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Brandenburg „Wir wollen nicht das Gefühl für Holz verlieren“
Brandenburg „Wir wollen nicht das Gefühl für Holz verlieren“
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02:15 11.09.2017
Dirk Spatzier, Mit-Geschäftsführer der gleichnamigen Firma, am Pult der neuen CNC-Fräse. Quelle: : Julian Stähle
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Verlorenwasser

Das neue digitale Schmuckstück ist erst vor wenigen Tagen geliefert worden. Es ist gerade noch in der Erprobung. Ein wenig ehrfürchtig schauen zwei Angestellte der Tischlerei Spatzier auf den Bildschirm, eine Art Cockpit der brandneuen Werkzeugmaschine. Ein Mitarbeiter des Herstellers weiht die beiden in die Geheimnisse der 5-Achsen-Fräsmaschine mit der computergesteuerten CNC-Technik ein. „Das ist das Neueste vom Neuen und kann enorm viel“, sagt der Geschäftsführer der Firma mit einer Werkstatt in Verlorenwasser (Potsdam-Mittelmark), Dirk Spatzier, nicht ohne Stolz. Möbelstücke etwa, die bisher mit einer Kreissäge zugeschnitten und mit einem Lamello-Fräser bearbeitet wurden, könnten künftig in der Hälfte der bisherigen Zeit millimetergenau angefertigt werden, sagt Spatzier und zeigt auf eine ballgroße Holzhalbkugel für ein Treppengeländer. „Die Maschine kann die Fräsdaten aus einer Zeichnung direkt lesen, dann wird ein Programm darauf gelegt, fertig.“

Der Familienbetrieb mit derzeit 19 Mitarbeitern hat eine über 120 Jahre lange Tradition. Senior-Chef Kurt Spatzier, 68 Jahre alt, will die Leitung des Betriebs Stück für Stück an seine beiden Söhne, Dirk (47) und Jörg (42), abgeben. Spezialisiert ist die Firma auf das Restaurieren und originalgetreue Nachbauen denkmalgeschützter Fenster, Türen und Möbelstücke – da ist viel Handarbeit nötig.

Dennoch versuchen die Firmenchefs, neue digitale Trends im Blick zu behalten. Sie lassen kaum eine Handwerker-Messe aus, sagt Dirk Spatzier. Oft ist das Ganze ein Spagat. „Es gibt viele tolle Sachen. Man muss immer darauf achten, dass man nicht abgehängt wird“, sagt Dirk Spatzier. Aber nicht alles sei auch wirklich für jedes Unternehmen sinnvoll. Als Beispiel nennt er die vollautomatische Tischlerwerkstatt. „Die kommt gänzlich ohne Menschen aus. Da machen wir nicht mit. Wir wollen das Gefühl für Holz nicht verlieren.“

Was der Firma neben der CNC-Fräse wirklich helfen kann, sollen jetzt Digitalisierungsexperten der Brandenburgisch-Technischen Universität (BTU) in Cottbus herausfinden, an die sich Spatzier gewandt hat. Die haben sich die Firma bereits angeschaut und werden in Bälde Vorschläge unterbreiten. Im Gespräch ist eine spezielle App, wo Kunden beispielsweise komplexe Innentüren zu Hause am Bildschirm zusammenbauen können. Nachgedacht wird auch über eine digitale Übersicht des Wareneingangs und des Warenausgangs. Darauf würde besonders der Seniorchef drängen, heißt es.

Arbeitsplätze dürfte der digitale Wandel bei Spatzier nicht kosten. Die Firma leidet wie viele andere unter dem Mangel an Fachkräften. „Wir haben so viel Arbeit, aber uns fehlt das qualifizierte Personal“, sagte Dirk Spatzier. Die neue CNC-Maschine, glaubt er, könnte vielleicht sogar einige Engpässe beim Personal ausgleichen.

Die Firma ist seit Jahren gut im Geschäft, die Auftragsbücher sind übervoll, wie Dirk Spatzier versichert. Der Kundenstamm ist hochkarätig und reicht von Stiftungen und Schlössern bis zu Besitzern von Stadthäusern und Villen. Momentan wird am Karl-Foerster-Haus in Potsdam gearbeitet, ebenso wie im Wörlitzer Park in Sachsen-Anhalt. Mehrere Preise hat die Firma schon bekommen, wie vor zwei Jahren den Zukunftspreis des Landes Brandenburg.

Von Igor Göldner

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