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Wolfsmenschen vor dem Landtag

Installation in Potsdam Wolfsmenschen vor dem Landtag

Politisch engagierte Kunst war lange Zeit ziemlich out. Doch nun stehen in Potsdam plötzlich 63 Wolfsskultpuren vor dem Landtag, geschaffen vom Brandenburger Künstler Rainer Opolka. Mit der Freiluft-Ausstellung „Die Wölfe sind zurück“ will Opolka zeigen, wie Hass aussieht - und damit zur Stellungnahme bewegen.

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Rainer Opolka in Potsdam.
 

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam.  In unmittelbarer Nähe des Potsdamer Landtages stehen noch bis zum 1. Mai 63 Wolfsskulpturen. Sie sind aus Bronze und Gusseisen und bis zu zwei Meter groß. Was hat sich der Künstler Rainer Opolka dabei gedacht?

Herr Opolka, die Naturschützer sind froh, dass die Wölfe wieder in Brandenburg beheimatet sind. Sie nicht?

Rainer Opolka : Ich bin NABU-Mitglied, habe selber zwei Hunde und setze mich für den Schutz von Canis Lupos (dem Wolf) ein. Der echte Wolf ist im Gegensatz zu den zweibeinigen Brandsatzwerfern ein soziales Wesen.

Wir Brandenburger lernen gerade, dass wir uns damit abfinden sollten, dass die Wölfe manchmal ein paar Schafe reißen. Und da kommen Sie und erinnern an die Schreckenseite des Wolfes?

Opolka : Natürlich kann Kunst auch missverstanden werden. Ich traue den Menschen aber die Fähigkeit zur Differenzierung zu. Das eigentliche Schreckensszenario wäre, wenn der Hass Staat wird. Diese Wölfe hatten wir schon mal. Der Führer wohnte auf der „Wolfsschanze“.

Warum statten Sie manche Wölfe mit menschlichen Gesten und Attributen aus? Wie kommen Sie auf die Namen für Ihre Wölfe?

Opolka: Ich habe ja „Wolfsmenschen“ geschaffen. Die Namen entstanden aus historischen und aktuellen Gründen. Ein Wolf heiß ja „NSU-Mann“, zwei nenne ich „Mitläufer“, zwei tragen den Namen „Blinde Krieger“. Die blinden Krieger tragen Augenklappen und sind noch an der Leine.

Warum sind es 63 Skulpturen?

Opolka: Zufall.

Kann man einen Wolf kaufen? Wie viel kostet eine Skulptur?

Opolka: Die Wölfe werden nicht verkauft, sie kommen später in den Kunst & Literaturpark Schloss Hubertushöhe Storkow, der noch in Planung ist. Es wird aber am Ende meiner Tour durch Deutschland die Versteigerung eines Wolfes für in Not geratene Kinder, Ausländer und Deutsche, geben.

Die Ausstellung findet vor dem Brandenburger Landtag statt. Soll sich eine Fraktion besonders angesprochen fühlen?

Opolka: Zehn von den 63 Wölfen starren düster auf den Landtag. Herr Alexander Gauland, der AfD-Vorsitzende von Brandenburg, mag sich einen Reim darauf machen.

Sie haben die Installation bereits Mitte März in Dresden auf dem Neumarkt durchgeführt. Was für Diskussionen haben Sie dort ausgelöst?

Opolka: Es gab unzählige Diskussionen. Um 3000 Menschen haben mir die Hand gegeben, viele Menschen haben vor Rührung geweint. Ich bin aber auch beschimpft worden und habe Morddrohungen erhalten. In einem Brief heiß es: „..mit Benzin anzünden.... dich und deinen Müll entsorgen“. Damit muss ich leben. Die negativen Stimmen waren eins zu 19 positiven Stimmern. Ich habe auch mit vielen Pegida-Anhängern diskutiert. Jeder, der zu den Wölfen kommt und nicht keift, wird mit Achtung und Respekt behandelt. Man darf Unzufriedene, und deren gibt es in unserem Land viele, nicht in die Arme der Demagogen treiben. Im Übrigen bin ich nicht der Weise Deutschlands sondern als Künstler und Mensch ein Lernender. Ich diskutiere gerne, höre aber auch gerne zu.

Auf Facebook posteten mehrere Kommentatoren, die Wölfe seien „Entartete Kunst“. Reagieren Sie darauf?

Opolka: Auf Äußerungen der Art reagiere ich nicht. Es gibt einen Minimum an Standards für die Diskussion. Fäkaliensprache und Rassismus werden auf unserer Facebook- und unserer Webseite gelöscht.

Was ist das Neue an Ihrer Aktionskunst?

 
Opolka:
 Das ist keine Kunst, vor der man vor Achtung erstarrt, sondern eine Installation, die provoziert und zur Stellungnahme bewegt. Das will ich.

Von Karim Saab

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