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Windhundfreunde empört Quälerei in Spanien

Hundesport in Brandenburg Windhundfreunde empört Quälerei in Spanien

An einem Wochenende wie diesem hat der Berufssoldat Thomas Pörschke alle Hände voll zu tun. Die Rennbahn ist zu glätten und der Rasen mal wieder zu mähen. Zusammen mit seinen Freunden Windhundsportverein Berlin-Brandenburg betreibt Pörschke bei Oranienburg die einzige Windhundrennbahn in der Mark. Über ein Tierschutzproblem Südeuropas regen sich alle im Verein auf.

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Der Vereinsvorsitzende Thomas Pörschke massiert seine Greyhounds vor einem Rennen.

Quelle: Thomas Pörschke

Oranienburg. „Wir sind Rennleute durch und durch“, sagt der Berufssoldat Thomas Pörschke (42) über sich und seine Frau Jenny. Mit ihren schlanken Greyhounds, einer der bekanntesten Windhundrassen, reist das Paar durch ganz Europa, um zu den verschiedensten Rennen zu gelangen. Der Anblick, der mit bis zu 80 Stundenkilometern über die Sand- oder Rasenbahn hetzenden Windhunde sei einfach faszinierend. Pörschke und seine Freunde betreiben den Windhundsport – anders als Engländer und Australier – nicht aus kommerziellen Gründen. Ihnen geht es nur um Spaß und Begegnung. Pörschke ist Vorsitzender des Windhundsportvereins Berlin-Brandenburgs, des einzigen Vereins, der eine eigene Rennbahn in Brandenburg betreibt. Sie befindet sich im Oranienburger Orteils Zehlendorf (Oberhavel) vor den nördlichen Toren Berlins.

Rennen und Ausstellungen

Auch dieses Wochenende haben die derzeit rund 40 Mitglieder des Vereins wieder alle Hände voll zu tun. Diesen Samstag findet das Landessiegerrennen Berlin-Brandenburg statt. Am Sonntag dann gibt es dann noch eine Zuchtausstellung. Langhaarige Afghanen wetteifern da ebenso um die Gunst der Publikums wie die extrem schlanken und zierlichen Whippets. Dafür muss zum Beispiel noch die Sandbahn in Ordnung gebracht und der Rasen für die vielen aus ganz Europa anströmenden Wohnmobile der Windhundfreunde gemäht werden. Pörschke rechnet mit etwa zehn Helfern vor Ort. Das sei der „harte Kern“ des Vereins, der sich trotz beruflicher und familiärer Verpflichtungen regelmäßig für den Verein engagiere.

Das zweitschnellste Lauftier

Windhund ist eine Bezeichnung für alle hochläufigen, schlanken Hetzhunde, die ihre Beute auf Sicht jagen. Letztlich bezieht sich der Ausdruck nicht auf eine natürliche Art, sondern auf von Verbänden anerkannte Züchtungen.

Als natürliche Eigenschaft gemeinsam haben die unter Windhund zusammengefassten Rassen, dass sie unglaublich schnell sind. Windhunde sind nach den Geparden die schnellsten Landtiere der Welt.

110
Stundenkilometer beträgt die Maximalgeschwindigkeit, damit lassen die Hunde sogar Pferde hinter sich.

Der Deutsche Windhundzucht- und Rennverband e. V . betreut als ältester Windhundzuchtverband in Deutschland alle von der FCI (Federation Cynologique Internationale) anerkannten Windhundrassen: Er hat derzeit rund 4000 Mitglieder, ist in 12 Landesgruppen gegliedert Zu diesen gehören auch der Windhundsportverein Berlin-Brandenburg und der Potsdamer Windhundclub

Ein bisschen haben es Pörschke und seine Vereinsfreunde bedauert, dass sie am zweiten Maiwochenende eingebunden waren, denn am Sonnabend, dem 7. Mai, wurden ab 11 Uhr vor dem Brandenburger Tor in Berlin ebenfalls Windhundfreunde aus ganz Europa erwartet. Veranstaltet von der Arbeitsgruppe „Galgovoice“ machen die Teilnehmer auf das Schicksal der „Galgo espagnol“ und der Podecos aufmerksam. Es sind spanische Windhundrasse, die wie in alten Zeiten tatsächlich zu kommerziellen Jagdzwecken eingesetzt werden. Massenhaft gezüchtet, werden diese Tiere, wenn sie ihre Jagdaufgaben nicht mehr erfüllen können, einfach verjagt und ihrem Schicksal überlassen, nicht selten werden sie sogar getötet, zum Beispiel durch Strangulieren.

