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Wie ein Potsdamer die Quiz-WM erlebt hat

Quiz-Weltmeisterschaft in Hannover Wie ein Potsdamer die Quiz-WM erlebt hat

Zuhause auf dem Sofa wissen wir ja alles, wenn eine Quizshow im TV läuft. Wie es aber aussieht, wenn man ganz auf sich gestellt all sein Wissen abrufen muss, haben am Wochenende mehr als 130 Quizzer in Hannover ausprobiert. Sie nahmen dort an der Quiz-Weltmeisterschaft teil. Der Potsdamer "Quiz-Champion" Jürgen Stelter war dabei.

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In Hannover traf sich die Quiz-Elite zum Wettwissen.
 

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Am Schleimaal trennt sich die Spreu vom Weizen. Frage 29 in der Kategorie Wissenschaft der Quiz-Weltmeisterschaft lautet: „Die Mitglieder welcher Fischfamilie haben als einzige noch lebende Tiere einen Schädel, aber keine Wirbelsäule?“ Eine Abbildung soll den Quizzer auf den richtigen Pfad lenken, doch das hilft Jürgen Stelter jetzt nicht. Der Potsdamer kennt den Schleimaal nicht. Damit wird er im Alltag keine Probleme bekommen, doch hier sind es Antworten wie diese, die man braucht, um eine Top-Platzierung zu erreichen.

Der Potsdamer Jürgen Stelter beim Grübeln

Der Potsdamer Jürgen Stelter beim Grübeln.

Quelle: Katrin Kutter

132 Teilnehmer treten am Sonnabendmorgen im Atrium der Hochschule Hannover zur Weltmeisterschaft an. Die niedersächsische Landeshauptstadt ist eine von mehr als 80 Spielstätten in 45 Ländern rund um den Globus. In Kuwait wird in einem privaten Wohnhaus gequizzt, im US-amerikanischen Ohio an der örtlichen Universität. In Indien gibt es gar 18 verschiedene Veranstaltungsorte. Doch ob am Ganges oder an der Leine, das Regelwerk ist für alle 2500 Spieler gleich: 240 Fragen in acht Kategorien müssen schriftlich beantwortet werden.

Luthers Wirken sind ebenso gefragt wie japanische Popgruppen

Anders als bei Günther Jauch und Co. werden keine Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Jeder quizzt für sich allein, Hilfsmittel sind nicht erlaubt. Besonders knifflig: Auch die Aufgaben sind weltweit gleich. In Deutschland ist das Wissen um Wittenberg als Stätte der Reformation Stoff des Grundschulunterrichts, im asiatischen Raum hingegen wird jedes Kind die japanische Popgruppe AKB48 kennen – Martin Luthers Thesenanschlag aber eher nicht. Die schwächste Kategorie wird bei jedem Teilnehmer aus der Wertung genommen, maximal sind 210 Punkte möglich.

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Wie heißt die erste türkische Ministerpräsidentin? Welcher Hit stand 1983 acht Wochen lang an der Spitze der US-Charts? Wie lautet die Summe der Innenwinkel eines Sechsecks? Breites Allgemeinwissen war bei den Deutschen Quizmeisterschaften gefragt, die am Wochenende in Hannover stattfanden.

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Jürgen Stelters Streichkategorie heißt Wissenschaft. Es ist nicht nur der Schleimaal, auch Mathematik, Physik und Chemie gehören in dieses Gebiet. Stelters Stärken liegen woanders: „Politik und Sport“, sagt er. Zum Quizzen kam der Potsdamer durch die in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum immer beliebter werdenden Kneipen-Raterunden. „Ich war oft beim Fritz-Quiz“, sagt Stelter. Das von einem Radiosender organisierte Quiz hat zehn Jahre lang Besserwisser aus Berlin und Brandenburg angezogen. „Irgendwann stand ein Typ mit Wuschelhaaren vor mir und erzählte etwas von einem Einzelquiz“, erinnert sich der 40-jährige, der heute monatlich selbst ein Pub-Quiz in seiner Heimatstadt moderiert. Der Wuschelkopf heißt Sebastian Klussmann, er ist bis heute der erste Vorsitzende des Deutschen Quizvereins.

