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Wie würde Regine Hildebrandt heute die AfD sehen?

15. Todestag von Regine Hildebrandt Wie würde Regine Hildebrandt heute die AfD sehen?

Frauke Hildebrandt ist die Tochter der einstigen Sozialministerin in Brandenburg, die vor 15 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens verstarb. Sie glaubt, dass ihre Mutter heute jemanden, der andere Menschen herabwürdigt, Null-Toleranz entgegenbringen würde. Sie fordert von der Politik klare Kante gegen Rassismus.

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Regine Hildebrandt war von 1990 bis 1999 Arbeits- und Sozialministerin. 2001 starb sie mit nur 60 Jahren an den Folgen von Krebs.

Quelle: Neetz

Potsdam. Der heutzutage häufig gemachte Vorhalt, Politiker seien populistisch, ist jedenfalls für Frauke Hildebrandt nicht neu. Viele hätten ihre Mutter Regine damals in den 90er Jahren als „Populistin“ angesehen – allerdings, wie sie betonte, im „positiven Sinne“. Weil sie stets nah am Volk war, ohne jemand auszugrenzen und nie das Gefühl verbreitete, die alleinige Vertreterin des Volkes zu ein. Und das unterscheide sie von den Rechtspopulisten heute, deren Aufschwung Frauke Hildebrandt (47), Wissenschaftlerin an der Fachhochschule Potsdam, mit großer Sorge sieht. Sie befürchtet ein weiteres „Nach-Rechts-Rutschen“ der Gesellschaft – nicht nur in Brandenburg.

Der 15. Todestag ihrer Mutter am Samstag, die einst die beliebteste Politikerin in Ostdeutschland war, war für sie Anlass, mit einigen aus der Brandenburger SPD darüber nachzudenken, wie Regine Hildebrandt heute Politik machen und beispielsweise mit der AfD umgehen würde. „Politiker machen sicher nicht immer das, was sie tun sollten“, sagte Frauke Hildebrandt. „Das ist aber noch lange kein Grund, andere Menschen herabzuwürdigen.“ Ihre Mutter habe stets die Leute ernst genommen. „Und genau deshalb hätte sie den Menschen heute, die menschenfeindlich und rassistisch auftreten, eine klare Kante gezeigt.“ Und das müssten die Politiker von heute viel mehr tun, glaubt sie.

Tochter Frauke Hildebrandt und Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe

Tochter Frauke Hildebrandt und Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe.

Quelle: Rochus Görgen

Da gab ihr Alt-Ministerpräsident Manfred Stolpe unumwunden recht. Stolpe hatte 1990 Regine Hildebrandt zu seiner Arbeits- und Sozialministerin in Brandenburg gemacht. Typisch für sie sei es gewesen, auf Zusammenhalt zu setzen, klar zu reden und nicht abzuwarten, sondern zu handeln. Das seien alles zeitlose Erkenntnisse, räumte Stolpe ein, aber in der heutigen Zeit besonders wichtig.

Der 80-Jährige sieht heute die Kluft zwischen Arm und Recht wachsen, die zum Teil von der Politik „vertuscht“ werde. Hinzu komme der Flüchtlingsstrom, der auf Menschen treffe, die verunsichert seien und fürchteten, den Kürzeren zu ziehen und nur noch Menschen „dritter Klasse“ zu sein. Das habe er schon Anfang der 90er Jahre leidvoll erlebt, als in Ostdeutschland Flüchtlingsheime brannten. „Wir leben heute in einer gefährlichen Zeit.“ Dazu komme, dass die Vorbehalte gegen Politiker wachsen würden und immer weniger Fakten in der Auseinandersetzung zählten. Stolpes Appell an die heutigen Politiker: Sie müssten, wie zu Luther-Zeiten, dem Volk stärker „aufs Maul“ schauen und sofort gegen alles Stellung beziehen, was dem Zusammenhalt der Gesellschaft schadet. Bösartigkeiten von Populisten müssten schärfer attackiert und entlarvt werden, forderte Stolpe. Frauke Hildebrandt meinte, dass es oft viel Energie und Mut bedürfe, solchen Auffassungen öffentlich bei Veranstaltungen zu widersprechen. Das sei aber nötig. Sie sei sich sicher, dass ihre Mutter jemandem, der andere Menschen herabwürdigt, Null-Toleranz entgegengebracht hätte.

Für die Potsdamer SPD-Politikerin Manja Schüle war Regine Hildebrandt keine Populistin, wie sie hervorhob. Populisten wie in der AfD würden den Leuten nach dem Mund reden und Verunsicherung schüren. „Regine Hildebrandt war populär“, sagte Schüle, die in Potsdam 2017 für den Bundestag kandidiert. Bewundert habe sie Regine Hildebrandt stets für ihre klare Haltung und klare Sprache.

Frauke Hildebrandt berichtete, ihre Mutter habe Traditionen wie Weihnachtslieder („Wir haben Weihnachten gleich dreimal in Christvespern gesungen.“) immer sehr hoch gehalten. „Sie war traditionsverliebt.“ Trotzdem habe sie immer ein offenes Haus gehabt und sei offen gewesen für alle Menschen. Wegen dieser direkten Art wurde sie auch „Mutter Courage des Ostens“ genannt.

Von Igor Göldner

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