Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Woidke sieht Martin Schulz als Kanzlerkandidat
Brandenburg Woidke sieht Martin Schulz als Kanzlerkandidat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:47 16.10.2016
Rückendeckung von der eigenen Basis nach schwieriger Zeit: SPD-Landeschef Dietmar Woidke wurde mit 83 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Quelle: FOTO: dpa
Anzeige
Potsdam

Eigentlich hatte Dietmar Woidke dem gerade frisch gewählten Landessschatzmeister Harald Sempf (50) schon kurz gratuliert. Doch plötzlich ging der ganz vorn im Saal sitzende Woidke mit langem Schritt noch einmal auf Sempf zu. Um ihn demonstrativ in den Arm zu nehmen. Man hätte ihm gesagt, das erste Mal sei der Glückwunsch zu kühl rübergekommen, erklärt Woidke später die Szene. Der SPD-Landeschef, der zuvor mit 83,3 Prozent der Stimmen ein ganz ordentliches Ergebnis erzielte und sehr zufrieden wirkte, wollte auf diesem Landesparteitag um alles in der Welt Misstöne vermeiden.

» KOMMENTAR: Ein Sieg mit Kratzern

Denn Sempf war nicht sein Kandidat. Im Vorfeld war alles unternommen worden, um den Falkenseer Dezernenten zu verhindern. Doch die von Generalsekretärin Klara Geywitz auserkorene Cornelia Schulze-Ludwig, in Storkow (Oder-Spree) Bürgermeisterin, verlor die Stichwahl. Woidke machte anschließend auf seine Art aus der Not eine Tugend und bescheinigte dem Gewinner, „ein sehr, sehr guter Schatzmeister“ zu werden.

Ansonsten lief der Parteitag weitgehend nach den Wünschen des 54-jährigen Woidke ab. Für eine Landespartei war das Treffen prominent besetzt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Generalsekretärin Katarina Barley waren gekommen. Doch sicher konnte sich Woidke trotzdem nicht sein, wie groß sein Rückhalt an der Basis wirklich ist. Sein mit den Linken ausgehandeltes Kreisreform-Modell bewegt die Gemüter auch in der SPD und überzeugt viele nicht. Auch war offen, ob die Streitigkeiten vom Sommer in ­Woidkes Regierungszentrale und der Rauswurf von Staatskanzleichef und Regierungssprecher nicht doch noch nachwirken würden.

Woidke hielt eine Grundsatzrede, die gut ankam und von den 130 Delegierten stehend mit Applaus bedacht wurde. Immerhin dauerte der gut eineinhalb Minuten. Da spürten viele im Saal, dass diesmal die Stimmung eine andere war als vor zwei Jahren in Frankfurt (Oder), als die Parteispitze bei der Wahl abgestraft wurde. Woidke erhielt damals nur 79,8 Prozent der Stimmen – ein Tiefpunkt.

In den Mittelpunkt seiner Rede rückte Woidke die Erfolge seiner Regierung und bekräftigte den Führungsanspruch der SPD im Land. Die sei „die Brandenburg-Partei“ und das solle auch so bleiben. Ausführlich erläuterte er die neuen Regelungen zur Kita-Betreuung. In dieser Frage vollzog die SPD vor Kurzem eine Kehrtwende, will jetzt zumindest über einen „Einstieg“ in die Beitragsfreiheit für Eltern reden.

Scharf ging Woidke mit der CDU ins Gericht, die „saft- und kraftlos“ und ohne jegliche Gestaltungskraft sei. Was er genau damit meinte, ließ er allerdings offen. Den Koalitionspartner Linke erwähnte er gar nicht. Bemerkenswert war, dass er die Kreisreform nur kurz abhandelte. Er sagte weder etwas zur geplanten Gegenkampagne, noch gab er Hinweise, wie man auf die Proteste reagieren sollte. Die Reform sei kein Publikumshit, meinte Woidke. Wie es hieß, sollte dem Vorhaben damit nicht zu viel Raum gegeben werden, da die Menschen viel weniger direkt betroffen seien als die Opposition behaupte. „Nirgendwo werden die Wege zu den Ämtern länger“, betonte Woidke.

Einen rabenschwarzen Tag erwischte Generalsekretärin Gey­witz (40). Das einstige Hoffnungstalent der SPD wurde mit 60,8 Prozent unerwartet deutlich abgestraft. Sie musste auch mit ansehen, wie nun einer ihrer Intim-Gegner Schatzmeister ist und damit ab sofort zum geschäftsführenden Landesvorstand gehört.

Woidke sieht Martin Schulz als Kanzlerkandidat

Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke hat EU-Parlamentspräsident Martin Schulz als möglichem SPD-Kanzlerkandidaten den Rücken gestärkt. „Ich halte ihn für einen sehr, sehr guten Kandidaten“, so Woidke am Samstag am Rande des Landesparteitags in Potsdam. SPD-Chef Sigmar Gabriel komme natürlich auch in Betracht, sagte Woidke.

Von Igor Göldner

Brandenburgs SPD-Chef Dietmar Woidke hat seinen Stand in der Landespartei wieder verbessert. Die Partei lässt, wenn es darauf ankommt, ihren Vorsitzenden nicht im Stich. Doch das anständige Wahlergebnis kann nicht darüber hinwegtäuschen: Es ist ein Sieg mit Kratzern. Ein Kommentar von Igor Göldner.

16.10.2016
Brandenburg Polizeieinsatz auf Simon-Dach-Straße - Heftige Hooligan-Randale in Berlin

Schläge, Tritte, Steine, Flaschen, Warnbaken – in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde die Polizei in Berlin von über 100 Randalierern massiv attackiert. Die Beamten waren alarmiert worden, weil sich die Lage in einem Lokal so zugespitzt hatte, dass die Betreiberin nur einen Ausweg wusste und die Polizei rief. Dann eskalierte die Situation vor dem Lokal.

16.10.2016

Zwei junge betrunkene Autofahrer haben in der Nacht von Freitag auf Samstag in Berlin unabhängig voneinander die Polizei auf Trab gehalten. Der eine raste durch Berlin und bedrohte Polizisten mit der Axt. Der andere verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug und landete in einem Vorgarten – auf dem Dach.

15.10.2016
Anzeige