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So verhalten Sie sich richtig bei Blaulicht

MAZ-Interview mit Rettungssanitäter So verhalten Sie sich richtig bei Blaulicht

Rechts ranfahren, Anhalten und muss ich auf den Bordstein fahren? Wenn hinter Autofahrern ein Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn auftaucht, gibt es einige Regeln, an die man sich halten sollte. Im MAZ-Interview erklärt ein Rettungssanitäter, wie sich Autofahrer verhalten sollten und warum Anhalten nicht immer die beste Lösung ist.

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Wenn hinter Autofahrern ein Rettungswagen mit Blaulicht auftaucht, sollte man sich an einige Regeln halten.

Quelle: dpa-Zentralbild

Beelitz. Jeder Autofahrer kennt das: Die Ampel ist rot und der Feierabendverkehr in der Stadt dicht. Auto steht an Auto und nichts geht mehr. Und plötzlich taucht im Rückspiegel ein Rettungswagen mit Blaulicht auf. Muss ich auf die Bordsteinkante fahren oder darf ich die rote Ampel überfahren, fragen sich viele in einer solchen Situation. Rettungsdienstleiter und Notfallsanitäter bei den Johannitern in Beelitz (Potsdam-Mittelmark), Sven Schmidt (45), bringt im MAZ-Interview etwas Licht ins Dunkel.

MAZ: Herr Schmidt, angenommen ich fahre im Dunkeln auf einer engen Landstraße, links und rechts von mir ist Wald und hinter mir kommt Blaulicht. Muss ich anhalten?

Sven Schmidt : Nicht, wenn die Straße frei ist. Die Straßenverkehrsordnung schreibt lediglich vor, dass man freie Fahrt gewähren muss. Der Rettungswagen kann das Auto in dem Fall links überholen. Zu DDR-Zeiten war es so, dass man sinngemäß bei Martinshorn und Blaulicht immer rechts ranfahren und anhalten musste. Das ist jetzt zwar nicht mehr so, wir erleben es aber trotzdem noch.

Sven Schmidt leitet den Rettungsdienst der Johanniter vor Ort in Beelitz

Sven Schmidt leitet den Rettungsdienst der Johanniter vor Ort in Beelitz.

Quelle: Julian Stähle

Passiert das oft?

Schmidt : Immer mal wieder. Gerade auf engen Landstraßen bemerken Autofahrer das Blaulicht zu spät und legen dann eine Vollbremsung hin. Das gefährdet in dem Moment nicht nur sie selbst, sondern auch den Rettungswagen und andere Verkehrsteilnehmer.

Wie muss ich mich auf der Autobahn verhalten, abgesehen von der Rettungsgasse?

Schmidt : Grundsätzlich ist bei fließendem Verkehr immer die linke Spur frei zu halten. Es kann aber auch sein, dass ein Rettungswagen mit Blaulicht und geringerer Geschwindigkeit auf der rechten oder mittleren Spur fährt, zum Beispiel wenn wir Menschen mit bestimmten Verletzungen an Bord haben. Dann dürfen Autos den Rettungswagen auch links überholen.

Was tun bei Blaulicht?

Drei Tipps vom Experten und Rettungsdienstleiter Sven Schmidt:

1. Besonnen reagieren: Den nachfolgenden und vorausfahrenden Verkehr beobachten und ohne Gefahr Platz für den Rettungswagen machen.

2. Nicht als Hindernis stehen bleiben und immer Abstand zu anderen Autos lassen.

3. Hektische und unüberlegte Handlungen, wie eine Gefahrenbremsung, vermeiden.

Im Stadtverkehr stehen die Autos ja meistens dicht an dicht. Muss ich im Falle des Falles wirklich auf die Bordsteinkante fahren?

Schmidt : Wenn Sie sich damit das Auto ruinieren, müssen Sie das natürlich nicht. Man sollte im Kopf haben, dass ein Einsatzwagen mit Martinshorn und Blaulicht zwar Wegerecht hat, aber nicht um jeden Preis. Was man aber darf, ist über rote Ampeln zu fahren, um dem Rettungsdienst Platz zu machen. Dabei sollte man aber immer vorsichtig sein und auf die Fußgänger aufpassen. Manchmal erleben wir ganz kuriose Sachen.

Haben Sie ein Beispiel?

Schmidt: Auf schmalen Straßen passiert es oft, dass Autos am Rand stehen bleiben und direkt nebeneinander stehen, so dass wir nicht mehr durchkommen. Oft wird uns auch vorgeworfen, dass wir im Parkverbot stehen, weil wir natürlich keine Zeit haben, bei einem Einsatz erst mal einen Parkplatz für das große Auto zu suchen. Obwohl das Blaulicht an ist, beschweren sich manche darüber.

Werden Sie im Rettungswagen schnell nervös, wenn Sie nicht weiterkommen?

Schmidt: Sagen wir es mal so, der Adrenalinspiegel steigt schon an. Aber wie immer im Straßenverkehr ist Hektik kein guter Begleiter. Unsere Aufgabe ist es in dem Moment, die anderen Verkehrsteilnehmer zu aktivieren und zum Platzmachen zu bewegen. Erzwingen können wir nichts. Wenn es wirklich nicht weitergeht, müssen wir eben warten. Am schlimmsten ist es, wenn Unfälle in Baustellen passieren, wie zuletzt häufig auf der A 10. Dann kommen wir meist schlecht durch.

Kann ich dafür bestraft werden, wenn ich keinen Platz mache?

Schmidt: Wir schreiben uns manchmal Kennzeichen von Autos auf und bringen sie zur Anzeige bei der Polizei. Aber inwiefern das verfolgt werden kann oder wie hoch das Strafmaß ist, weiß ich nicht.

Es gibt immer mehr Kampagnen, die über die Rettungsgasse informieren. Haben Sie den Eindruck, dass sich schon was getan hat?

Schmidt: Die richtige Wirkung ist noch nicht da. Bei uns in der Umgebung entstehen die meisten Staus nicht wegen Verkehrsunfällen, sondern aufgrund von Baustellen. Aber je mehr Kampagnen es zur Rettungsgasse gibt, umso besser ist es. Die Strafen zu erhöhen, ist für mich allerdings nicht der richtige Weg. Man sollte eher an den gesunden Menschenverstand appellieren. Wer die Polizei oder den Rettungsdienst mal brauchte, weiß wie wichtig es ist, schnell zu reagieren.

Blaulicht gibt es seit 1933

Das erste Blaulicht in Deutschland wurde 1933 bei der Polizei eingeführt. Als im selben Jahr die Feuerwehr den Ordnungshütern untergeordnet wurde, bekamen deren Fahrzeuge auch Blaulicht.

Damals waren jedoch die Gründe für diese Farbe anders als heute: Blaues Licht besitzt die höchste Streuung in der Atmosphäre und war damit für Bomber in großen Flughöhen nicht mehr sichtbar, womit ein Einsatz von Polizei oder Feuerwehr die Sicherheit der Bevölkerung im Kriegsfall nicht gefährdete.

2014 sind die Zeiten von Bombenangriffen über Deutschland zwar vorbei, das Blaulicht blieb aber erhalten. Das hat den einfachen Grund, dass Blaulicht im Straßenverkehr unverwechselbar ist und bei den gängigen Lichtzeichen nicht verwendet wird.

In Deutschland dürfen allein Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und sonstigen Einsatzkräften wie dem Technischen Hilfswerk ausgestattet sein. Dasselbe gilt für das Martinshorn.

Von Luise Fröhlich

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