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Wo in der Mark die Atombomben fallen sollten

US-Dokumente veröffentlicht Wo in der Mark die Atombomben fallen sollten

Knapp 60 Jahre waren sie unter Verschluss, nun hat das National Security Archive in den USA brisante Dokumente veröffentlicht. Sie zeigen, welche Ziele das US-Militär im Kalten Krieg ins Visier nahm. Auch Brandenburg wäre im Kriegsfall mit thermonuklearen Bomben angegriffen worden – vor allem die Flugplätze der Sowjettruppen wollten die USA zerstören.

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Pilzförmige Rauchwolke einer Atombombe.

Quelle: dpa

Potsdam. Albert Einstein antwortete einst auf die Frage, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg geführt werde: „Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im Vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.“ Die Angst vor einem neuerlichen globalen Konflikt nach dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs erreichte mit dem Abwurf der ersten Atombomben auf Nagasaki und Hiroshima 1945 einen Höhepunkt.

Wo genau die US-Streitkräfte mit Atombomben im Kalten Krieg zugeschlagen hätten, verraten nun erstmals Dokumente des „Strategic Air Command“ (SAC), die 60 Jahre lang unter Verschluss gehalten worden waren. Es sind Listen des Grauens. Erschütternde Erkenntnis: Auch Brandenburg wäre durch die Atomwaffen vermutlich weitgehend zerstört worden wäre.

Ziele: Groß Dölln, Werneuchen, Oranienburg

Die SAC-Dokumente offenbaren: Das US-Militär hatte Mitte der 50er Jahre tausende potenzielle Ziele im Ostblock ausgemacht. Ganz oben auf der Liste standen laut US-Forscher William Burr Flugplätze in der Sowjetunion und den Satellitenstaaten. Mehr als 1100 Flugfelder waren von einer Studie erfasst und nach Priorität geordnet worden. Den höchsten Rang in Brandenburg nimmt der Flugplatz in Groß Dölln (Uckermark) mit Platz 70 ein. Ebenfalls wichtige Angriffsziele waren demnach der Flugplatz in Werneuchen (Barnim, Rang 82) und jener in Oranienburg (Oberhavel, Rang 95). Die dortigen Anlagen wären im Ernstfall mit thermonuklearen Bomben angegriffen worden, die ein hundertfaches der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe gehabt hätten. Durch diesen Zug wollten die US-Streitmächte sowjetische Bomber daran hindern, ihrerseits in den Krieg eingreifen zu können, so Burr. In Oranienburg und Groß Dölln hatte die Sowjetunion IL-28-Bomber stationiert, in Werneuchen Abfangjäger und Bomber.

Ebenfalls auf der Abschussliste in Brandenburg standen die Flugplätze in Brandenburg-Briest, Cottbus, Schönefeld (Dahme-Spreewald), Alt Lönnewitz, Finsterwalde (beide Elbe-Elster), Briesen (Oder-Spree), Neuruppin, Wittstock (beide Ostprignitz-Ruppin), Drewitz, Jocksdorf, Welzow (alle Spree-Neiße), Cottbus und Jüterbog (Teltow-Fläming).

Eine weitere Liste führt Angriffsziele im Großbereich Berlin auf, die nicht zum Bereich Luftstreitkräfte zählten. Unter den 91 Zielen von militärischer und industrieller Bedeutung sind Anlagen in Bernau, Hennigsdorf, Oranienburg, Potsdam, Schönwalde und Velten. Sie sollten mit kleineren Bomben und Raketen angegriffen werden, die Stückzahlen sind nicht bekannt.

Weitere Informationen auf der Seite des National Security Archive (in englischer Sprache): http://nsarchive.gwu.edu/nukevault/ebb538-Cold-War-Nuclear-Target-List-Declassified-First-Ever/

Von Mischa Karth

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