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Brandenburg Pendler-Frust: Protest erreicht den Landtag
Brandenburg Pendler-Frust: Protest erreicht den Landtag
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18:05 01.03.2018
Bahnhof Wustermark. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Potsdam

Als bekannt wurde, dass Wustermark abgehängt werden sollte, lief das Postfach der Verkehrsministerin über – mit Protest-Mails aus dem Havelland. Denn in der boomenden Gemeinde, deren Einwohnerzahl sich seit der Wende ungefähr verdreifacht hat, sollen künftig zwei von drei Zugverbindungen wegfallen. Das sieht der neue Landesnahverkehrsplan vor. Entsprechend groß war der Zorn, der sich im vergangenen Dezember im Postfach von Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) entlud. Es kamen übers Wochenende so viele Protestmails an, dass das Mailfach kurzzeitig nicht mehr erreichbar war. Nun hat der Ärger den Potsdamer Landtag erreicht.

Am Donnerstag wird sich der Verkehrsausschuss des Landtags auf Initiative der Linken und der Grünen mit der künftigen Anbindung von Wustermark und der generellen Kritik am Landesnahverkehrsplan befassen. Der Entwurf liegt seit Dezember vor und soll das Leben der vielen Zugpendler in der am stärksten wachsenden Bahnregion Deutschlands verbessern. Die Veränderungen sollen ab Dezember 2020 greifen und stoßen überwiegend auf ein positives Echo. Umso größer ist das Unverständnis in Wustermark.

Denn dort sollen künftig nur noch halb so viele Züge nach Berlin fahren, auch die Wustermarker Verbindung nach Potsdam würde wegfallen. „Das bedeutet, dass für viele Pendler nach Berlin und Potsdam ein Umstieg aufs Auto unvermeidlich wird, obwohl die Bahnhöfe in den letzten Jahren für Park und Ride umgebaut wurden“, sagt Fritz Helmecke, der den Protest koordiniert und selbst Berlin-Pendler ist.

Potsdam soll entlastet werden

Die schlechtere Verbindung ist nicht das Ergebnis eines bösen Willens. Im Potsdamer Ministerium will man mit der neu geführten Linie RB 21 eine schnellere Verbindung von Potsdam über Spandau bis Gesundbrunnen anbieten. Dazu sollen die Züge über den Eisenbahn-Außenring fahren und das westlich gelegene Wustermark ignorieren. Stattdessen soll ein neuer Halt in Elstal-West entstehen – in der Nähe des viel frequentierten Outletcenters.

Die neue Linienführung schlägt aus Sicht des Verkehrsministeriums zwei Fliegen mit einer Klappe: Einerseits soll eine Alternative zu den überfüllten Verbindungen von Potsdam nach Berlin geschaffen werden. Außerdem trage der neue Halt in Elstal-West der rasanten „Entwicklungsdynamik“ Rechnung, wie Ministeriumssprecher Steffen Streu betonte. Der Erdbeerhof als beliebtes Ausflugsziel expandiert, im ehemaligen Olympischen Dorf werden Wohnungen gebaut, und schließlich soll in Elstal ein Eisenbahninnovationszentrum entstehen. „Es ist aber auch völlig nachvollziehbar, dass die Menschen in Wustermark zum Teil verärgert sind“, erklärte Streu.

Linke wendet sich ans Ministerium

„Das Problem muss ernst genommen und korrigiert werden, denn wenn es weniger Mobilitätsangebote gibt, werden die Menschen wieder auf das Auto umsteigen“, sagte Anita Tack, Verkehrsexpertin der Linksfraktion, die sich mit einem Brief an das Ministerium gewandt hat. Die Wustermarker haben auch eine Idee, wie die neue Linienführung aussehen könnte, ohne Wustermark teilweise abzuhängen. Die RB 21 soll von Potsdam nach Wustermark fahren, dort die Fahrtrichtung wechseln, um weiter nach Berlin zu fahren.

Besserer Prignitz-Express wird auf sich warten lassen

Auch in anderen Regionen erregt der Landesnahverkehrsplan die Gemüter. Für Unverständnis sorgt im Nordwesten, dass Verbesserungen beim Prignitz-Express (RE 6) weiter auf sich warten lassen. Weder ein Halb-Stunden-Takt noch ein direkter Anschluss in das Berliner Zentrum sind in Sicht. Innerhalb weniger Tage nach Veröffentlichung des Nahverkehrsplans sammelte eine Initiative um Landrat Ralf Reinhardt (SPD) und mehrere Bürgermeister mehr als 2300 Unterschriften. Inzwischen seien 4300 Unterschriften zusammengekommen, heiß es aus Reinhardts Büro. Doch kurzfristige Lösungen beim Prignitz-Express, die auch in Oberhavel seit Jahren erwartet werden, wird es nicht geben. Damit befasst sich die Arbeitsgruppe „i2030“ der Bahn mit den Ländern Berlin und Brandenburg, die – wie es der Name andeutet – einen langfristigen Streckenausbau bis 2030 zum Ziel hat.

Von Torsten Gellner

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