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Willkommen in Potsdam

Evangelischer Kirchentag Willkommen in Potsdam

Helena Gomes Correia und ihre Familie beherbergen zum 34. evangelischen Kirchentag eine wildfremde Person in ihrem Zuhause. In der Landeshauptstadt werden 348 Besucher in Privatunterkünften untergebracht.

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Helena Gomes und Mann Jürgen Nastvogel in ihrem Heim, das sie kommende Woche großzügig öffnen.

Quelle: Foto: Julian Stähle

Potsdam. Zwei kleine Mädchen schauen schüchtern um die Ecke, als die Tür aufgeht und Helena Gomes den Gast ins Haus bittet. Kurz darauf kommt Papa Jürgen und nimmt die Zwillinge mit zum Spielen. So ähnlich könnte es sich auch abspielen, wenn Helena Gomes am 23. Mai einen Kirchentagsbesucher aufnimmt.

Mit der Kampagne „Ham Se‘ noch wat frei?“ suchte der Deutsche Evangelische Kirchentag, der kommenden Mittwoch beginnt, in Berlin und Umgebung nach Privatunterkünften für die Tausenden erwarteten Gäste. Rund 12 000 Quartiere wurden so gefunden. Die Portugiesin und ihre Familie ist eine von 175 Gastgebern aus Potsdam, die sich bei den Veranstaltern gemeldet und ihr Quartier einem bislang noch unbekannten Kirchentagsbesucher zur Verfügung stellt. Insgesamt stehen in der märkischen Landeshauptstadt 348 Betten zur Verfügung.

„Wir sind eine sehr offene Familie“, sagt Helena Gomes, Mutter von sechs Kindern, über ihr Engagement. Ein einziges Telefonat habe gereicht, um sich zu engagieren, berichtet die aufgeschlossene Südländerin. Nach einem kurzen Telefonat mit der „Schlummernummer“, die der Kirchentag zur Quartiersfindung eingerichtet hat, war sie Gastgeberin. Sie musste Fragen nach Haustieren oder Treppenstufen beantworten, und auch, ob sie jemanden aus dem Ausland aufnehmen würde. Für die 50-Jährige, die selbst im Alter von vier Jahren mit ihren Eltern aus Portugal nach Deutschland kam, war das keine Frage.

Am Kirchentag begeistert sie, dass er so viele unterschiedliche Menschen vereine. „Glaube verbindet, egal welcher“, sagt sie. Sie selbst und ihr Mann sind katholisch. Dass der Kirchentag eine evangelische Veranstaltung ist, ist für sie nicht wichtig.

Vor einigen Wochen erhielt sie ein Antwortschreiben mit der Botschaft, dass sich jemand gefunden habe. „Jetzt bin ich ein Gastgeber“, sagt Helena Gomes stolz.

Doch wen sie genau bei sich aufnehmen wird, weiß sie noch nicht. In den nächsten Tagen soll sich der Reisende bei der Familie melden. „Ich bin sehr neugierig“, gesteht sie. „Gerd heißt er“, so viel weiß die Gastgeberin immerhin. Sorgen, dass sich der Fremde als unsympathisch erweist, hat sie nicht. „Mir sind bisher nur wenige Menschen begegnet, mit denen ich nicht zurecht kam“, fügt Gomes hinzu.

Um sich gastfreundlich zu zeigen, braucht es nicht viel: Eine Schlafcouch oder ein Bett genügen. „Und wir haben den Platz“, so Gomes. Gast Gerd wird die Schlafcouch im Zimmer der zweijährigen Zwillinge beziehen. Die beiden Mädchen schlafen währenddessen im elterlichen Schlafzimmer.

Es ist nicht das erste Mal, dass Helena Gomes und ihr Mann Jürgen Nastvogel einen völlig Fremden bei sich beherbergen. „Vor ein paar Jahren lief ein junger Mann hier ein wenig orientierungslos durch die Straße“, erzählt sie. Der 18-jährige englische Tourist suchte bis in den späten Abend nach seiner Unterkunft: erfolglos. Kurzerhand nahmen Gomes und Nastvogel den Wanderer für eine Nacht bei sich auf. „Das war schon eine skurrile Situation“, erinnert sich Helena Gomes. „Wenn ich daran denke, dass meine Kinder bei fremden Menschen übernachtet hätten ... Aber wir machen uns alle heutzutage vielleicht auch zu viele Gedanken.“ Bedenken wegen des fremden Kirchentagsgastes hat sie keine. „Wenn sich eine Person für die private Unterbringung entscheidet, ist diese mit Sicherheit auch ein wenig kommunikativ“, sagt sie.

Auch wenn die Quartierssuche des Kirchentags am Anfang etwas schleppend ablief, konnte letztlich für jeden Besucher ein privates Bett gefunden werden. Helena Gomes gefällt die Aktion. „Es ist eine coole Geschichte und eine sehr soziale Idee“, sagt sie. „Offenbar gibt es in der Stadt noch viele solcher Jecken wie uns“, freut sie sich über den Erfolg der Aktion.

Wie die Tage mit dem noch unbekannten Gerd werden, kann sie nicht sagen. Den Alltag werde der Besuch aber nicht durcheinander bringen, glaubt sie. Der Mann sei schließlich den ganzen Tag auf einer der zahlreichen Kirchentagsveranstaltungen in Berlin, Potsdam oder der Reformationsstadt Wittenberg, wo am Sonntag in einer Woche der große Abschlussgottesdienst stattfindet. „Er kann abends mit uns essen – muss aber auch nicht“, sagt sie.

Helena Gomes würde selbst gerne nach Wittenberg zum Abschlussgottesdienst fahren. „Mal sehen, wie das mit den Kindern passt“, sagt sie. Aber auch in Potsdam will sie an der einen oder anderen Veranstaltung teilnehmen. Als kleine Aufmerksamkeit für ihre Herberge erhielt sie zwei Tageskarten. Genug Auswahl hat sie: Allein in Potsdam finden vom 24. bis zum 27. Mai 72 Veranstaltungen im Rahmen des Kirchentags statt.

Von Lisa Neumann

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