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Wildschweine zum Abschuss freigeben: was dafür spricht

Afrikanische Schweinepest Wildschweine zum Abschuss freigeben: was dafür spricht

In Brandenburgs Wäldern leben etwa 230.000 Wildschweine. Der Bestand könnte bald drastisch reduziert werden. Denn um der Afrikanischen Schweinepest vorzubeugen, sollen viele Wildschweine abgeschossen werden. Jäger sollen pro erlegtem Schwein 50 Euro bekommen. Daran regt sich aber auch Kritik.

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Wildschweine werden zum Abschuss freigegeben.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Landesregierung setzt als Vorbeugemaßnahme gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest landesweit eine Abschussprämie auf Wildschweine aus. 50 Euro pro Stück Schwarzwild sollen Jäger ab dem 1. April 2018 erhalten. Diese Regelung gilt erst, wenn die Abschusswerte aus dem Jagdjahr 2015/2016 erreicht sind. Bislang gibt es in Brandenburg Abschussprämien nur an den Kreisen entlang Oder und Neiße. Dort soll der finanzielle Anreiz die Schweinepopulation verringern helfen, um die Deiche an den Flüssen vor Wühlschäden zu schützen. Bislang wurden dort 20 Euro pro Tier bezahlt.

Hinter der Abschussprämie steckt ein einfaches Kalkül

Die Reduktion des Wildschweinbestandes gilt als wichtigstes Mittel, um eine Ausbreitung der Tierseuche, die bereits im Nachbarland Polen wütet, zu verhindern. Der Deutsche Bauernverband fordert, für den Fall einer Ansteckung in Deutschland einen Abschuss von 70 Prozent des Bestands. Das sagte Bauernverbands-Vize, Werner Schwarz. Das Kalkül: Je weniger Schweine unterwegs sind, desto geringer ist die Gefahr, dass sie einander anstecken beziehungsweise sich an weggeworfenen Fleischprodukten infizieren. Das Virus kann wochenlang in Fleischerzeugnissen überdauern – eine Mettstulle kann, wird sie etwa am Autobahnrastplatz liegen gelassen, die Krankheit ins Land bringen.

In Brandenburgs Wäldern leben schätzungsweise 230 000 Wildschweine.

Das ergibt sich aus der Strecke des Jagdjahres 2016/2017 (76 500) multipliziert mit dem Faktor 3.

70 Prozent der Wildschweine im Seuchenfall abzuschießen, wie es der Bauernverband vorschlägt, hält der Landesjagdverband Brandenburg „nach den jetzigen gesetzlichen Vorgaben für unmöglich“, so Sprecherin Helge von Giese. Verboten sind nach Jagdrecht derzeit zum Beispiel Lichtquellen, die auf Gewehre montiert sind, sowie das Schießen von Bachen, die Frischlinge haben. Letzteres sei auch „unwaidmännisch“, so von Giese.

Eine weitere finanzielle Hilfe hat das Verbraucherschutzministerium aufgesetzt: Seit dem 8. Januar erhalten Jäger, die tote Wildschweine auffinden, 30 Euro pro Tier, um es auf Erreger untersuchen zu lassen. Landestierarzt Stephan Nickisch erklärt den Schritt so: „Wenn Tiere sterben, ziehen sie sich meist ins Dickicht zurück. Wir wollen erreichen, dass Jäger häufiger mal dorthin abbiegen.“ Denn normalerweise machten sich Jäger nicht auf die Suche nach Kadavern. Die Chance, Pesterreger zu entdecken, sei bei natürlich verendeten Schweinen am höchsten. Diese werden allerdings selten aufgespürt.

Infizierte Tiere sterben an inneren Blutungen

Mit dem Ankauf von Kühlcontainern, in denen im Seuchenfall erlegte oder aufgefundene Tiere aufbewahrt werden können, ergreift das Verbraucherschutzministerium eine weitere Vorsichtsmaßnahme. Die Kadaver können in den mobilen Stationen so lange aufbewahrt werden, bis eine Laboruntersuchung einen möglichen Befall festgestellt hat. Da die Seuche Brandenburg bisher nicht erreicht hat, sollen die Container zunächst der Landesforstbehörde zur Verfügung gestellt werden, damit Jäger darin ganz normales Wild lagern können. Die Anschaffung ist laut Landestierarzt noch nicht getätigt, Zahl und Größe sind noch unklar, da Verhandlungen mit Herstellern laufen.

Die Schweinepest ist eine mit Fieber verbundene, hoch ansteckende Pest-Form, bei der die Tiere an inneren Blutungen sterben. Sie verläuft meist tödlich, ist aber für den Menschen ungefährlich. Allerdings sind die Nutztierbestände bedroht. Brandenburg gehört nicht zu den großen Schweinefleisch-Produzenten. 784 000 Tiere werden in der Mark gehalten. Sobald ein Schweinestall befallen ist, müssten alle Tiere eines Stalls getötet werden. Allein das Auftreten der Pest im Wildschweinbestand würde zu einem Exportverbot von Schweinefleisch in Nicht-EU-Länder führen.

Tierschutzbund kritisiert geplante Massenabschuss

Landestierarzt Nickisch schätzt das Ausbreitungsrisiko als „sehr hoch“ ein. In Brandenburg müsse man „jeden Tag damit rechnen, dass die Schweinepest ausbricht“. Die Krankheit habe auf dem Wege ihrer Ausbreitung bisweilen sprunghaft größere Strecken zurückgelegt. In den östlichen Nachbarländern sind infizierte Schweine im Warschauer Gebiet gefunden worden, außerdem im Baltikum und in Tschechien nahe der Grenze zur Slowakei.

Der Deutsche Tierschutzbund bezeichnete einen Massenabschuss von Wildschweinen dagegen als „nicht akzeptabel“. Man dürfte aufgrund „etwaiger Katastrophenszenarien“ nicht in Panik verfallen und den Tierschutz einfach außen vor lassen. „Wir brauchen faktenbasierte Strategien im Umgang mit Seuchenszenarien“, erklärte der Sprecher des Tierschutzbundes, Marius Tünte. Letztlich bedeuten weniger Wildschweine auch nicht zwangsläufig, dass es nicht zum Ausbruch einer Seuche kommen könne, sagte Tünte. Nicht die Wildschweine seien das Problem, sondern der Mensch. „Weil Tausende Mastschweine in riesigen Hallen zusammengepfercht gehalten werden, wird die schnellere Ausbreitung von Krankheiten beziehungsweise Seuchen begünstigt. Auch über den Grenzverkehr breitet der Mensch selbst die Seuche aus.“

Von Ulrich Wangemann

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