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Brandenburg Wolf mit Beute auf frischer Tat ertappt
Brandenburg Wolf mit Beute auf frischer Tat ertappt
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17:43 27.04.2018
Der Wolf wurde in Proschim auf einer Ackerfläche gefilmt. Quelle: Screenshot Video
Welzow

Es ist ein sonniger Tag Mitte Dezember, als Sarah Ziesch die Felder eines Agrarbetriebs in Proschim (Niederlausitz) für den Winter vorbereitet. Vom Traktor aus sieht die junge Frau plötzlich einen Wolf. Geistesgegenwärtig zieht die junge Frau ihr Handy aus der Tasche und filmt die folgenden Szene. Auf dem Video ist in wackeligen Bildern zu sehen, wie der Wolf über das frisch gemulchte Grünland läuft und dabei ein gerissenes Tier im Maul hat. Er will nur ungern von seiner Beute – ein Reh, wie sich später herausstellt – ablassen. Nach einigen Sekunden, in denen der Traktor um ihn kreist, lässt das Raubtier den Kadaver schließlich fallen und entfernt sich.

Kein Einzelfall, wie Petra Rösch, Chefin des Agrarbetriebs sagt. Seit 2011 seien Wölfe in der Region angesiedelt. Etwa 550 Mutterkühe lässt ihr Betrieb auf den angrenzenden Feldern weiden. Nach ihren Einschätzungen werden etwa 7 bis 10 Kälber pro Jahr gerissen. „Häufig finden wir nur die Ohrmarken im Gebüsch“. Da die Kühe sich zum Kalben an den Rand der Weide zurückziehen, werden sie dort häufig das Ziel einer Wolfsattacke. Wenn gleich zwei Kälber geboren werden, hat in der Regel nur eines davon eine Chance.

Kritik am Wolfsmanagement des Landes

Die Bissspuren untersuchen lassen wird sie nicht. „Wir sind müde, die Vorfälle weiter zu verfolgen“, erklärt die Landwirtin der MAZ. Lange Zeit hätte sie den Aufwand betrieben, Zahnabdrücke zu fotografieren, alle Details zu dokumentieren und an das Landesamt für Umwelt zu schicken. Doch das im Wolfsmanagement-Plan vorgeschriebene Verfahren sei zu bürokratisch, und bis dann ein Wolfsbeauftragter kam, um den Vorfall zu prüfen, sei zu viel Zeit verstrichen. Und als dann mehrmals als Ergebnis mitgeteilt wurde, es handle sich lediglich um streunende Hunde, hätte sie resigniert. „Ich erkenne doch einen Wolf, wenn ich ihn sehe!“

Petra Rösch auf ihrem Grundstück in Proschim Quelle: MAZ-Archiv

Christian Nadolski, Wolfsbeauftragter des Landesjagdverbands, der sich das Video angesehen hat, bestätigt ihre Vermutung: „Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Wolf.“ Das forsche Verhalten des Wolfs sei vermutlich dem geschuldet, das der Wolf in dem herannahenden landwirtschaftlichen Schlepper keine unmittelbare Gefahr für sich sieht. Dieses Verhalten wurde schon häufiger beobachtet.

Elektrozäune sollen Kälber schützen, doch der Wolf lernt dazu

Weidetiere lassen sich gegen Wölfe schützen. Die besten Methoden sind ausreichend hohe Elektrozäune oder Zäune, die mindestens 40 cm tief in den Boden eingelassen sind, sowie Herdenschutzhunde. Doch die Wölfe lernen dazu. Immer wieder berichten Landwirte, dass Wölfe auch hohe Zäune überwinden – sie haben offenbar gelernt, darüber zu springen. Ein weiteres Problem ist, dass die Tiere in Ermangelung natürlicher Feinde jegliche Scheu verloren zu haben scheinen.

Junge Kälber sind besonders durch den Wolf gefährdet. Quelle: Bianka Boock

Davon weiß auch Petra Rösch zu berichten: „Selbst Traktoren schrecken die Wölfe nicht ab.“ Wie viele andere Bauern fühlt sich die 61-Jährige von der Politik im Stich gelassen. Verantwortungslos sei es, dass die Wolfspopulation nicht reguliert werde. „Wieso lässt man die Wölfe einfach gewähren?“ Eine Obergrenze als sinnvolle Maßnahme? „Ja, der selektive Abschuss sollte zugelassen werden – und nicht nur, wenn der Wolf wie in Rathenow in die Nähe von Schulen kommt.“ Sonst, so prophezeit sie, wird der Wolf bald auch vor dem Menschen nicht mehr Halt machen.

Von MAZonline

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