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Brandenburg Wie der Solarpark von Wittstock Geschichte schrieb
Brandenburg Wie der Solarpark von Wittstock Geschichte schrieb
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18:58 17.02.2019
Der Solarpark der Firma Wattner in Wittstock Quelle: Wattner
Potsdam

Es war im August 2018, als der Solarpark von Guido Ingwer in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) deutsche Energie-Geschichte schrieb. Die 2,5-Megawatt-Anlage kam in dem sonnenreichen Monat ohne die sogenannte Marktprämie, also ohne staatliche Subvention aus. Allein über den Verkauf des Ökostroms an der Strombörse hat sich die Anlage finanziert. Ein Novum in der hochsubventionierten Ökostromlandschaft.

Der Fall elektrisierte die gesamte Branche, die mit der Kritik leben muss, ohne Zuschüsse über das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) nicht lebensfähig zu sein. Für den Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) ist die Wittstocker Anlage der lange ersehnte Beweis dafür, dass sich mit Solarstrom auch ohne Förderung allmählich Geld verdienen lässt. Der Verband sprach daher von einer historischen Trendwende.

Guido Ingwer dagegen nimmt den Hype um sein Solarkraftwerk gelassen. „Ja, das war das erste Mal“, sagt er. „Aber es hat sich seither mehrmals wiederholt.“ Auch in den folgenden trüben Herbst- und Wintermonaten warf der Solarpark mehr über den Verkauf an der Strombörse ab als die EEG-Umlage als Garantievergütung vorsieht.

Ingwer ist Geschäftsführer des Solarstromprojektierers Wattner, der in ganz Brandenburg Solarparks unterhält – gefördert über das EEG. Der Park in Wittstock sei relativ klein und relativ neu, erklärt Ingwer. Die Technik entsprechend auf neuem Stand. Und die habe in den vergangenen Jahren mehrere Entwicklungssprünge hinter sich. Außerdem hat ist der Marktwert des Solarstroms 2018 deutlich gestiegen. Im August lag der Preis für eine Kilowattstunde bei 5,595 Cent. Damit war die Schallmauer durchbrochen, mit Sonnenstrom an der Börse mehr einbrachte als die staatlich garantierte Vergütung.

Der Investor Wattner gehört gemeinsam mit dem Berliner Unternehmen Solarpraxis und den Großunternehmen Vattenfall und Bayware zu jenem Konsortium, das im großen Stil in der Lausitz plant. Eine Anlage aus Solarstrom, Windkraft- und Hybridkraftwerken, die Strom dort erzeugt, wo sich heute noch die Braunkohlebagger der Leag durchs Erdreich wühlen. Noch ist das ganze nicht mehr als eine Absichtserklärung. Ein Angebot an die Adresse der Politik, wie Solarpraxis-Geschäftsführer Karl-Heinz Remmers erklärt. Gerade Brandenburger Politiker seien oft überrascht, wenn man ihnen vorrechne, dass Solarstrom allmählich auch unter Marktbedingungen funktioniere.

„Wir haben bei Solar- und Windstrom einen riesigen Erfolgssprung hingelegt“, sagt Remmers. „Jetzt sieht man, dass sich das lohnt.“ Er träumt schon davon, dass man das umstrittene und komplizierte Förderungssystem allmählich auslaufen lassen könne. „Es würde mich freuen, wenn mehr Menschen aus meiner Branche sagen würden, dass man das EEG dahingehend weiterentwickeln könne.“

Das Konsortium verweist auf eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums zum Ökostrompotenzial in den deutschen Tagebauregionen. Sie kommt zu den Ergebnis, dass in der Lausitz auf den heute noch genutzten Bergbauflächen ein Zubaupotenzial von gut 1900 Megawatt an Windkraft und 8800 Megawatt an Photovoltaik besteht. Das wäre deutlich mehr als im Mitteldeutschen oder Rheinischen Revier.

Brandenburg liegt bei der installierten Gesamtleistung von Photovoltaikanlagen auf Rang fünf mit 3,6 Gigawatt. Spitzenreiter ist Bayern, wo die Anlagen in der Spitze 12,5 Gigawatt Strom erzeugen können. 2013 war der Solarmarkt nach einer Reihe von Reglementierungen und einer Kappung der Förderung regelrecht eingebrochen. 2012 wurden in Brandenburg noch neue Anlagen mit einer Leistung von 970 Megawatt errichtet, im Jahr darauf waren es nur noch 184 Megawatt. Vergangenes Jahr kamen 322 Megawatt hinzu, wie aus Daten des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) hervorgeht.

Während der Solarmarkt unabhängig von Förderungen allmählich an Fahrt gewinnt, hat die Produktion von Solarmodulen keine große Bedeutung mehr in Brandenburg. Einst ruhten hierauf viele Hoffnungen. First Solar und Odersun produzierten in Frankfurt (Oder), in Prenzlau beschäftigte Aleo Solar mehr als 700 Menschen. In Rangsdorf und Frankfurt produzierte Conergy, und in Brandenburg an der Havel unterhielt Bosch eine Entwicklungsfabrik. Von diesen Firmen produziert heute nur noch Aleo Solar, das inzwischen zu einem taiwanesischen Unternehmen gehört. Conergy wurde zwar von der chinesischen Chint-Gruppe übernommen. Doch auch das Nachfolgeunternehmen Astronergy teilte vor wenigen Wochen mit, dass die Produktion völlig eingestellt wird.

In Brandenburg/Havel hat das britische Unternehmen Oxford PV die dortige Solarfabrik übernommen, um dort neuartige Module mit hohem Wirkungsgrad zu entwickeln. 30 Millionen Euro will das Unternehmen, eine Ausgründung der Oxford-Universität, über drei Jahre verteilt investieren.

„Wir wären schon viel weiter, wenn uns die Politik der vergangenen Jahre nicht so ausgebremst hätte“, meint BSW-Chef Carsten Körnig. So müssten die Betreiber von größeren Dachanlagen eine anteilige EEG-Umlage zahlen, wenn sie Strom selbst erzeugen und auch selbst verbrauchen. Sie müssen also Geld in den großen Fördertopf werfen. „Diese Regelung ist völlig widersinnig“, so Körnig. „Weitaus mehr Betriebe oder Supermärkte würden ohne diese Hürde ihre Dächer für die Erzeugung von Solarstrom nutzen.“

Von Torsten Gellner

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