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Wildauer Startup will Optiker-Markt aufmischen

Digitalisierung Wildauer Startup will Optiker-Markt aufmischen

Mit ihrem Startup Brillen.de mischen Matthias und Christine Kamppeter den Optikermarkt in Deutschland auf. Das Wildauer Unternehmen greift mit einer aggressiven Preispolitik Platzhirsche wie Fielmann und Apollo an. Einen millionenschweren Investor aus dem Silicon Valley hat das Konzept überzeugt.

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Matthias und Christine Kamppeter.

Quelle: Supervista

Wildau. Wenn man die Räume der Super Vista AG in Wildau (Dahme-Spreewald) betritt, verrät wenig, worum es hier eigentlich geht. Einen richtigen Empfangsbereich gibt es nicht, stattdessen viele Schreibtische, an denen junge Menschen sitzen und in allerlei Sprachen telefonieren. „Wir sind an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen. Deswegen mussten wir die Tische schon auf den Flur stellen“, sagt Matthias Kamppeter, einer der Gründer der Super Vista AG, die unter dem Firmennamen Brillen.de gerade den Optikermarkt aufmischt.

Brillen.de hat eine erstaunliche Karriere hinter sich. 2012 als Dreimann-Startup gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute knapp 100 Mitarbeiter und verkauft nach eigenen Angaben allein in Deutschland 1200 Brillen am Tag. Allerdings nicht im Internet, wie der Firmenname vermuten lässt.

„Wir verkaufen nichts online“

„Wir verkaufen nichts online. Brillen muss man anprobieren“, sagt Kamppeter. Brillen.de vermittelt Kunden, die über die Internetseite einen Termin bei ihrem Partneroptiker um die Ecke vereinbaren und spezielle Angebote reservieren können. Mit 650 Optikern in Deutschland arbeitet die Firma zusammen, mit 500 weiteren im europäischen Ausland. Diese halten die rund 250 Brillenmodelle des Wildauer Unternehmens bereit, beraten, vermessen, passen an.

Wenn sich der Kunde entschieden hat, übermittelt der Optiker die Daten via Internet nach Shanghai. Dort werden die Sehhilfen im Auftrag der Wildauer produziert, quasi in Echtzeit, wie Kamppeter sagt. So könne man enorm preiswerte Produkte anbieten, weil Zwischenhändler und andere Vertriebsstufen übersprungen werden. „Wir sind sehr preisaggressiv, aber auch sehr attraktiv“, so Kamppeter.

„Wir holen den Markt zurück“

Brillen.de will den klassischen Optikerberuf ins digitale Zeitalter überführen. Ohne Handwerk und persönliche Beratung gehe es aber nicht, ist Kamppeter überzeugt, zumal Brillen.de auf den Verkauf von komplizierteren Gleitsichtbrillen spezialisiert ist. „Da kommt es auf ein Zehntel Millimeter an, sonst haben Sie an der Brille keine Freude“, erklärt er.

Die Kunden wollten eigentlich nie weg vom traditionellen Optiker, meint Kamppeter. Aber sie sind weg, hin zu Ketten wie Fielmann und Apollo, die Sehhilfen zu Niedrigpreisen anbieten und die unabhängigen Optiker massiv unter Druck setzen. Die Branchenriesen setzten im vergangenen Jahr rund 1,7 Milliarden Euro um. Der Gesamtumsatz der deutschen Optiker lag bei 6 Milliarden Euro. Kamppeter sieht in seiner Kooperation mit den stationären Optikern die Chance, den Brillen-Discountern wieder Marktanteile abzujagen. „Wir holen den Markt zurück – mit Neukunden und ehemaligen Kunden“, sagt Kamppeter.

Expansion in Europa

Die Wurzeln des Startups liegen in Bayreuth, wo Matthias Kamppeter und seine Frau Christine ein Optik-Fachgeschäft führten. Kamppeter stammt aus einer Augenarztfamilie, wie er erzählt. 2012 gründete er mit seinem Freund Daniel Thung Brillen.de und siedelte ein Jahr später über nach Wildau, weil die bayerischen Banken das Geschäftsmodell für nicht förderwürdig hielten. Die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Berlin-Brandenburg (MBG) hat das Potenzial des Startups dagegen erkannt und stieg ein.

Seither wächst das Unternehmen stetig und setzt weiter auf Expansion. In Spanien, Italien und Österreich ist das Unternehmen inzwischen aktiv, der englische Markt wird gerade ausgelotet, erweist sich aber als schwierig, erklärt Christine Kamppeter, die als Prokuristin bei Brillen.de arbeitet. „Wir wissen nicht so recht, woran das liegt.“

45 Millionen aus dem Silicon Valley

International hat das Konzept jedenfalls schon die Investoren überzeugt. Mit Technology Crossover Ventures (TCV) stieg vergangenes Jahr einer der größten Risikokapitalgeber des Silicon Valley bei Brillen.de ein – mit 45 Millionen Euro. TVC ist bereits an Unternehmen wie Facebook oder Netflix beteiligt. Für die Wildauer kommt der Geldsegen wie gerufen, nicht nur wegen der selbst gesteckten Wachstumsziele. Die mittlerweile auf zwei Flügel verteilten Räume in Wildau sind zu klein geworden. Deswegen will Brillen.de einen neuen Firmensitz errichten, im benachbarten Königs Wusterhausen. Im Herbst soll es losgehen. „Dann müssen unsere Mitarbeiter mit ihren Schreibtischen auch nicht mehr auf dem Gang sitzen“, sagt Matthias Kamppeter.

Von Torsten Gellner

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