TV-Quizelite gibt sich ein Stelldichein

Einer breiten Öffentlichkeit wurde der 28 Jahre alte Berliner als fester Mitspieler im ARD-Fernsehquiz „Gefragt, Gejagt“ bekannt. In Deutschland gehört der Politik-Student zur Quizelite, bei jeder seiner bisherigen WM-Teilnahmen landete er unter den fünf besten Deutschen, ist Rekordnationalspieler. In Hannover ist er einer von vielen Quiz-Promis. Seine Jägerkollegen aus der Show sind allesamt unter den Kontrahenten, zahlreiche Teilnehmer anderer Ratesendungen im Fernsehen – Jürgen Stelter etwa wurde im vergangenen Jahr zum ZDF-Quizchampion und gewann 200.000 Euro – sind ebenfalls im Quizverein aktiv und zur Weltmeisterschaft in Hannover.

Konzentrierte Stille beim Besserwissen

Konzentrierte Stille beim Besserwissen.

Quelle: Katrin Kutter

Klussmann ist es auch, der dafür sorgte, dass die Weltmeisterschaft in Deutschland so stattfinden kann. Einst hatte sich ein Unternehmen die Rechte an der Veranstaltung gesichert. Er ging auf das Unternehmen zu, suchte das Gespräch. Der Inhaber wurde Teil des Quizvereins, dieser und seine Veranstaltungen inklusive der Weltmeisterschaft zur Erfolgsgeschichte. „Bei der ersten WM sind zwei deutsche Spieler angetreten“ sagt Klussmann, „heute haben wir 270 Vereinsmitglieder, 160 Mitspieler kommen an einem Wochenende wie diesem nach Hannover.“

Quizzer-Szene ist klein und umtriebig

Nicht alle reisen für die Weltmeisterschaft an. Am Pfingstwochenende finden auch die Deutsche Meisterschaft, die Deutsche Doppelmeisterschaft, eine Buzzermeisterschaft und einige kleinere Wettbewerbe statt. Mitmachen kann jeder, die Atmosphäre ist entspannt. Die Quizzer-Szene ist klein, man kennt sich hier. Viele spielen monatlich im Deutschland Cup des Quizvereins mit, treffen dort auf Gleichgesinnte. Die Cups sind ähnlich der WM organisiert, sie finden dezentral an diversen Spielorten statt; am Ende steht eine Rangliste, die alle Ergebnisse vergleicht.

Deutschland sucht den Quizmeister

Ein Controller bei Thyssen-Krupp, eine 54-jährige Krankenkassen-Mitarbeterin, ein Neuntklässler aus Berlin: Das Teilnehmerfeld ist bunt gemischt. Lesen Sie hier, was Sie zum Mitmachen antreibt.

Der Potsdamer Stelter findet sich regelmäßig unter den besten 15 wieder, Klussmann unter den Top drei. Die Weltspitze ist jedoch für beide unerreichbar. „Ganz vorne sind seit langem die Engländer“, sagt Stelter. Sein Ehrgeiz sei es gar nicht nur, sich besonders gut platzieren. „Es geht vor allem darum, was ich weiß“, sagt er, „es ist einfach ärgerlich, wenn man auf etwas nicht kommt.“ Bei der Weltmeisterschaft nehme er ohnehin nur zum Spaß teil, wichtiger sei ihm die Deutsche Meisterschaft. „Dort möchte ich unter die Top 20 kommen“, sagt er. In der weltweiten Wertung kann der Potsdamer 87 Punkte am Ende für sich verbuchen, 93 waren es noch im Vorjahr gewesen. „Klar, es wäre schön gewesen, sich zu steigern, aber das Ergebnis ist in Ordnung. Ich habe kaum Punkte liegenlassen“, befindet Stelter.

Jürgen Stelter ist mit seinem Abschneiden zufrieden

Jürgen Stelter ist mit seinem Abschneiden zufrieden.

Quelle: Katrin Kutter

Der alte und neue Weltmeister heißt Kevin Ashman. Unglaubliche 169 Punkte hat der 57 Jahre alte erreicht, der seit 2002 Profiquizzer ist. Bester Deutscher – Platz 12 der Welt – wird Holger Waldenberger mit 149 Punkten. Auch er ist aus dem Fernsehen bekannt, wird in Hannover sogar um manches Autogramm gebeten. Dass der Weltmeister fast doppelt so viel wusste wie er selbst, ist für Jürgen Stelter kein Ärgernis.

Unter den deutschen Teilnehmern sind nur 17 besser als er. In der Deutschen Meisterschaft läuft es noch besser. Seine 78 Punkte von 120 möglichen bringen Stelter hier auf Platz 16. Doch darum gehe es eben nicht – nicht nur. Am meisten Spaß bringe ihm immer, etwas Neues zu lernen. Er sagt: „Den Schleimaal vergesse ich so schnell nicht mehr.“

Von Saskia Kirf

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