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„Wir erforschen das Universum auf neue Weise“

Spitzenforschung in Golm „Wir erforschen das Universum auf neue Weise“

Diese Nachricht begeistert nicht nur die Wissenschaftswelt: 100 Jahre nach der Formulierung der Allgemeinen Relativitätstheorie sind endlich die vorausgesagten Gravitationswellen entdeckt. Wie kompliziert das war und was die Entdeckung für die weitere astronomische Forschung bedeutet, erklärt Max-Planck-Direktorin Alessandra Buonanno.

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Zwei Schwarze Löcher umkreisen sich und erzeugen Gravitationswellen.

Quelle: Max-Planck-Institut Golm

Golm. Alessandra Buonanno ist Direktorin des Max-Planck-Instituts in Golm und war bei der Entdeckung von Gravitationswellen beteiligt.

Wann und wie haben Sie vom Erfolg gehört?

Alessandra Buonanno : Nun, das ist etwas kompliziert. Ich bin leitendes Mitglied der Forschungsgruppe um den US-Detektor Ligo. Das Signal selbst wurde schon im September 2015 entdeckt und zwar in Hannover. Stunden später bekamen wir in Potsdam die Mail, dass ein enorm großes Signal entdeckt worden sei. Wir wussten aber nicht, ob es stimmte. Denn im Team machen wir oft sogenannte „blinde Injektionen“, um die Datenanalyse zu testen. Einen Tag später erfuhren wir von der entsprechenden Stelle, dass es keine blinde Injektion war. Aber wir mussten immer noch die Daten untersuchen, um uns zu vergewissern, dass es sich nicht um irgendwelche andere Effekte handelte. Das dauerte mehrere Wochen.

Der Traum meines Forscherlebens

Wie war Ihre Stimmung als Sie Gewissheit hatten?

Buonanno : Ich war einfach sprachlos. Es war großartig. Wissen Sie, es handelt sich um ein Signal aus den fast unendlichen Weiten des Alls, das immer näher und näher kommt und sich dann zeigt. Es war mein Traum, so ein Signal aufzufangen. Jetzt kam es auch noch von Schwarzen Löchern. Ich habe viele Jahre auf diesen Moment hingearbeitet. Ich war wirklich glücklich.

Die unmögliche Welle

Alessandra Buonanno ist amerikanisch-italienische Physikerin, die seit September 2014 das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Golm leitet. Sie hat sich in ihrer Karriere darauf spezialisiert, Modelle von Gravitationswellen zu entwickeln, die von Schwarzen Löchern emittiert werden müssten. Genau diese Spezialisierung führte zu den Entdeckungen durch die Ligo-Detektoren in den USA

Gravitationswellen sind von bewegten Massen verursachte Wellen. Sie durchquert den Raum mit Lichtgeschwindigkeit. Einstein hat sie schon 1918 postuliert. Da diese Wellen so unendlich schwache Signale sind, hielt er ihre tatsächliche Messung für unmöglich.

Und wo waren Sie zu der Zeit, als Sie Gewissheit hatten?

Buonanno : Um ehrlich zu sein: Ich erinnere mich nicht mehr.

Haben Sie gleich gefeiert, als Sie Gewissheit hatten?

Buonanno: Oh nein, wir feierten erst, als wir unsere Ergebnisse der Fachzeitschrift geschickt hatten.

Und wann war das?

Buonanno : Gerade vor ein paar Wochen.

Und wie feierten Sie?

Buonanno: Es kamen ganz einfach die Mitarbeiter und Studenten meiner Abteilung zusammen, wir hatten etwas zu essen und etwas zu trinken – und wir feierten.

Ein historischer Tag

Wie war die Pressekonferenz in Washington am Donnerstag?

Buonanno : Das war ein denkwürdiger, ein historischer Tag. Es war unglaublich: Die Vorträge der Wissenschaftler, die Stimmung im Raum, die vielen Journalisten aus aller Welt. Es war wirklich schön, dabei gewesen zu sein. Die Leute applaudierten sogar.

Könnten jetzt sogar Wissenschaftler des Potsdamer Instituts den Nobelpreis gewinnen?

Buonanno : Zu dieser Frage möchte ich nun wirklich keinen Kommentar abgeben.

Die Erforschung des Universums beginnt jetzt

Wie geht es weiter mit dem Golmer Institut? Haben Sie Ihre Mission jetzt erfüllt?

Buonanno : Nein, die Arbeit beginnt erst. Die Entdeckung wird eine neue Ära der Astrophysik eröffnen. Wir können nun viel mehr Erscheinungen unseres Universums erforschen. Wir wussten zum Beispiel zuvor nicht definitiv, dass es Schwarze Löcher gibt. Jetzt können wir sogar deren Massen bestimmen. Wir werden jetzt das ganze Universum auf neue Weise erforschen.

Auch die Ursprünge des Universums?

Buonanno : Ja, aber dazu müssten wir erst die geeigneten Detektoren bauen. Mit dem Ligo-Detektor werden wir die Anfänger jedenfalls nicht entdecken.

Brauchen wir ein Weltraumdetektor wie Lisa?

Buonanno : Ja, ähnliche Detektoren wie die einst geplanten Lisa-Satelliten. Aber sie müssten noch viel empfindlicher sein.

Wann werden diese Detektoren wohl gebaut?

Buonanno : Ich hoffe, noch zu meinen Lebzeiten.

Von Rüdiger Braun

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