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Zahl der Kindesgefährdungen gewachsen

Berlin Zahl der Kindesgefährdungen gewachsen

Misshandelt, missbraucht, vernachlässigt – das Wohl von immer mehr Kindern in Berlin ist gefährdet. Das gaben die Berliner Jugendämter am Montag bekannt. Die Zahl von Inobhutnahmen ist hingegen gesunken.

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Bei der Mehrheit der gemeldeten Fälle handelt es sich um Vernachlässigung oder psychische Misshandlung.

Quelle: V&P Photo Studio - Fotolia

Berlin. Die Jugendämter in Berlin haben im vergangenen Jahr häufiger festgestellt, dass Kinder zum Beispiel misshandelt oder vernachlässigt wurden. Insgesamt wurden rund 15.440 Verfahren eingeleitet, um das Kindeswohl zu prüfen. In rund 8040 Fällen kamen die Jugendämter zur Einschätzung, dass eine Gefährdung vorliegt. Fünf Jahre zuvor waren es erst etwa 4400 gewesen.

Das geht aus einer Antwort der Senatsjugendverwaltung auf eine Parlamentsanfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervor, aus der die Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“ (Montag) zitierten. Die Jugendämter kamen auch in rund 4130 Fällen zu dem Schluss, dass zwar keine Gefährdung vorliegt, die Familien aber Hilfe brauchen.

Viele Kinder brauchen Hilfe

Es gebe viele Kinder, die in sehr schwierigen Verhältnissen lebten und Hilfe benötigten, sagte eine Sprecherin der SPD-geführten Senatsjugendverwaltung. Die gestiegene Fallzahl führte sie auch darauf zurück, dass heute mehr Kinder in der Hauptstadt leben. Zudem sei die Sensibilität für das Thema gestiegen, auch weil die Hilfsangebote ausgebaut worden seien. Mittlerweile seien auch die Kinderschutzambulanzen an Berliner Kliniken eingerichtet worden.

Die meisten Missbrauchs- oder Vernachlässigungsfälle wurden laut Statistik im vergangenen Jahr im Stadtteil Neukölln registriert: In rund 1950 Fällen entschieden die Jugendämter, dass eine Gefährdung vorlag oder die Familie zumindest Hilfe brauchte. Es folgten die Bezirke Mitte (1535), Tempelhof-Schöneberg (1371) und Friedrichshain-Kreuzberg (1222).

Vor allem arme Familien betroffen

„Wir haben mehr Fälle, wir haben mehr Hilfen, aber wie haben weniger Inobhutnahmen“, sagte die Sprecherin. Der Statistik zufolge wurden Kinder 2191 Mal in Obhut genommen - 2015 waren es 2990 Fälle gewesen. Vor allem Polizei, Schulen und Nachbarn hätten Gefährdungen gemeldet, hieß es. Am häufigsten sei es vorgekommen, dass Kinder vernachlässigt oder psychisch misshandelt wurden. In der Hauptstadt wurden nach den Angaben auch 300 Fälle sexueller Gewalt gemeldet.

Die Entwicklung sei „ein Alarmzeichen, dass die sozialen Probleme in unserer Gesellschaft und die Überforderungen vor allem in armen Familien zunehmen“, kommentierte der Abgeordnete Langenbrinck. Familien bräuchten mehr Unterstützung. Kinder dürften erst gar nicht in eine so schlimme Lage kommen. „Das klappt noch nicht, deshalb müssen die bisherigen Hilfen überprüft werden“, forderte er.

Von dpa

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