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Brandenburg Wenn die Lebenserwartung vom Ort abhängt
Brandenburg Wenn die Lebenserwartung vom Ort abhängt
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07:29 31.03.2016
Seniorinnen in einem Park. Quelle: dpa
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Potsdam

Für die Lebenserwartung der Brandenburger ist der Wohnort offenbar nicht unerheblich. Wie aus einer Statistik für die Landkreise und kreisfreien Städte hervorgeht, unterscheidet sich die Lebenerwartung im Durchschnitt um bis zu fünf Jahre. Laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung leben die Einwohner Potsdams am längsten. Frauen wurden hier zwischen 2011 und 2013 im Schnitt 83,6 Jahre alt, Männer 79,3 Jahre. Schlusslicht bei den Frauen ist Frankfurt (Oder) mit 80,5 Jahren, bei den Männern Oberspreewald-Lausitz mit 74,6 Jahren.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann leitet daraus ab, dass Menschen mit wenig Geld früher sterben als reiche Leute. Die Landkarte zeigt in der Tat ein Gefälle zwischen struktur- und einkommensschwachen Regionen, die es auch in Brandenburg gibt, und wohlhabenden Gegenden. Das Robert-Koch-Institut hat ebenfalls Daten erhoben, wonach die Lebenserwartung in Beziehung zum Einkommen steht. Ebenso hält es einen Zusammenhang von Krankheit und sozialem Status für erwiesen. Von Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes seien sozial Schwächere häufiger betroffen, so das Institut.

Die Lebenserwartung in Brandenburg nach Kreisen. Quelle: MAZ

Die Chefin des Brandenburger Seniorenrats, Sieglinde Heppener, teilt Zimmermanns Schlussfolgerung dennoch nicht. „Es gibt viele Faktoren, die das Altern beeinflussen, bis hin zu Bildung, gesunder Ernährung und einem aktiven Leben.“ Dafür gebe es auch in berlinfernen Landkreisen Möglichkeiten, wie der Seniorensport zeige. „Aktive Menschen werden oft viel später pflegebedürftig“, so Heppener. Leider gebe es auch Bürgermeister und Landräte, für die Seniorenpolitik keine Rolle spiele. Aufgabe der Landesregierung sei es, die Lebensbedingungen der Regionen anzugleichen.

„Es darf keinen Unterschied machen, ob man in der Uckermark oder in Potsdam alt wird“, sagte Heppener. Bei Krankenhäusern und Arztpraxen sowie der Schaffung von Pflegeplätzen stehe das Land vor großen Herausforderungen. Laut einer Studie wird die Anzahl der Pflegebedürftigen in Brandenburg von jetzt 96 000 bis 2030 auf 162 000 steigen. Die Folge: Der Personalbedarf allein bei ambulanten Diensten (derzeit 12 500) muss sich verdoppeln. Im stationären Bereich (gut 16 000) ist fast eine Verdreifachung des Personals erforderlich, um einem Pflege-Notstand zu entgehen.

2030 wird ein Drittel der dann etwa 2,2 Millionen Einwohner Brandenburgs älter als 65 Jahre sein. Um Senioren stärker am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, gibt es in vielen Brandenburger Kommunen Programme und Projekte. So ist Finsterwalde (Elbe-Elster) eine von 52 Kommunen, die am Bundeswettbewerb „Stadt der Zukunft“ teilnimmt. Kleinen Städten werde oft nachgesagt, sie hätten kaum Entwicklungspotenzial, so der Bürgermeister der Sängerstadt, Jörg Gampe. „Für Finsterwalde sehe ich das nicht. Die Bürger entwickeln mit großem Eifer Perspektiven für ihre Stadt.“ Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) hat in dritter Auflage einen „Seniorenstadtplan“ herausgebracht. An der Alltagshilfe haben auch Jugendliche mitgearbeitet.

Die Lebenserwartung in Deutschland

Quelle: MAZ

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Von Volkmar Krause

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