Auch Spanier sind gegen die Misshandlung der Hunde

Auch die spanische Tierschutzorganisation „Plataforma no al la caza“ (Plattform gegen die Jagd) setzt sich schon seit Jahren für die Tiere ein. Im Februar dieses Jahres hatten schon mehrere Tausend Menschen in Spanien gegen diese Praxis demonstriert. Die Demonstranten in Berlin fordern nun die Anwendung der bestehenden Tierschutzgesetze auch auf die Jagdhunde und ein Verbot der Hetzjagd mit den Tieren.

Pörschke kann bei Nennung der Galgos nur bitter nicken. „Das Problem kennen alle“, betont er. Er kann sich auch vorstellen, dass sich unter den Demonstranten auch einige Märker befinden. Vor einer Pauschalverurteilung der Spanier wegen der üblen Behandlung der Hunde warnt er dennoch. „Es sind bestimmte Leute, die sich so verhalten“, sagt er. Sie sähen den Hund wie einen Gebrauchsgegenstand. Wenn der nicht mehr funktioniere, werde er eben weggeworfen. Man dürfe über solche Haltungen nicht die Nase rümpfen. Schweinen und Rindern in manchem märkischen Massenbetrieb ergehe es ja auch nicht viel besser.

Letztlich ein Problem ärmerer Schichten

Dass der „Marsch für die Galgos“ mit prominenten Redners aus Spanien selbst viel bringen wird, glaubt er nicht. Er sieht in der Galgo- und Podeco-Misshandlung ein gesellschaftliches, letztlich ökonomisches Problem. Es seien eher die ärmeren, bildungsfernen Schichten, die sich auf solche Weise ein Zubrot verdienten. Wenn etwa helfe, dann Regelungen auf EU-Ebene, die letztendlich auf Förderung ländlicher Gebiete hinauslaufen müsse, meint Pörschke.

Gegen die spanischen Verhältnisse wirken die Zustände in Berlin und Brandenburg wie das reinste Idyll. Pörschke, der erst 2004 über seine Frau zu den Windhunden fand und sich seither auch als Züchter betätigt, sieht seine Greyhounds und seine Whippets eher als Familienmitglieder. Die Tiere seien freundlich und umgänglich. Und mit Windhundrennen Geld zu verdienen habe in dem Verein auch niemand nötig, selbst wenn es einige Mitglieder gebe, die zur Zeit keine Arbeit hätten.

Der Windhundsport ist nicht elitär

Letzteres beweise auch, dass der Windhundsport, anders als von vielen Leuten angenommen, keine elitäre Angelegenheit sei. Der heutige Verein entstand 1997 sogar aus der Fusion des Berliner Windhundrennvereins (BWR) mit dem Nachfolger der in der ehemaligen Hauptstadt der DDR angesiedelten „Sparte Wind- und Rennhundezüchter Berlin“, des Kleintierzüchterverbandes. „Es waren einfach Hundefreunde, genau wie andere Hundevereine auch.“ Schief angesehen worden sei wegen der Liebe zu Windhunden auch in der DDR niemand. Sein Schwiegervater selbst sei lange Vorsitzender des DDR-Vereins gewesen, so Pörschke.

So hatte auch die frühere Bezirksstadt Potsdam schon zu DDR Zeiten ihren Windhundverein. Dort trafen sich schon im März 1971 sieben Windhundebegeisterte und gründeten die Sparte Windhundrennhundezüchter Potsdam. Ganz aus der Deckung der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter wagte man sich aber zu DDR-Zeiten doch nicht. Erst nach 1990 wurde daraus der stolze „Potsdamer Windhunclub Sanssouci e. V.“, zusammen mit dem „Windhundsportverein Berlin-Brandenburg e. V.“ das wesentliche Sammelbecken für die Windhundsportfreunde in der Mark.

Dass die Rennbahn im märkischen Zehlendorf liegt, ist eher ein Zufall. Dort habe man laut Pörschke eben den notwendigen Platz gefunden. Und ein Trainingsgebiet bräuchten die Hunde. „Sie sind eben sportlich, sie sind durch und durch auf Rennen eingestellt“, so der Vereins-Chef. Ab und zu müsse man sie einfach laufen lassen. Das heiße aber nicht, dass man die Tiere nicht auch gut zu Hause halten könne. Die meiste Zeit liegen auch seine fünf Greyhounds und seine zwei Whippets auch friedlich dösend im Wohnzimmer oder im Garten herum. Ein beneidenswertes Schicksal – verglichen mit ihren ausgebeuteten Verwandten in Spanien.

Von Rüdiger Braun

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