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XY-Mitglied mit einem Kilo Drogen erwischt

Neuruppiner Mafia-Bande XY-Mitglied mit einem Kilo Drogen erwischt

Drogenhandel, gewerbsmäßige Kriminalität, Millionengewinne – die Neuruppiner XY-Bande war keine Gruppe von Kleinstadt-Gaunern. 2006 war Schluss, neun Mitglieder kamen ins Gefängnis. Ex-Vizechef Carsten O. sitzt jetzt erneut. Er wurde mit einem Kilo Amphetaminen erwischt. Durchsuchungen brachten noch viel mehr zutage.

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Leicht zu erkennen, aber nicht leicht zu fassen: Die Mitglieder der XY-Bande fuhren teure Autos mit entsprechenden Kennzeichen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Die Neuruppin-Mafia ist wieder da. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, sind bereits am Dienstagmorgen zwei Männer im Stadtzentrum von Neuruppin festgenommen worden. Es handelt sich dabei um Carsten O. (49) und Michael R. (58). Der Zugriff erfolgte der Polizei zufolge in dem Moment, als Carsten O. ein Kilogramm Amphetamine an Michael R. übergeben wollte. Am Mittwoch wurde Haftbefehl gegen die beiden Männer verhängt. Für Carsten O. ist das nichts Neues: Er war in den 1990er-Jahren ein hochrangiges Mitglied der berüchtigten XY-Bande.

Der „Pate von Neuruppin“ war keine kleine Nummer

Bereits 2006 war O. als einer der Haupttäter der so genannten XY-Bande zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Die Gang hielt Nordbrandenburg zehn Jahre lang in Atem, Bandenchef Olaf K. entwickelte sich binnen kurzer Zeit vom Würstchenverkäufer zum Paten von Neuruppin, er war auch CDU-Stadtverordneter.

Zum Geschäft der Bande gehörten der Handel mit Kokain und Marihuana, illegales Glücksspiel in mafiösen Strukturen, Bestechung, Prostitution. Die Millionengewinne steckten sie in teure Siegelringe, Immobilien und Autos. Das Erkennungszeichen der Bandenmitglieder: Nummernschilder, in denen „XY“ vorkam.

Größter Prozess gegen organisierte Kriminalität

In einem aufsehenerregenden Prozess wurden vor elf Jahren acht Mitglieder der Gang ins Gefängnis geschickt, addiert ergeben die Freiheitsstrafen eine Summe von 55 Jahren. Bis heute ist dieses das größte Verfahren gegen die organisierte Kriminalität in Ostdeutschland. Allein die Beweisaufnahme dauerte eineinhalb Jahre. 100 Zeugen wurden geladen, darunter zahlreiche Mitwisser, die selbst in Drogengeschäfte verwickelt waren.

Sogar ein Polizist und der damalige Leiter des Neuruppiner Grundstücksamtes waren in die Geschäfte der Bande verstrickt.Letzterer Vorwurf wurde wieder fallengelassen. Mehr als 114.000 Telefonate wurden als Beweismittel abgehört. Erst am 77. Verhandlungstag kam es zu den Plädoyers, am 83. Verhandlungstag fiel das Urteil.

Der Prozess gegen die Bande rief ein großes Medienecho hervor

Der Prozess gegen die Bande rief ein großes Medienecho hervor. Bis heute bildet er das größte Verfahren gegen die organisierte Kriminalität in Ostdeutschland.

Quelle: Peter Geisler

Dem nun erfolgten Zugriff gingen umfangreiche Ermittlungen des Landeskriminalamtes Brandenburg voraus. Dabei stießen die Ermittler auf Kunden der Dealer und weitere Mittäter. Am 04. und 05. Juli erfolgten deshalb insgesamt 13 Durchsuchungen in Brandenburg und Berlin.

Zahlreiche Drogenfunde, auch Waffen und Munition

Dabei fanden die Polizisten 650 Gramm Amphetamine, 1,25 Kilogramm Marihuana, 112 Marihuanapflanzen, einem Revolver, zwei Kleinkaliberwaffen, 300 Schuss Munition, erhebliche Bargeldbeträge, 21 Kilogramm Streckmittel und eine Vielzahl von Unterlagen und Datenträgern.

Nach Erkenntnissen des LKA Brandenburg ist der festgenommene Michael R. Mitglied des Motorradclubs Bandidos MC Berlin. Sein Komplize Carsten O. ist, nach Frank G., bereits das zweite maßgebliche Mitglied der ehemaligen XY-Bande, welcher erneut durch die Strafverfolgungsbehörden überführt werden konnte. Der heute 50-jährige G., der 2006 zu acht Jahren Haft verurteilt worden war, musste schon im Jahr 2016 erneut ins Gefängnis. Wegen Drogenhandels bekam er 4 Jahre und neun Monate aufgebrummt.

Reue vor Gericht gezeigt

Bandenchef Olaf K. hatte – ebenso wie seine wichtigsten Mittäter, die beiden offenbar rückfällig gewordenen Frank G. und Carsten O. – der Urteilsverkündung im September 2006 Reue gezeigt und sich dafür entschuldigt, dass sie anderen mit dem Drogenverkauf so viel Leid zugefügt hatten. Allerdings waren K- und O. auch noch Jahre nach ihrer Inhaftierung gemeinsam die Besitzer der „Puppenstube“ – eines Bordells an einer der Hauptzufahrtsstraßen nach Neuruppin.

Von Kathrin Gottwald und Saskia Kirf

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