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Widerstand gegen Lollapalooza in Hoppegarten

Naturschützer gegen Rock-Festival Widerstand gegen Lollapalooza in Hoppegarten

Das weltberühmte Lollapalooza-Festival kam 2015 nach Berlin, es war die erste Station in Europa. Nun, im dritten Jahr, zieht das Lollapalooza nach Hoppegarten (Märkisch-Oderland). Doch es gibt Proteste von den Anwohnern, weil es laut werden könnte. Auch logistische Zweifel werden geäußert. Bis zu 80 000 Gäste pro Tag – reicht die S-Bahn im 10-Minuten-Takt?

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Gute Stimmung beim Lollapalooza-Festival 2016 in Berlins Treptower Park.

Quelle: dpa

Hoppegarten. Klaus Manthe fürchtet, dass die Erlaubnis „fünf Minuten vor der Angst“ erteilt wird, zu einem Zeitpunkt also, wenn man sich juristisch kaum noch wehren kann. Manthe ist Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland, Ortsgruppe Hoppegarten. Gemeinsam mit dem „Aktionsbündnis für den Erhalt der Rennbahn im Grünen“ stemmt er sich gegen das Rockfestival Lollapalooza, das am 9. und 10. September auf der Rennbahn Hoppegarten stattfinden soll. 160 000 Besucher werden erwartet.

„Das Lollapalooza ist eine Großveranstaltung, die zu groß für Hoppegarten ist“, sagt Manthe. 2000 Anwohner seien akustisch vom Konzert in Hoppegarten betroffen, weitere 2000 in Neuenhagen – die Pferderennbahn liegt zwischen beiden Orten. Die Veranstalter vom Lollapalooza hatten angekündigt, dass die Bands an beiden Konzerttagen bis 23.30 Uhr spielen werden.

Klaus Manthe kündigt an, dass der Nabu-Landesverband Brandenburg anwaltlichen Widerspruch gegen eine Erlaubnis für das Festival einlegt, auch wenn er fürchtet: „Zu 90 Prozent werden wir damit keinen Erfolg haben.“ Er sieht übergeordnete Interessen, die sowohl das Emissionsgutachten wie das Naturgutachten aus Sicht des Festivals zu einem positiven Bescheid führen. Das Emissionsgutachten wird von der Gemeinde erstellt, es geht um die Frage, ob den Anwohnern die Lautstärke der Konzerte zugemutet werden kann. Das Naturgutachten erstellt der Landkreis Märkisch-Oderland.

Die Rennbahn liegt zu weiten Teilen in einem Naturschutzgebiet, „selbst wenn Traktoren auf dem Gelände mulchen wollen, brauchen sie eine Sondergenehmigung“, sagt Klaus Manthe. Wie soll da ein Konzert in dieser Größenordnung durchgewinkt werden?

Chicago, Südamerika, Berlin – nun Brandenburg

Das Lollapalooza-Festival findet in diesem Jahr zum ersten Mal in Brandenburg statt, es geht am 9. und 10. September auf der Pferderennbahn in Hoppegarten (Landkreis Märkisch-Oderland) über die Bühne.

Als Stars sind in diesem Jahr u. a dabei: Foo Fighters, Mumford & Sons, The xx, Beatsteaks, Marteria, Annenmaykantereit, Cro und Wanda.

Seine Wurzeln hat das Festival in den USA, 1991 fand es erstmals statt, seit 2005 jährlich in Chicago. 2011 ging es auch nach Chile, Brasilien und Argentinien, 2015 zudem nach Berlin.

Tickets und Infos unter www.lollapaloozade.com

Eine Änderung des Flächennutzungsplanes müsste von der Gemeinde Hoppegarten beschlossen werden. Der Antrag auf Änderung wurde von der Rennbahn eingereicht, doch zunächst von den Gemeindevertretern abgelehnt. Auch der Landkreis Märkisch-Oderland wird sich gegen die Änderung der Flächennutzung stellen.

Doch das ist nicht das letzte Wort, denn das „Lollapalooza“ hat großes Interesse daran, das Festival in Hoppegarten zu veranstalten. Vor zwei Jahren gingen sie aufs Tempelhofer Feld in Berlin, das Areal des vormaligen Flughafens. Im vergangenen Jahr war das wegen der Flüchtlingsunterkünfte nicht mehr möglich. Man zog in den Treptower Park in Berlin und musste sich gegen massiven Widerstand der Anwohner durchsetzen. „Vielleicht hoffte man nun, die Brandenburger sind nicht so aufmüpfig wie die Berliner“, mutmaßt Sven Francke, Sprecher der Bürgerinitiative in Hoppegarten, der Gemeinde mit 18 000 Einwohnern.

Um die Ausnahmeregelung für Hoppegarten zu bekommen, kündigt das Lollapalooza ehrgeizige Ziele an: Etwa ein Dutzend Kilometer Zäune soll die Besucher daran hindern, Naturschutzflächen zu betreten. Auch die denkmalgeschützten Tribünen sollen vor Schaden bewahrt werden.

Ein Bahnsteig, Zug fährt im 10-Minuten-Takt

Für Klaue Manthe vom Nabu ist der wesentliche Punkt indessen nicht gelöst: „Wie sollen die vielen Besucher an- und abreisen?“ Der Bahnhof Hoppegarten hat nur einen Bahnsteig – „wissen Sie, wie voll es am Olympiastadion auf den diversen S-Bahnsteigen ist, wenn Hertha vor 70 000 Leuten spielt?“ In Hoppegarten breche das Chaos aus, fürchtet Manthe, zumal die S-Bahn an den Abenden des Festivals nur einen 10-Minuten-Takt ankündige.

Die Leitung des Lollapalooza kontert, sie wolle nur so viele Leute gleichzeitig auf den Bahnsteig leiten, wie es die Kapazität erlaube.

Viele Gäste werden in Anbetracht der vollen Bahnen mit dem Auto kommen, fürchtet Manthe. „Was ist, wenn in diesem rechenreichen Sommer die Wiesen zum Parken nass sind?“ Es entstehe Matsch, man müsse die Plätze sperren.

„Am Ende“, ahnt Klaus Manthe, „gibt es meist einen übergeordneten Grund, das Festival trotz der Einwände zu erlauben: Es geht um viel Geld für den Veranstalter und Werbung für die Gemeinde.“

Von Lars Grote

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