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Willkommen in Brandenburg

Flüchtlingsinitiativen Willkommen in Brandenburg

Überall in Brandenburg heißen Ehrenamtler Flüchtlinge willkommen. Ihr Engagement für eine erfolgreiche Integration ist unverzichtbar: Sie helfen bei Behördengängen, geben Deutschunterricht oder veranstalten Kochabende. Das Land hat den Wert der landesweit gut 100 Willkommensinitiativen längst erkannt – und eigens einen Förderfonds aufgelegt.

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In Falkensee (Havelland) kochten am Wochenende syrische Flüchtlinge mit der örtlichen Willkommensinitiative arabische Gerichte.

Quelle: Tanja Marotzke

Potsdam. Volker Mueller ist einer der Unbeirrbaren, die beweisen, dass Nauen (Havelland) zu Unrecht in Verruf geraten ist. Es ist gerade mal zwei Wochen her, dass in der 17.000-Einwohner-Stadt eine geplante Notunterkunft für Flüchtlinge – eine 2007 erbaute Schulsporthalle – vollständig niederbrannte. Muellers Heimat machte bundesweit Schlagzeilen als Ort rechtsextremer Brandstifter. Dabei geht es auch anders. Montagabend trafen sich in Nauen 16 Anwohner, die eine Patenschaft für Flüchtlinge übernehmen wollen.

„Wir wollen einen Beitrag zur Integration leisten“, sagt Mueller, der die „Willkommensinitiative Nauen“ koordiniert. Das Bündnis mit Vertretern aus verschiedensten Institutionen, Initiativen, Vereinen sowie Lokal- und Landespolitikern hatte sich schon vor dem Brandanschlag gegründet – immer wieder gab es in Nauen rechtsex­tremistische Einschüchterungsversuche gegen Parteien und Initiativen, die sich für Asylbewerber einsetzen. Die Entschlossenheit ist ungebrochen, daran hat selbst der Anschlag auf die Notunterkunft nichts geändert. „Wenn die ersten Flüchtlinge kommen, stehen wir bereit“, sagt Mueller.

Überall in Brandenburg heißen ehrenamtliche Initiativen Asylbewerber willkommen. Landesweit gibt es schätzungsweise 100 lokale Bündnisse. Sie veranstalten Fußballturniere wie „Kicken gegen Rassismus“ in Perleberg (Prignitz), übernehmen Sprachpatenschaften wie in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) oder sammeln und reparieren gebrauchte Fahrräder wie in Oranienburg (Oberhavel), um Flüchtlinge mobil zu machen. Marina Ringel, der Sprecherin des Sozialministeriums, fällt es nicht schwer, die Liste der Beispiele fortzusetzen. „Ich bin allen, die auf diese Weise und vor allem so uneigennützig helfen, sehr dankbar“, sagt Ministerin Diana Golze (Linke).

Die Landesregierung hat für die ehrenamtlichen Integrationshelfer eigens einen Fonds aufgelegt, aus dem jede Initiative bis zu 1000 Euro beantragen kann. Bis Dienstag wurden laut Sozialministerium 59.876 der insgesamt 80.000 Euro abgerufen. Die Förderung läuft vorerst bis zum Jahresende und soll 2016 fortgesetzt werden.

Auch im Havelland ist bereits Geld angekommen, vom Antrag bis zur Bewilligung dauerte es gerade mal eine Woche. Die Mitstreiter um Volker Mueller, der sich auch für den Humanistischen Freidenkerbund Havelland engagiert, finanzieren so interkulturelle Nachmittage für Alt- und Neubürger in Friesack. „Es geht darum, gemeinsam zu kochen, zu essen und sich auszutauschen.“ Die Nachfrage ist so groß, dass der wöchentliche Treff eigentlich öfter stattfinden müsste.

In Nauen wartet man jetzt darauf, dass die ersten Flüchtlinge eintreffen. Ungeachtet der rechtsextremen Umtriebe lässt der Landkreis eine Gemeinschaftsunterkunft bauen, die Anfang 2016 bezugsfertig sein soll. Bis dahin wird sich noch der eine oder andere Nauener als Flüchtlingspate schulen lassen. Für das erste Infotreffen am Montag hatte Volker Mueller auch Absagen erteilen müssen – es war nicht genügend Platz für alle Interessenten.

Kirchen machen sich für Asyl stark

Willkommensinitiativen als „Kinder der evangelischen Kirche“: Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte am Dienstag bei einem Treffen mit Bischof Markus Dröge die Rolle der Religion für die Flüchtlingsintegration.

Jede Pfarrei soll Flüchtlingsfamilien aufnehmen: Das Erzbistum Berlin schloss sich unterdessen dem Aufruf von Papst Franziskus an, Flüchtlingen Kirchenasyl zu bieten.

Von Bastian Pauly

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