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Wilderer plündern Seen und Wälder

Wilderei in Brandenburg Wilderer plündern Seen und Wälder

Auf der Pirsch ohne Jagdschein, auf Fischfang ohne Gewässerkarte: In Brandenburg ist die Zahl der Wildereidelikte deutlich angestiegen. Die aufsehenerregenden – und bis heute ungeklärten – Fälle von zwei geköpften Wölfen ist nur die Spitze des Eisbergs.

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Wilderer machen auch vor Rehen nicht halt.

Quelle: dpa

Potsdam. Auf der Pirsch ohne Jagdschein, auf Fischfang ohne Gewässerkarte: In Brandenburg ist die Zahl der Wildereidelikte deutlich angestiegen. Registrierte die Polizei im Jahr 2013 noch 333 Fälle, waren es im vergangenen Jahr 465, wie das Landeskriminalamt auf Anfrage mitteilte. Es ist der höchste Wert seit fünf Jahren.

Keine Schätzung möglich

Wie viele Wilderer tatsächlich ihr Unwesen in Brandenburg treiben, ist nicht bekannt. Es ist für die Polizei ein schwieriges Terrain. „Eine Dunkelfeldanalyse ist nicht möglich“, sagt Karina Schulter, Sprecherin des Landeskriminalamts. Auch der Landesjagdverband, dem die illegalen Konkurrenten ein Dorn im Auge sind, will keine Schätzung abgeben. „Wir können nicht sagen, ob die Dunkelziffer groß oder klein ist“, sagt Georg Baumann, Geschäftsführer des Landesjagdverbands. „Es gibt ein Dunkelfeld, weil ein Teil der Wildereidelikte nicht entdeckt wird. Die Täter nehmen die Beute schließlich in der Regel mit.“

Flächendeckendes Phänomen

Baumann spricht von einem „flächendeckenden Phänomen“. „Das Spektrum reicht von Menschen, die wohl von Abenteuerlust getrieben sind, bis hin zur bandenmäßigen Wilderei. Zumindest kann man das vermuten, wenn getötete Tiere ohne Kopf oder Geweih gefunden werden.“

Sogar Wölfe geköpft

Für Aufsehen sorgten die bis heute ungeklärten Fälle von zwei kopflosen Wölfen, die vergangenes Jahr offenbar Opfer von Trophäensammlern geworden sind. Die Tiere waren an der Landesgrenze zu Sachsen und im Spreewald gefunden worden. Nicht zuletzt wegen solcher Fälle fordern Naturschutzverbände in Deutschland Spezialeinheiten bei der Polizei, wie sie in den USA oder Österreich üblich seien. „Wilderer und illegale Artenschmuggler haben in Deutschland leichtes Spiel. Täter werden fast nie ermittelt“, sagt etwa Roland Gramling, Sprecher der Naturschutzorganisation WWF. Ohne spezielle Ausbildung und eine gewisse Routine sei die Aufklärung von Wildereidelikten nur schwer möglich, meint er. Laut WWF haben es Wilderer nicht nur auf Geweihe oder Wildbret abgesehen. Auch Vögel und deren Gelege sind begehrt. Seit 1990 seien in Brandenburg 204 illegal geschossene Vögel registriert, darunter 13 Seeadler, heißt es.

Keine Fachstelle beim Landeskriminalamt

Beim Brandenburger Landeskriminalamt gibt es keine Fachstelle, die sich ausschließlich mit Wildereidelikten und Verstößen gegen das Artenschutzrecht befasst. Bei speziellen Fällen, wie etwa bei den geköpften Wölfen, werde aber das Kommissariat Schwere Umweltkriminalität eingeschaltet, heißt es.

Der Landesjagdverband sieht ebenfalls keinen Handlungsbedarf, drückt es aber diplomatisch aus: „Wir wollen der Polizei nicht vorschreiben, wie sie sich zu organisieren hat“, sagt Verbandschef Baumann.

Geweihe dürfen nicht mitgenommen werden

Nicht immer sind Wilderer mit der Flinte oder - wie es auch schon in Brandenburg vorgekommen ist - mit Pfeil und Bogen unterwegs. Jeder kann schnell zum Täter werden, zum Beispiel aus Unbedarftheit: „Wenn man ein Wildtier überfährt und in den Kofferraum legt, um es zu entsorgen, dann fällt das unter Wilderei“, warnt Jäger Baumann. „Auch ein Geweih, das man im Wald findet, darf man nicht einfach mitnehmen.“

Von Torsten Gellner

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