Waffen einzusetzen. „Ob Kugelschreiber oder Handtasche, alle möglichen Gegenstände bringen dem Opfer Vorteile“, erläutert der erfahrene Polizist. Gewalt sei dabei aber stets die letzte Lösung. „Eine Konfliktsituation vermeiden, gar nicht erst zum Opfer werden, das ist immer der beste Weg“, betont Co-Trainer Henrik Krüger, „wenn man merkt, hier ist etwas komisch, sollte man am besten sehen, dass man wegkommt.“

„Das Ziel bei unserem Programm ist es, durch Überfrachtung den Täter von seiner Handlung abzubringen“, erklärt Henke. „Er soll überfordert und überrascht sein und seinen Tatplan aufgeben.“ Entwickelt wurde das Konzept hinter dem Selbstverteidigungssystem Alpha vom Nahkampfexperten Paul Soos. Dieser war einst Soldat, später Polizist, heute bildet er Sicherheitsorgane auf der ganzen Welt aus.

„Ich war noch nie in der Situation, mich verteidigen zu müssen“, sagt Tina Wildenhayn aus Brieselang. „Aber man hört immer mehr von Übergriffen, ich möchte einfach wissen, dass ich es im Notfall könnte.“ Die Dallgowerin Yvonne Hübler hat Angst, im Ernstfall eine falsche Zurückhaltung zu spüren: „Ich weiß nicht, ob ich jemandem wehtun könnte.“

„Ganz klar, seit den Vorfällen von Köln häufen sich die Anfragen nach Selbstverteidigung für Frauen bei uns“, sagt Christian Henke. Seit sechs Jahren gibt der Polizist Kurse, Erfahrungen und Anekdoten aus seinem Arbeitsalltag fließen in die Seminare stets mit ein. „Wir kennen Täter und Opfer aus dem Arbeitsalltag. Wir wissen wirklich, was da draußen abgeht“, so Henke.

Zum Ende des Kurses sollen die Frauen unter Beweis stellen, dass sie sich schützen können. Henke nähert sich Yvonne Hübler, kommt ihr nahe, viel zu nahe. „Stopp!“, schreit sie ihn an, „lassen Sie mich in Ruhe!“ Die zarte, blonde Frau ist überraschend stimmgewaltig. Doch ihr Angreifer lässt nicht nach, sie versucht auszuweichen – erfolglos. Schließlich wehrt die Frau, die noch vor zwei Stunden nicht wusste, ob sie einem potenziellen Angreifer Schmerzen zufügen könnte, den Polizisten mit dem massigen Körperbau und mehr als 20 Jahren Berufserfahrung ab. Mit wuchtigen Schlägen, gezielten Tritten und viel Wut.

Von Saskia Popp

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