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Brandenburg Windkraftgegner reden Politikern ins Gewissen
Brandenburg Windkraftgegner reden Politikern ins Gewissen
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02:16 04.09.2015
Gegen Windparks wie hier bei Prenzlau in der Uckermark regt sich vielerorts Protest. Quelle: dpa
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Potsdam

Die Vorboten der Energiewende erreichten Kloster Lehnin Mitte der 90er. Günter Rauhut erinnert sich noch gut, wie die ersten beiden Windräder bei ihm Zuhause in der Gemeinde in Potsdam-Mittelmark aufgestellt wurden. Inzwischen sind es 29. So kann es nicht weitergehen, denkt der 64-Jährige, der sich in der Bürgerinitiative „Waldkleeblatt Natürlich Zauche“ engagiert.

Ein Beispiel unter vielen, überall in Brandenburg regt sich Widerstand gegen neue Windkraftanlagen. 30.259 Unterstützer haben der Volksinitiative „Rettet Brandenburg“ ihre Unterschrift gegeben, am Dienstag durfte das breit aufgestellte Bündnis mit dem apokalyptisch anmutenden Namen beim Infrastrukturausschuss des Landtags vorsprechen. Die Forderung: Nein zu neuen Windrädern im Wald und Ja zu verbindlich festgelegten Mindestabständen zu Wohnhäusern, bekannt als „10H-Regelung“.

Kaum ein Platz ist noch frei auf den Besucherrängen, wo Rauhut ungeduldig hin und her rutscht. „Ich bin kein grundsätzlicher Windkraftgegner“, sagt er. Eher ein Skeptiker. Schließlich seien geeignete Speichertechnologien noch immer nicht in Sicht. „Mich stört jedes zusätzliche Windrad, weil es die Stromrechnung belastet“, sagt Rauhut. Wie vielstimmig der Protest um Initiator Thomas Jacob ist, zeigt schon die Zusammensetzung seines Bündnisses. 79 Bürgerinitiativen haben sich zusammengeschlossen.

Eine Hand voll der Engagierten stehen den Abgeordneten in der Anhörung Rede und Antwort. „Wir machen uns Sorgen“, sagt Waltraud Plarre ihnen ins Gesicht. Die Bürgerinitiativen haben errechnet, dass bis 2030 zwölf Millionen gesunder Bäume gerodet werden müssten, wenn die Energiestrategie des Landes unangetastet bleibt. Jede gerodete Buche, mahnt Plarre, koste die Sauerstoffversorgung für 16 Menschen und belasse 18 Kilogramm CO2 in der Atmosphäre.

Ob Schreiadler, Rotmilan oder Fledermaus: Die Windkraft-Kritiker sorgen sich um die Lebensräume einheimischer Tierarten. „Fledermäuse werden nicht erschlagen, ihnen platzt durch den Luftdruck die Lunge“, sagt Plarre eindringlich. Nicht zuletzt der Mensch, darin sind sich die engagierten Bürger einig, habe unter den bisweilen deutlich mehr als 100 Meter hohen Türmen zu leiden.

Regina Pankrath, selbst Medizinerin, zählt die potenziellen Krankmacher auf: Schlagschatten, Blinklichter, Schall und Infraschall. Letzterer ist für den Menschen nicht hörbar, die gesundheitsgefährdende Wirkung daher umstritten. Bis zu 30 Prozent der Anwohner erlitten unter dem „Windturbinensyndrom“, meint Pankrath, zeigten also stressbedingte Symptome wie Schwindel, Schlafstörungen, Übelkeit und Herzkreislaufbeschwerden. Allerdings hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die vermeintliche Krankheit bis heute nicht offiziell anerkannt.

Nach mehr als zweistündiger Frage-Antwort-Runde im Landtag ist Volksinitiativensprecher Thomas Jacob zufrieden. „Die Anhörung verlief in einer sachlich-fachlichen Atmosphäre.“ In der Tat begegneten die politischen Entscheider den erklärten Wutbürgern mit großer Offenheit – quer durch alle Fraktionen. Auch wenn die Windkraft-Skeptiker bei der Frage von Jutta Lieske (SPD), wie denn nun die Energieversorgung Brandenburgs in Zukunft zu sichern sei, nur mit den Schultern zucken konnten.

Jedenfalls ist die Energiewende ohne den Zuspruch der Bürger nicht zu schultern, das weiß auch Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD). Von dem ursprünglichen Ziel, zwei Prozent der Landesfläche mit Windkraftanlagen zu bestücken, ist Gerber mittlerweile abgerückt. „Das Angebot der Volksinitiative zur Überarbeitung der Energiestrategie 2030 wurde von den Parteien angenommen“, sagt Jacob. Bis zum 10. September müssten sich die Ausschussmitglieder nun eine Meinung bilden.

Günter Rauhut hat das nicht mehr nötig. Umso schwerer fällt es ihm, die ganze Zeit über auf den Publikumsplätzen ruhig zu bleiben. Als der Grüne Michael Jungclaus beteuert, man sei bei der Speichertechnik auf einem guten Weg, ruft Rauhut aus dem Hintergrund: „Das ist ja ein Witz.“

Dennoch: Später, abends, müssen die Macher der Volksinitiative mit dem Wissen zu Bett gegangen sein, dass man sie endlich einmal richtig ernst genommen hat.

Größere Mindestabstände gefordert

5627 Megawatt Nennleistung produzieren Brandenburgs Windkraftanlagen laut Bundesverband Windenergie (BWE) – Platz zwei nach Niedersachsen (8355) und vor Schleswig-Holstein (5389).

In Brandenburg kommen nunmehr 114 Windräder auf 1000 Quadratkilometer, in Baden-Württemberg sind es nur 11.

Die 10H-Regelung soll nach dem Willen der Volksinitiative „Rettet Brandenburg“ das Wachstum der Windparks begrenzen. Diese sieht vor, dass der Abstand eines Windrades zum nächsten Haus das Zehnfache der Höhe des Windrades betragen muss, also etwa zwei Kilometer bei einer 200 Meter hohen Anlage. In Bayern ist diese Regelung bereits gültig.

Von Bastian Pauly

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