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Brandenburg Wie ein Tablet Parkinson-Kranken helfen kann
Brandenburg Wie ein Tablet Parkinson-Kranken helfen kann
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14:03 21.10.2016
Mit Tablets wird den Patienten in der Telekonferenz die Trainingsstunde übermittelt. Quelle: foto: Fotolia
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Beelitz

Mit zwei Wochen Therapie in der Klinik ist es für Parkinson-Erkrankte nicht getan. Die zumeist älteren Patienten müssen auch nach ihrer Entlassung trainieren, um den Einschränkungen beim Sprechen, bei feinmotorischen Bewegungen oder beim Halten des Gleichgewichts entgegenzuwirken. „Unsere Erfahrung ist aber, dass die Bereitschaft zum Training und zur Gymnastik sehr schnell nachlässt“, sagt Georg Ebersbach, Chefarzt des Neurologischen Fachkrankenhauses für Bewegungsstörungen und Parkinson in Beelitz-Heilstätten. Eine neue Therapieform soll den Patienten bald helfen, am Ball zu bleiben. Ausgestattet mit einem Tablet, sollen sie per Telemedizin ihre Therapie zu Hause fortsetzen. Das sieht ein Pilotprojekt der Beelitzer Kliniken zusammen mit der Krankenkasse AOK Nordost vor.

Spendengala für Kranke


leben nach Schätzungen deutschlandweit mit der Diagnose Parkinson. Wie viele es in Brandenburg sind, kann ebenfalls nur geschätzt werden. Laut den Beelitzer Kliniken muss man mit 160 bis 200 Parkinson-Erkrankten pro 100 000 Einwohner rechnen. Mit der steigenden Lebenserwartung wird ­diese neurodegenerative Erkrankung, die meist erst ab dem 50. Lebensjahr festgestellt wird, in den nächsten Jahren deutlich zunehmen.

ist das größte Charity-Projekt in Deutschland für an Morbus Parkinson erkrankte Menschen. Die Gala findet am 5. November in der Potsdamer Metropolis-Halle statt. Ihr Name leitet sich von der Tulpe ab, dem weltweiten Symbol für das Parkinson-Engagement. Die erste Veranstaltung fand 2010 in Potsdam statt. Der selbst an Parkinson erkrankte Boxer Mohammad Ali unterstützte damals das Projekt, indem er seine signierten Boxhandschuhe für eine Versteigerung einsandte.

Das Tragische bei Parkinson-Patienten: Sie leiden nicht nur unter körperlichen, sondern auch unter krankheitsbedingten Motivationsstörungen. Die Idee hinter dem Pilotprojekt: Die Tele-Therapie setzt den Klinikaufenthalt ambulant fort – mit modernster Technik. Startschuss der neuen Behandlung soll im nächsten Frühjahr sein.

Ein Kontakt wie über Skype

„Die Basis unseres Systems ist ein Skype-ähnlicher Telekontakt, der über Tablets hergestellt werden soll“, sagt Georg Ebersbach. Mit ihren integrierten Kameras können die Therapeuten und Experten in Beelitz mit ihren Patienten kommunizieren, auch wenn diese Hunderte Kilometer weit weg in der Uckermark oder Prignitz leben. Gedacht sei an Einzel- aber auch an Gruppensitzungen, so Ebersbach. Allerdings müssen die Verbindungen höchsten Datenschutzanforderungen genügen, da es sich um eine sensible Beziehung zwischen Therapeut und Patient handelt. Hierfür arbeitet das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus) in Berlin an der entsprechenden Technologie.

Und wie soll die Therapie aussehen? „Ein ganz wichtiges Thema sind Alltagsbewegungen, die bei den Patienten ganz schlecht gehen“, sagt Parkinson-Experte Ebersbach. Manche tun sich beim Umgang mit Messer und Gabel schwer, andere können keine Schraube festdrehen, wieder andere haben Schwierigkeiten, gerade und aufrecht zu stehen. Diesen Schwächen arbeite man durch abgestimmte Übungen entgegen. Der via Tablet behandelnde Therapeut hält anhalt standardisierter Skalen die Fortschritte genau fest. Ergänzt wird das Teleprojekt um eine Bewegungs-App. Sie enthält Vorschläge zum Trainingsprogramm, Informationen zur Parkinson-Erkrankung und einen Medikamentenplan. Außerdem hilft sie den Kranken, das eigene Krankheitstagebuch zu führen und den Fortschritt der Therapie zu kontrollieren.

Durch Training wieder fit werden

Ebersbach betont einen wichtigen Unterschied zwischen Schlaganfall- und Parkinson-Patienten. Beide können in ihren Bewegungen eingeschränkt sein, bei Parkinson jedoch falle die eigentliche Körperfunktion nicht aus. „Es ist sozusagen mehr eine Störung der Software“, erklärt der Mediziner. Die Patienten können bestimmte Fähigkeiten mühsam wieder antrainieren.

Die AOK Nordost sieht das Projekt als Baustein ihres Programms „Aktiv gegen Parkinson“ an. Gerade bei dieser Krankheit sei eine intensive Motivation und Begleitung durch vertraute Therapeuten wichtig. „Die bereits erzielten Trainingsergebnisse sollen ausgebaut und konsolidiert werden“, so Marina Otte von der AOK-Abteilung Rehabilitation. Selbstmanagement der Versicherten und Begleitung durch ein bereits bekanntes Therapeutenteam seien die Säulen des Experiments. Das müsse jetzt den Praxistest bestehen.

Auch der Verein Deutsche Parkinson-Hilfe hat Unterstützung zugesagt. Der Verein will für die Pilotphase bis zu 15 Tablets leihweise zur Verfügung stellen. „Wir sorgen dafür, dass das Projekt nicht daran scheitert, dass sich die Leute die Tablets nicht leisten können“, sagt der Vorsitzende Stephan Goericke. „Aus unserer Sicht ist das Projekt gerade für Patienten im ländlichen Raum Brandenburgs wichtig“, begründet Goericke das Engagement. Später solle es auf das ganze Bundesgebiet ausgedehnt werden. Geld für Tablets wollen Goericke und sein Verein auch 5. November bei der Deutschen Parkinson Gala in Potsdam sammeln.

Von Rüdiger Braun

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