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Zahl der Windräder im Wald verdoppelt sich

Kritik am Windkraftausbau Zahl der Windräder im Wald verdoppelt sich

In den kommenden Jahren soll sich die Zahl der Windräder in Brandenburgs Wäldern mehr als verdoppeln. Derzeit gibt es laut Umweltministerium 293 Anlagen, weitere 330 sind beantragt. Die CDU fordert einen Waldwindkraft-Stopp. Derweil wirft ein Zwischenfall in der Uckermark Sicherheitsfragen auf.

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330 Windkraftanlagen warten in Brandenburgs Wäldern derzeit auf eine Genehmigung.

Quelle: dpa

Potsdam. In den kommenden Jahren soll sich die Zahl der Windkraftanlagen in Brandenburgs Wäldern mehr als verdoppeln. Derzeit gibt es laut Umweltministerium 293 Anlagen in märkischen Wäldern. In 74 laufenden Verfahren sind 330 weitere Anlagen beantragt. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Landtag hervor.

Vor allem in der Planungsregion Havelland-Fläming werden neue Waldwindräder dazukommen. Die Zahl soll sich von derzeit 91 auf 267 knapp verdreifachen. In der Lausitz warten 127 Windkraftanlagen auf die Genehmigung, hier stehen bereits 198 Anlagen. In Prignitz-Oberhavel produzieren momentan nur drei Anlagen über Baumwipfeln Ökostrom. Sechs weitere sind beantragt.

CDU fordert Stopp der Waldwindkraft

Dierk Homeyer, energiepolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, hält dies für eine falsche Entwicklung. „Ein weiterer Windkraftausbau im Wald ist inakzeptabel“, sagte er der MAZ. „Die von der Landesregierung willkürlich festgelegten Ausbauziele können keine Rechtfertigung für solche schwerwiegenden Eingriffe in die Natur sein.“ Homeyer hatte sich in seiner Anfrage explizit nach dem Flächenverbrauch und Ersatzpflanzungen erkundigt. Doch darüber wird laut Landesregierung keine Statistik geführt. „Es ist davon auszugehen, dass durchschnittlich 0,5 Hektar Wald pro Anlage dauerhaft in Anspruch genommen und damit ausgeglichen werden muss“, heißt es überschlägig von Seiten des Umweltministeriums.

CDU-Mann Homeyer fordert eine Kehrtwende: „Durch eine Änderung des Waldgesetzes müssen die Waldflächen in Brandenburg als Standort für Windräder grundsätzlich ausgeschlossen werden“, sagte er. „Die Landesregierung muss ihre Energiepolitik nach der Natur und den Menschen richten und nicht umgekehrt.“ Dieses Ziel hatte vergangenes Jahr auch ein Volksbegehren, das allerdings an mangelnder Unterstützung gescheitert war.

Lukratives Geschäftsmodell

Ohne Windräder im Wald wären die Brandenburger Klimaziele kaum zu erreichen. Schließlich besteht Brandenburgs Landesfläche zu mehr als einem Drittel aus Wald. Es ist nach Rheinland-Pfalz das Bundesland mit den meisten Waldwindrädern, wie aus einer Studie der Fachagentur „Windenergie an Land“ hervorgeht. Ein Grund für den Zuwachs der Forstwindräder liegt laut der Untersuchung in der zunehmenden Größe der Anlagen.

Mit Rädern, die 200 Meter hoch sind und 3,5 Megawatt Leistung haben, lohnt sich die Energieerzeugung im Wald, weil mit zunehmender Höhe die Windausbeute steigt. Auch für Waldbesitzer ist Windkraft ein interessantes Geschäftsmodell: Die Pachterträge für die Anlagen liegen deutlich über dem auf gleicher Fläche zu erzielenden forstwirtschaftlichen Ertrag.

Nabu warnt vor unbekannten Risiken

Während Betreiber von Windkraftanlagen auf Ersatzpflanzungen für gerodete Forstflächen und strenge Brandschutzrichtlinien verweisen, warnen Naturschützer vor den Eingriffen in Flora und Fauna. Die Deutsche Wildtierstiftung lehnt Waldwindkraft komplett ab, auch der Naturschutzbund Nabu sieht diese Form der Ökostromgewinnung kritisch. „Die Auswirkungen auf die Natur sind noch nicht so gut erforscht wie bei Anlagen auf dem Offenland“, erklärt Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. „Man weiß zu wenig und geht mit dem Bau ein großes Risiko ein.“ Es könnten sich Fehler wiederholen, die man früher bei Windparks auf Feldern gemacht hat, als man Anlagen an Orten erlaubte, die nach heutigen Erkenntnissen tabu wären.

„Bei Windenergieanlagen im Wald sind die Eingriffe deutlich größer als bei Anlagen auf Freiflächen, man nimmt erhebliche Lebensraumveränderungen vor durch Schneisen und Stellflächen“, erklärt der Umweltschützer. Grundsätzlich will der Verband die Erneuerbaren Energien nicht komplett raus aus den Wäldern halten. Aber solange es keine systematische Untersuchung über Todesraten bei Vögeln durch die Rotorblätter gebe, halte man Windenergieerzeugung im Wald für problematisch. „Und wenn, dann sollte man dafür lieber einen jungen Kiefernforst nehmen, dann ist der Eingriff nicht so schwerwiegend“, so Lachmann.

Uckermark: Rotor knickt einfach um

Ein Zwischenfall in der Uckermark dürfte derweil der Debatte um die Sicherheit der Anlagen neues Nahrung bieten. Dort knickte am Dienstag ein Flügel eines Windrades komplett um. Weitere Teile des Windrades flogen dabei auf ein umliegendes Feld, wie der RBB berichtete. Die Bundesstraße 166 musste bei Passow am Mittag gesperrt werden, weil der umgeknickte Rotor drohte, herabzustürzen. Bei dem Zwischenfall wurde niemand verletzt. Der Betreiber der Anlage, die Energiekontor AG aus Bremen, war zu dem Zwischenfall nicht zu erreichen. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, ist unklar.

Vor zwei Jahren war in Elbe-Elster ein fast 100 Meter hohes Windrad umgestürzt. Es war einfach in einer Höhe von rund 30 Metern durchgebrochen. Gutachter stießen später auf Rostspuren am Mast. Ein baugleiches Gerät brach vor wenigen Wochen im mecklenburgischen Grischow entzwei. Die Fälle scheinen identisch: Hier lag die Bruchstelle in 25 Metern Höhe.

Von Torsten Gellner

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