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Zäher Prozessbeginn gegen Gold-Betrüger

Prozess in Berlin Zäher Prozessbeginn gegen Gold-Betrüger

Sie sollen 6000 Menschen mit großen Versprechen gelockt und später abgezockt haben. In Berlin steht seit Donnerstag eine Betrügerbande vor Gericht – unter den Angeklagten ist auch ein Brandenburger. Die mutmaßlichen Betrüger haben satten Gewinnen aus Goldgeschäften gelockt. Doch im Tresor glänzten billige Imitate aus China.

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Drei von sechs wegen Anlagebetrugs in Millionenhöhe Angeklagte im Verhandlungssaal des Landgerichtes in Berlin.

Quelle: dpa

Berlin/Potsdam. Wegen Anlagebetrugs mit möglicherweise 6000 Geschädigten stehen seit Donnerstag sechs Angeklagte vor dem Landgericht Berlin, einer von ihnen wohnt in Teltow (Potsdam-Mittelmark). Dem Prozess war ein spektakulärer Fund von fast vier Tonnen Falschgold in einer Villa in Berlin-Zehlendorf vorausgegangen. Vier der Verdächtigen sollen als Bande mit vorgetäuschten Goldgeschäften rund 55 Millionen Euro von Kunden erschwindelt haben. Zu Prozessbeginn am Donnerstag kam es noch nicht zur Verlesung des Anklagesatzes – Verteidiger hatten in einem Antrag widersprochen.

Angst der Kunden vor Geldentwertung ausgenutzt

6000 Anleger aus ganz Deutschland haben bei der „Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung“ (BWF) ihr Erspartes in Gold investiert. Die Organisation machte sich die Angst der Kunden vor einer Geldentwertung zu Nutze.

5000 Euro bis 140 000 Euro investierten die Anleger jeweils, allerdings nicht in echtes Gold, sondern in Falschgold.

3,6 Tonnen falsche Goldbarren sollen die Betrüger beschafft haben: Dummys, die mit einer dünnen Goldschicht überzogen waren, aber einen weitgehend wertlosen Kern hatten.

55 Millionen Euro soll in etwa der Betrug die Opfer gekostet haben.

Vertrieben hat die BWF-Stiftung ihre Goldanlage größtenteils über ein Netz privater Vermittler.

Kunden mit Hochglanzwerbung angelockt

Die Beschuldigten sind 46 bis 67 Jahre alt; ein Ehepaar wurde aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Der 55-Jährige und die 67-jährige Frau – beide wegen Betrugs vorbestraft – sollen laut Anklage mit einem 46-Jährigen von Herbst 2011 an extra eine Unternehmens- und Vertriebsstruktur für Anleger vermeintlich sicherer Goldanlageprodukte aufgebaut haben. Sie hätten beschlossen, Kunden mit Hochglanzwerbung zu locken.

Unter dem Dach einer von ihnen gegründeten „Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung“ wurden den Verantwortlichen den Ermittlungen zufolge von September 2011 bis Februar 2015 Beträge zwischen 130,95 Euro und 200.000 Euro anvertraut. Die mutmaßlichen Betrüger sollen den Kunden vorgegaukelt haben, sie würden Goldbarren kaufen und gewinnbringend damit handeln.

Schwindel fliegt vor knapp anderthalb Jahren auf

Tatsächlich seien solche Geschäfte aber gar nicht realisiert worden. Unter den Angeklagten befinden sich auch ein Rechtsanwalt und ein Steuerberater. Sie sollen die Geschäfte für sicher erklärt haben.

Der mutmaßliche Schwindel endete vor knapp anderthalb Jahren. Mit 120 Beamten war die Polizei im Einsatz, um 19 Objekte in Berlin und Köln zu durchsuchen. In einem Tresor im Keller einer Villa wurden fast vier Tonnen Falschgold entdeckt: Barren aus minderwertigem Material und mit einem hauchdünnen Goldüberzug. Für 309.000 Euro soll einer der Angeklagten die Dummys in China bestellt haben, um Anleger zu täuschen. Wären die Menge echt gewesen, hätte der Wert bei 122 Millionen Euro gelegen.

Verteidiger bezeichnen die Anklage als mangelhaft

Der überwiegende Teil der Kundengelder floss aus Sicht der Ermittler in die Taschen der mutmaßlichen Betrüger für private Zwecke wie Hobbys oder Sport-Sponsoring sowie in Provisionen für eine Vielzahl von Vermittlern. Zudem seien mehr als 900.000 Euro in den Bau einer Villa in der Dominikanischen Republik gesteckt worden sowie weit über zwei Millionen Euro in ein Wassergrundstück in Brandenburg.

Verteidiger bezeichneten die Anklage als mangelhaft. So seien die 6000 Geschädigten im Anklagesatz nicht „individualisiert“ angegeben worden. Zudem habe die Staatsanwaltschaft im Anklagesatz unzulässige Wertungen und Würdigungen vorgenommen, dies aber sei Aufgabe des Gerichts. „Der Anklagesatz darf nicht verlesen werden“, verlangten die Anwälte.

In einem weiteren Antrag rügten Verteidiger die Gerichtsbesetzung. Der Vorsitzende Richter erklärte, das Gericht werde die Anträge in Ruhe prüfen. Der Prozess wird am 16. Juni fortgesetzt.

Von Kerstin Rebien

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