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Wir sitzen auf „unberechenbarem Pulverfass“

Reaktionen auf Terror in Brüssel Wir sitzen auf „unberechenbarem Pulverfass“

Wir sitzen auf einem unberechenbaren Pulverfass, sagt der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft nach dem Terror von Brüssel – und fordert endlich ein neues Sicherheitskonzept und mehr Polizisten für Brandenburg. Die Frage sei nicht, ob Anschläge stattfänden, sondern wann und wie. Politiker äußern ihre Betroffenheit, Berlin erhöht die Sicherheit.

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Bundespolizist am Dienstag am Berliner Hauptbahnhof.

Quelle: dpa

Potsdam, Brüssel. Angesichts der Terroranschläge in Belgien fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft in Brandenburg mehr Personal. Landesvorsitzender Peter Neumann wandte sich am Dienstag in Potsdam mit einem Appell an Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD): „Seit den Pariser Anschlägen im Herbst 2015, den aktuellen terroristischen Ereignissen in Ankara, Istanbul und heute Morgen in Brüssel, sollte nun auch den letzten politisch Verantwortlichen klar sein, wie nah die Gefahr an uns herangerückt ist.“

Der Gewerkschaftschef betonte: „Wir brauchen dringend ein überarbeitetes Sicherheitskonzept, das sich an den gegenwärtigen Problemen und Fallzahlen orientiert. Und legen Sie ihren Polizeibeschäftigten endlich ein schlüssiges Personalkonzept vor.“

Der Brandenburger Verfassungschef Carlo Weber habe bereits im Februar 2016 gewarnt, das sich etwa 70 als Asylbewerber lebende Tschetschenen in Brandenburg dem Islamischen Staat angeschlossen hätten. „Es ist überhaupt nicht die Frage, ob Anschläge stattfinden - sondern wann und wie“, so Neumann. „Derzeit sitzen wir auf einem unberechenbaren Pulverfass und trotz dieser „latent“ vorherrschenden Terrorgefahr haben wir bis heute keinen einzigen Kollegen mehr an Personal erhalten.“

Brandenburg schließt Landesvertretung in Brüssel

Brandenburg hat nach den Terroranschlägen von Brüssel seine Landesvertretung in der belgischen Hauptstadt geschlossen. Das Haus liegt nur 200 Meter von der U-Bahnstation Maelbeek entfernt, wo bei einem Terroranschlag mindestens 20 Menschen am Dienstag ums Leben kamen und unzählige verletzt wurden.

„Allen zehn Mitarbeitern geht es gut“, teilte Maria Strauß, Sprecherin des Europaministeriums, in Potsdam mit. Vor der Landesvertretung sei ein Notlazarett errichtet worden. Alle Beschäftigten seien zu Hause oder auf dem Weg dorthin. Die Vertretung bleibe bis kommenden Dienstag geschlossen. Die Arbeit werde im Home-Office fortgesetzt.

Auch die deutsche EU-Vertretung befindet sich in dem Haus. Einer der dort Beschäftigten ist Halvor Adrian aus Wustermark (Havelland). Er hat die Terroranschläge in Brüssel hautnah miterlebt und sah, wie die Opfer davongetragen wurden.

Halvor Adrian über den Terror-Tag in Brüssel

Reaktionen aus Brandenburg und Berlin:

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD): „Meine Gedanken sind bei den Opfern, deren Angehörigen und dem ganzen belgischen Volk“, sagte er am Dienstag in einer ersten Reaktion. „Bei aller Fassungslosigkeit und Wut über die neuerlichen feigen Angriffe ist auch klar: Wir werden noch enger zusammenstehen, um unsere freiheitlich-demokratische Ordnung zu verteidigen“, betonte er.

Markus Dröge , Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz: „Die Anschläge in Brüssel erschüttern mich zutiefst. Durch die brutale Gewalt haben unschuldige Menschen grausam ihr Leben verloren. Jede Terrortat ist ein Anschlag auf die Menschlichkeit und durch nichts zu rechtfertigen. Im Gebet denke ich an die Opfer, die Verletzten und die Angehörigen. Alle, die in diesen schrecklichen Stunden trauern, sollen wissen, dass sie nicht allein sind.“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD): „Berlin ist in Gedanken bei seiner Partnerstadt Brüssel, mit der wir uns in europäischer Solidarität eng verbunden fühlen.“ Die Terrorakte zeigten, „wie verwundbar unsere Metropolen sind“.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU): „Wir müssen gegen den barbarischen Terror zusammenstehen.“ Die offene Gesellschaft dürfe sich nicht einschüchtern lassen und ihre Lebensweise der Furcht opfern. „Wir müssen die Wut in Entschlossenheit und die Angst in Vorsicht umwandeln.“

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen in Berlin

Nach den Terroranschlägen in Brüssel haben der Berliner Senat und die Sicherheitsbehörden versichert, alles gegen derartige Gewaltakte in der deutschen Hauptstadt zu unternehmen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) betonte am Dienstag: „Die Sicherheitslage wird fortlaufend bewertet und wir gehen jedem sicherheitsrelevanten Hinweis nach.“

Auch die Bundespolizei, die für Flughäfen und Bahnhöfe zuständig ist, verschärfte ihre Vorkehrungen. „Wir haben die Maßnahmen intensiviert“, sagte eine Sprecherin des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam am Dienstag. Das gelte unter anderem für verstärkte Kontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen. Auch die Schutzausrüstung der Bundespolizisten sei erhöht worden. Von den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld starteten zunächst keine Flugzeuge mehr nach Brüssel.

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Von MAZonline und dpa

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