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Wie weiter nach Todesschüssen auf Arzt?

Berlin Wie weiter nach Todesschüssen auf Arzt?

An der Berliner Charité sind viele Mitarbeiter aufgewühlt. Warum musste ein beliebter Mediziner sterben? Mitten im Dienst, erschossen von einem Patienten. Und wie wird ermittelt, nachdem sich der Täter selbst getötet hat? Es sind viele Fragen offen.

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Das Bettenhaus der Charité in der Luisenstraße.
 

Quelle: dpa

Berlin.  Nach den tödlichen Schüssen auf einen Arzt der Berliner Charité untersucht die Staatsanwaltschaft jetzt die Tatwaffe. Die Umstände der Tat müssten geklärt werden, sagte ein Sprecher der Behörde am Mittwoch. Ein 72-Jähriger hatte am Dienstag mehrmals auf den 55-jährigen Mediziner vom Campus Benjamin Franklin in Steglitz geschossen und sich dann selbst getötet. «Gegen Tote wird aber nicht ermittelt», betonte der Sprecher

.

Wohnung des Täters durchsucht

Ob sich der Rentner die Waffe illegal besorgte oder ob sie registriert war, sei offen. Die Wohnung des Rentners sei durchsucht worden, das Motiv der Tat ist noch unklar. Derzeit sind nach Angaben der Polizei in Berlin 20 929 Kurzwaffen sowie 25 282 Langwaffen registriert.

Mitarbeiter sind geschockt

An der Charité waren auch am Mittwoch viele Mitarbeiter geschockt. Dass einer, der andere heilt, während der Arbeit sein Leben verliert, sei nicht zu fassen, hieß es. Die Ambulanz der Mund-, Kiefer- und Gerichtschirurgie blieb zunächst geschlossen. Dort hatte der Spezialist gearbeitet. An einen Normalbetrieb sei nicht zu denken, hieß es.

Kondolenzbuch ausgelegt

In der Klinikkapelle wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt. «Viele wollen ihre Trauer zum Ausdruck bringen», sagte Charité-Sprecher Uwe Dolderer. Psychologen und Seelsorger kümmerten sich um Mitarbeiter. Flaggen an dem Universitätsklinikum seien auf halbmast gesetzt worden.

Unvermittelt Pistole gezogen

Der 72-Jährige hatte am Dienstag in einem Behandlungszimmer unvermittelt eine Pistole gezogen und mehrere Schüsse abgefeuert. Der Schwerverletzte schleppte sich noch in den Nebenraum und brach dort zusammen. Trotz sofortiger Notoperation konnte der 55-Jährige nicht gerettet werden.

Patient erschießt Arzt und tötet sich selbst

Eine Verzweiflungstat?

Der Rentner erschoss sich noch im Behandlungsraum. Der Ärztliche Direktor, Professor Ulrich Frei, sagte dazu am Dienstagabend: «Es war wohl weniger Rache als Verzweiflung». Der behandelnde Arzt war ein ausgewiesener Fachmann für Tumore im Mund- und Kieferbereich, der Patient war laut Charité bei ihm in Behandlung und auch von ihm operiert worden.

Sicherheitskontrollen unrealistisch

Indes bekräftigte die Charité, dass Sicherheitskontrollen an Krankenhäusern unrealistisch seien. «Sicherheitskontrollen bei Notfällen? Wie wollen Sie das machen? Das ist schon logistisch nicht zu leisten», sagte Dolderer. «Krankenhäuser müssen für Patienten, Angehörige, Mitarbeiter und Studenten offen sein.» Dennoch werde der Fall aufgearbeitet.

Digitalfunk hat nicht funktioniert

Der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux warf der Polizei vor, dass bei dem Einsatz in der Klinik der Digitalfunk nicht funktioniert habe. Eine gesicherte Kommunikation gehöre aber zur Grundausstattung der Polizei. Innensenator Frank Henkel (CDU) habe bislang keinen Plan vorgelegt, obwohl die Probleme seit Jahren bekannt seien.

Ein Sprecher der Berliner Gewerkschaft der Polizei sagte dem Radiosender 104.6 RTL, es habe Einsatzkräfte gegeben, die in einer Etage der Klinik für etwa eine Stunde «nichts wirklich gehört haben». Bei der Polizei hieß es lediglich, die Kommunikation per Funk während des Einsatzes werde ausgewertet.

Von dpa

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