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„Wir haben nie von Nazigold gesprochen“

Suche nach dem einstigen „Führerhauptquartier“ in Polen „Wir haben nie von Nazigold gesprochen“

Möglicher Sensationsfund oder eine totale Pleite? Die Suche nach einem angeblichen Nazi-Goldzug in Polen sorgt für viel Aufsehen. Mitte August sind die Bagger angerückt. Doch nun sind die Arbeiten unterbrochen. Wir haben mit der Sprecherin der „Schatzsucher“ gesprochen.

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Goldzug-Sucher Andreas Richter (l.) unterwegs mit Georadar.

Quelle: PAP EPA

Walbrzych. Die Suche einer Privatinitiative nach dem angeblichen Nazi-Goldzug in Polen ist unterbrochen. Die MAZ sprach darüber mit der Sprecherin der Gruppe, Christel Focken.

Frau Focken, warum ist die Suche gestoppt?

Christel Focken : Wir haben von den polnischen Behörden die Genehmigung für lediglich eine Bohrung bekommen. Wenn man die Lage aber richtig analysieren will, muss man mehrere Bohrungen nebeneinander machen. Die Erlaubnis dafür haben wir noch nicht. Wir hoffen aber, dass wir sie bald bekommen.

Haben Sie und Ihre polnischen Kollegen schon etwas gefunden?

Focken : Ja, wir haben etwas gefunden, wobei bei uns im Moment die Meinungen darüber auseinander gehen. Ich versuche zur Klärung dieser Frage gerade bei mir im Rechner Bilder zum Thema Ostwall zu finden. Dort ist nämlich auch ein Tunnelsystem gebaut worden.

Worauf sind Sie konkret gestoßen?

Focken: Wir haben einen Erdaushub gemacht. Dabei kam ein perfekter Rundbogen zum Vorschein, der mit Sand gefüllt war. Das ist etwas, was ich eigentlich vom Ostwall kenne. Wir glauben, dass es sich um einen historischen Tunnel handelt, dessen Bau aber unterbrochen wurde, weil Industrielle der Region damals eine Verlegung des Tunnels bewirkten. Die damalige Linie geht noch bis in die Jahre 1890 zurück. Der Tunnel hat sogar einen Namen, den wir aber noch nicht bekanntgeben können.

Die Bagger suchen nach dem Tunnelsystem des einstigen „Führerhauptquartiers“

Die Bagger suchen nach dem Tunnelsystem des einstigen „Führerhauptquartiers“.

Quelle: PAP

Können Sie noch einmal erläutern, wie es überhaupt dazu kam, dass man jetzt zwischen Wroclaw, dem früheren Breslau, und Walbrzych, dem frühen Waldenburg, nach angeblichen Nazischätzen gräbt?

Focken: Die Geschichte ist schon 50 Jahre alt. Der heutige stellvertretende Kultusminister Polens, Piotr Zuchowski, erzählt schon seit Jahren, dass er von einem Mitarbeiter am Sterbebett erfahren haben will, dass in einen Tunnel in der Region ein Zug hineingefahren sein soll. Er ist ziemlich geknickt, dass wir immer noch nichts gefunden haben. Diese Geschichte war der Anlass, mit dem Georadar über das Gebiet zu gehen. Das Georadar hat etwas angezeigt, weitere Untersuchungen haben diese Anzeige bestätigt. Deshalb kam man zum Ergebnis, dass an der Stelle etwas verborgen sein muss. Mittlerweile sind wir gar nicht mehr so sicher. Wir sind noch nicht am Ende. Aber es geht ja vor allem darum, diesen Mythos endgültig zu klären. Wenn kein Tunnel da ist, ist es auch kein Ende der Welt.

Sollte dieser Tunnel existieren, könnte dort dann auch das Nazigold vergraben sein?

Focken: Von unserer Seite aus gab es nie die Information, dass dort ein Nazigoldschatz vergraben sei. Uns ging es von Anfang an darum, dass hier womöglich ein Tunnel verlief und sich dort drinnen allenfalls ein Zug mit Panzern befindet.

Und woher stammen dann die Berichte über das Nazigold?

Focken: Nachdem wir die Untersuchungen bei der Stadt Walbrzych angemeldet hatten, gab es dort eine Indiskretion.

Christel Flocken erforscht privat die Tunnel

Christel Flocken erforscht privat die Tunnel.

Quelle: MOZ Gerd Markert

Wie stießen Sie als Altlandsbergerin selbst zu dem Projekt?

