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Brandenburg Wie die Riesensteckdose an die Hauswand kommt
Brandenburg Wie die Riesensteckdose an die Hauswand kommt
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12:34 25.09.2016
Lichtschalter und Steckdose an den Cottbuser Stadtwerken. Quelle: STRAUSS & HILLEGAART GMBH
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Cottbus

Thomas Strauss und Markus Hillegaart wollen Illusionen erschaffen, um die Welt ein Stückchen lebenswerter zu machen. Die beiden Cottbuser entdeckten schon zu Schulzeiten ihre Leidenschaft, der sie bis heute treu geblieben sind: graue Wände lebendig machen und Gebäude auf ihre Art zu verfremden.

Mit ihren riesigen, fotorealistischen Gemälden und Grafiken arbeiten sie seit fast 20 Jahren für Kunden aus Kunst, Kultur, Architektur oder Industrie. Dabei entstehen ungewöhnliche Fassadenmalereien und Kunstwerke. Wie etwa in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz), wo sie mehrere Hauswände am Albert-Schweitzer-Ring mit einer speziellen Strichrastertechnik bearbeiteten. Zu sehen sind Augenblicke aus dem Leben Schweitzers. „Es muss zur Philosophie des Wohngebietes passen. Die Wandmalerei soll im besten Fall mit dem Haus interagieren“, sagt Markus Hillegaart. Die Wandgemälde treffen offenbar einen Nerv. Bisher hätten Anwohner jedenfalls immer positiv auf die Gemälde reagiert.

Häuserzeile in Senftenberg Quelle: Strauss & Hillegaart GmbH

Die Anwohner freuen sich über die Kunst

Die Unternehmer beraten auch Firmen, wenn es um deren äußeres Erscheinungsbild geht. Die beiden 39-Jährigen interessieren sich für die Wirkung von großen Gebäuden in der Natur und wollen Fassaden zum Bild werden lassen, sie in die Umgebung einpassen. „Unsere Arbeiten sollen in Harmonie zur Umwelt stehen“, erklärt Markus Hillegaart. Ein besonderes Projekt realisierten sie in Cottbus: An die Außenwände der Stadtwerke ließen sie eine riesige Steckdose und einen Lichtschalter malen. Täuschend echt sieht das aus, man will förmlich die Hand ausstrecken und den Schalter drücken. „Das kam besonders gut an, sehr viele Menschen wollten sich vergewissern, wie das gemacht ist.“

In der Schule fing alles an

Die Karriere von Markus Hillegaart und Thomas Strauss begann 1995, als sie noch auf das Ludwig-Leichhardt-Gymnasium in Cottbus gingen. Damals verschönerten sie die Turnhalle der Schule mit einem überlebensgroßen Mountainbiker, der durch die australische Landschaft fährt. Eine Anspielung auf den Namensgeber der Schule, Ludwig Leichhardt, dem großen Australienforscher aus Brandenburg.

Eine futuristisch anmutende Zahnklinik in Berlin. Quelle: Strauss & Hillegaart GmbH

Aus dem Schulprojekt wurde ihr Beruf: Drei Jahre später gründeten sie ihre eigene Firma Strauss & Hillegaart Design, die heute für internationale Kunden arbeitet. „Wir haben damals schon erkannt, dass wir uns gut ergänzen“, erinnert sich Hillegaart. Von Anfang an sei den Unternehmern bewusst gewesen, dass ein Fassadenbild nur so gut ist wie die Idee dahinter. Und von denen haben sie reichlich, insgesamt konnten sie seit ihrer Gründung etwa 350 Projekte umsetzen. Für ihre Aufträge nutzen sie verschiedene Techniken, wie etwa die Airbrush-Malerei – ihre Wandbilder sehen oft fast aus wie Fotografien. „Trotzdem muss immer noch zu erkennen sein, dass es Malerei ist“, sagt Hillegaart. „Wenn man nah heran geht, soll es sich vom Plakat unterscheiden.“ Ihre Arbeiten halten 10 bis 20, manchmal auch 30 Jahre, von einem Plakat sei das nicht zu erwarten.

Alles Autodidakten

Neben Thomas Strauss und Markus Hillegaart sind noch drei weitere Mitarbeiter in ihrem Cottbuser Büro angestellt. Eine klassische Arbeitsteilung untereinander gibt es nicht: „Hier arbeitet niemand, der noch nie auf einem Gerüst gestanden hat. Wir sind alle Autodidakten.“ Je nach Auftragsgröße engagieren sie weitere Firmen.

Thomas Strauss und Markus Hillegaart (v.l.). Quelle: Foto: Erik-Jan Ouwerkerk

Vor allem lässt sich das Unternehmen von den Ideen ihrer Kunden inspirieren und holt gerne externe Leute mit ins Boot. Die Firmenphilosophie der Cottbuser: „Wir wollen uns immer weiterentwickeln, nur dann können wir in der Zukunft bestehen. Wie ein System, das nicht statisch ist“, erklärt Hillegaart.

Mit Kreativität allein ist es aber nicht getan. Die Arbeit brauche ein Höchstmaß an technischem Wissen, erklärt Hillegaart. „Man muss sich in solche Projekte verbeißen, durch Datenblätter lesen, Leute aus der Industrie ranholen.“ Für ihn ist das Tolle an seiner Arbeit, dass sich der Beruf ständig weiterentwickelt. In Cottbus jedenfalls fühlt sich der inzwischen glücklich verheiratete Familienvater sehr wohl: „Man kann hier in Ruhe seine Arbeit erledigen. Heutzutage könnte man in jedem kleinen Dorf zum globalen Unternehmer werden.“

Von Melanie Höhn

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