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Wie der Drogenbauer in die krummen Geschäfte hineingeriet

Urteil in spektakulärem Prozess Wie der Drogenbauer in die krummen Geschäfte hineingeriet

Mit Recht und Gesetz hat es Marinus V. nie so genau genommen – mal fuhr er ohne Führerschein, mal mit Heizöl im Tank. Nun aber ist er wegen Drogenhandels zu einer Haftstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Vor Gericht schilderte er ausführlich, wie er in die krummen Geschäfte hineinschlitterte und lieferte der Polizei wertvolle Hinweise.

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Die Aufnahme zeigt V. 2010 in glücklichen Tagen auf seinem Hof – jetzt muss er ins Gefängnis.

Quelle: Dirk Fröhlich

Potsdam. Sein Blick durchbohrt die Anklagebank, regungslos und mit gesenktem Kopf verfolgt Marinus V. die Urteilsbegründung. Wenn alles gut laufe, hört er den Richter sagen, sei er in weniger als drei Jahren wieder frei. Gute Führung vorausgesetzt, schließlich ist der 61-Jährige kein Berufsverbrecher, sondern eher ein Gelegenheitskrimineller. Mit Recht und Gesetz hat er es jedenfalls nie so richtig ernst genommen. Mal fuhr der Milchbauer ohne Führerschein, mal unter falschem Kennzeichen, mal mit Heizöl im Tank. Auf seinem Hof in Werbig (Potsdam-Mittelmark) vertickte er unversteuerte Zigaretten, aber das sind alles nur Bagatellen verglichen mit dem, weshalb er nun für lange Zeit ins Gefängnis muss.

Mai 2015: In 14 Aldi-Märkten in der Region werden 386 Kilogramm Kokain in Bananenkisten gefunden. Marktwert: etwa 15 Millionen Euro.

April 2014: In Braunsdorf (Oder-Spree) findet die Polizei 1500 Cannabispflanzen sowie vier Kilo Marihuana auf einem 8000 Quadratmeter großen Privatgrundstück.

November 2013: Die Polizei hebt in Falkensee (Havelland) einen Drogenring aus, sie beschlagnahmt kiloweise Drogen und Tausende Euro Bargeld.

April 1998: 20 Kilogramm Marihuana, dazu Ecstasy und Koks stellt die Polizei bei Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) sicher. Es war damals der größte Fund seit der Wende.

Die 2. Strafkammer des Landgerichts Potsdam hat Marinus V. am Donnerstag zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich der Landwirt in zahlreichen Fällen für die Dienste als Drogenkurier hergab und noch dazu einen Kellerraum unter seiner Milchviehanlage als Bunker für Marihuana, Kokain, Amphetamine und Ecstasy umfunktionierte. 106 Kilogramm mit einem Straßenverkaufswert von gut einer Million Euro hatten Zollfahnder im Februar 2016 bei ihm entdeckt, die eigentlich wegen der Schwarzmarkt-Zigaretten und des zweckentfremdeten Heizöls zur Hausdurchsuchung angerückt waren. Der Drogenfund, einer der größten überhaupt, war ein Zufall – ein dummer aus Sicht des Milchbauers, ein glücklicher aus Sicht der Ermittler.

– Brandenburgs spektakulärste Drogenfunde: Eine Übersicht

Denn der Ertappte, der aus den Niederlanden stammt, räumte in Vernehmungen weitere Straftaten ein, von denen zuvor niemand etwas wusste. Elfmal transportierte er zwischen 2014 und 2015 schwarze Reisetaschen von seiner alten Heimat ins Brandenburgische. Der Inhalt: um die zehn Kilogramm pro Tasche, so genau habe ihn das nicht gekümmert, sagte V. vor Gericht. 17.000 Euro erhielt er dafür von seinem Komplizen, der sich ihm als Ivan vorgestellt hatte.

Der Zoll präsentierte die gefunden Drogen

Der Zoll präsentierte die gefunden Drogen.

Quelle: Zoll

Komplize mietete Keller im Bauernhof – für 300 Euro im Monat

2014 hatten sie sich über einen Mitarbeiter V.s kennengelernt. Ivan soll schnell das Vertrauen des Milchbauern erlangt haben. Für eine überschaubare Jahresmiete von 300 Euro durfte der in Berlin lebende Russe einen abgeschlossenen Kellerraum als Drogenversteck nutzen. Dabei blieb es nicht. Der Komplize wusste von den regelmäßigen Fahrten des Niederländers in die Heimat und schlug ihm vor, die Marihuana-Taschen gegen Kurierlohn nach Deutschland einzuführen. Woher die Drogen kamen und wo sie später verkauft wurden, das bekam Marinus V. nicht mit. Er bemerkte nur, dass die alten Taschen verschwunden waren, sobald er eine neue in seinen Keller stellte.

Auf diesem Hof sind die Drogen gelagert worden

Auf diesem Hof sind die Drogen gelagert worden.

Quelle: MAZ

Geständnis des Bauern hat sich strafmildernd ausgewirkt

So richtig klar ist bis zum Ende nicht: Ist Marinus V. da nur so reingerutscht, hat sich der Landwirt wirklich nicht für den Inhalt der Taschen interessiert? Und woher kamen die gut 100 Kilo Drogen im Versteck? Zumindest darauf gibt es eine Antwort. Aus Spanien, mit dem Auto eines Diplomaten. So hatte Ivan geprahlt. Nur kurz darauf stand der Zoll auf dem Hof und die Drogengeschäfte waren beendet.

Das alles hätte gut und gerne für eine zweistellige Freiheitsstrafe gereicht, sagt der Vorsitzende Richter Jörg Tiemann. Strafmildernd hätten sich allerdings das umfassende Geständnis und vor allem die Hinweis auf den Komplizen ausgewirkt, der identifiziert werden konnte und gegen den gesondert ermittelt wird.

„Ich habe Fehler gemacht. Es tut mir sehr leid, was ich getan habe“

Nachdem die Staatsanwaltschaft wegen der „exorbitanten Mengen“ sieben Jahre Freiheitsstrafe gefordert hat, entgegnet V. in seinen letzten Worten, die er von einem Zettel auf Niederländisch abliest: „Kriminelle sagen in meinem Fall normalerweise nicht die Wahrheit.“ Und womöglich lassen sich Kriminelle auch nicht mit 300 Euro abspeisen für das Risiko, ein ganzes Jahr lang Drogen zu bunkern. „Ich habe Fehler gemacht“, sagt V. weiter, „es tut mir sehr leid, was ich getan habe und schäme mich dafür zutiefst.“

Die sieben Monate Untersuchungshaft werden ihm auf seine Strafe angerechnet. Nach zwei Dritteln der Haft kann er seine vorzeitige Entlassung beantragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Bastian Pauly

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