Focken: Ich arbeite hier auch schon seit 20 Jahren. Es gibt viele historische Berichte über ein Tunnelsystem. Schon Hitlers Architekt Albert Speer hat nach seiner Haftentlassung 1966 gesagt, dass für dieses Objekt, nach dem wir hier suchen, mehr Beton verbaut worden ist, als 1944 für den Zivilschutz bereit stand. Diese Massen sind bis heute nicht gefunden. Das zweite ist, dass die Bundesarchivakten von 165 000 Kubikmeter umbauten Raums sprechen, den wir bis heute suchen. Dabei handelt es sich um das Führerhauptquartier Riese. Die Anlage muss im Dreieck Wroclaw, Walbrzych und Głuszyca unter der Erde begraben liegen. 40 Prozent davon sind bereits gefunden. Was wir jetzt ausgraben, könnte zu diesem System gehören. Wenn es diesen Tunnel gibt, wäre es die Zufahrt zur Garage des Führerzugs.

Wie reagiert eigentlich die Bevölkerung auf diese Ausgrabung der Nazi-Vergangenheit?

Focken: Mit der nationalsozialistischen Vergangenheit haben nur die Deutschen ein Problem, nicht die Polen. Für die Polen ist der Krieg zuende und damit ist es gut. Jetzt ist das hier polnisches Gebiet und damit sind auch die Ausgrabungen Okay.

Die Polen sind also einverstanden, dass in diese Richtung geforscht wird?

Focken: Ja, aber sie sind auch nicht dafür, dass wir den Goldzug nicht finden. In Walbrzych wird zum Beispiel Goldzugbier und Goldzugwein ausgeschenkt, es werden Kuchen in Goldbarrenform verkauft und noch anderes Merchandising betrieben. Das läuft seit der Anmeldung unseres Grabungsprojekts, also seit 2015. Wenn wir jetzt nachweisen können, dass hier in Wirklichkeit kein Goldzug ist, geht diesem Geschäftsmodell die Grundlage verloren.

Gehen Sie gegen dieses fragwürdige Merchandising an?

Focken: Darauf haben wir doch keinen Einfluss. Wir sind dafür, die Geschäftsleute einfach machen zu lassen. Sie verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Insofern ist das doch eine tolle Sache.

Woher kommt bei Ihnen das Interesse für Bunker und Tunnel?

Focken: Mein Großvater war Marinestabsingenieur. 1965 hat er mir erzählt, dass er in der Gegend von Breslau mit Zügen in Tunnel gefahren ist, um Maschinenteile der Großkampfschiffe in Sicherheit zu bringen. Das war der Anfang meines Interesses an diesen Dingen. Und seitdem die Grenze nach Polen offen ist, kann ich hier arbeiten.

Die Ausgrabungen sind sehr teuer. Wie finanzieren Sie das Projekt?

Focken: Das machen der Bauunternehmer Piotr Koper und der Ahnenforscher Andreas Richter privat aus eigener Tasche.

Was wäre persönlich Ihr nächstes Projekt?

Focken: Ich habe mit dem Georadar einen Fahrstuhlschacht bei der Stadt Głuszyca, 20 Kilometer von hier, gefunden. Der Schacht ist von der Stadt bestätigt worden. Er geht runter bis auf 40 Meter. Er gehört auch zu dem ganzen System hier.

 

Exkursionen unter die Erde

Focken Christel Focken (55), gelernte Elektroinstallateurin und Kunststofffacheinrichterin und private Historikerin. Beschäftigt sich seit 20 Jahren mit Bunker und Tunnelsystemen im heutigen Polen.

„Graben nach dem Goldzug“ betitelten die Medien das Projekt von privaten Forschern im Zentrum Polens. Eine Gruppe um den Polnischen Bauunternehmer Piotr Koper und den Deutsche Andreas Richter hat vor zwei Wochen in der Nähe von Walbrzych, dem ehemaligen Waldenburg, mit Graben begonnen. Der Grund: Im Zweiten Weltkrieg soll an dieser Stelle ein gepanzerter und womöglich mit Schätzen beladener Zug der Nazis vergraben worden sein. Die Öffentlichkeitsarbeit für das Unternehmen übernahm die aus Altlandsberg stammende ebenfalls über diese Zeit forschende Christel Focken.

Christel Focken erforscht privat seit 20 Jahren das während der Zeit des Nationalsozialismus aufgebaute Tunnelsystem im ehemaligen Preußen. Auch das aktuelle Projekt steht im Zeichen dieser Forschung. Interessenten bietet Focken auf ihrer Webseite www.fhq-riese.de Exkursionen in bereits erschlossene Tunnel und Bunkersystem in Polen an.

Von Rüdiger Braun

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