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Brandenburg Zahnarzt entspannt mit Reisevideos
Brandenburg Zahnarzt entspannt mit Reisevideos
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00:27 12.03.2018
Während der Potsdamer Zahnarzt Robert Runge seine Arbeit verrichtet, darf der Patient Landschaftsfotos an der Decke ansehen. Quelle: Foto: Friedrich Bungert
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Potsdam

Manchmal können kleinste Dinge entscheidend sein. Der charakteristische Geruch von Iodoform wird die Patienten beim Betreten der Praxis „Zahnärzte Runge“ in der Potsdamer Schopenhauerstraße kaum in Panik versetzen können. Robert Runge und sein Team halten die Flaschen mit dem Mittel zur Wundbehandlung strikt unter Verschluss und meist auch im Schrank verwahrt – und zwar bewusst.

Runge will nicht, dass seine Patienten durch solche Geruchsreize unangenehme Erinnerungen reaktivieren. Selbst bei der Wahl der Reinigungsmittel ist das Praxisteam vorsichtig. Alles, was die Assoziation „Krankenhaus“ wecken könnte, wird tunlichst vermieden. Da ist man manchmal sogar bereit, ein paar Cent mehr zu zahlen. Ein Schwerpunkt der jungen Zahnarztpraxis in einem Ärztehaus in der City ist nämlich die Behandlung von Angstpatienten und von Kindern. Und deren Nöte werden ernst genommen.

372 Praxen in Brandenburg kümmern sich um Angstpatienten

Allein 372 Praxen in Brandenburg findet der Suchdienst der Bundeszahnärztekammer, wenn man die Spezialisierung „Angstpatienten“ eingibt. Jürgen Herbert, Präsident der Landeszahnärztekammer, sieht darin aber nicht unbedingt einen neuen Trend. „Es wird vielleicht heute ein bisschen mehr dafür getrommelt“, sagt er. Aber das Problem Angst und die Mittel dagegen seien für die Zahnärzte schon immer virulent gewesen. „Wir gehen davon aus, dass ungefähr 20 Prozent unserer Patienten Angstpatienten sind“, erläutert Herbert. Zwei Prozent seien Patienten mit enormen Ängsten, die fast schon psychotherapeutische Hilfe bräuchten. Solche Gruppen meiden den Gang zum Zahnarzt manchmal völlig, was natürlich folgenschwer für ihre Zahngesundheit sein kann.

Kein Wunder, gibt es auch viele Fortbildungen, die sich dieses Themas annehmen. Das Berliner Philipp-Pfaff-Institut für die Weiterbildung von Zahnärzten führt in seinem Verzeichnis aktuell zum Beispiel drei Zahnärzte, die auch Kurse über die Arbeit mit Angstpatienten anbieten. Auch der erst 36 Jahre alte Robert Runge hat gleich nach seinem Studium an der Berliner Charité eine solche Fortbildung in der Nähe von Frankfurt am Main besucht. Das sei aber gar nicht der Grund, weshalb seine Praxis heute neben vielen anderen Dingen auch auf Angstpatienten spezialisiert ist.

Angstpatienten

Die Landeszahnärztekammer Brandenburg (LZÄKB) ist die öffentliche Berufsvertretung der Zahnärzte im Land. Sie hat derzeit rund 2700 Mitglieder.

Angstpatienten wurden in den vergangenen Jahren immer stärker Gegenstand der Diskussion. Der Umgang mit Angstpatienten ist auch Teil der Ausbildung von Zahnmedizinern.

Viele Praxen heben deutschlandweit seit einigen Jahren immer wieder Weiterbildung und Spezialisierung auf Angstpatienten hervor.

„Das hat sich mit der Zeit eben alles so ergeben“, sagt Runge. Auch seine Mutter, die Zahnärztin Dr. med. Charlotte Runge, die seit 1991 eine eigene Praxis in Potsdam führte und heute zum Kollegium ihres Sohnes gehört, habe sich immer sehr einfühlsam gegenüber ihren Patienten verhalten. Er habe sich später als Zahnarzt eben auch in seine Patienten hineinversetzt. „Ich wäre wahrscheinlich auch ein Angstpatient“, gibt er zu. „Ich möchte auch nicht, dass einer einfach weiterbohrt, wenn es mir wehtut.“

Fotos und Videos entspannen während der Behandlung

Runge hat aus dieser Selbsteinschätzung ziemlich weite Konsequenzen gezogen. Mit der Wahl der Reinigungsmittel ist es da längst nicht getan. Die erst 2015 neu eingerichtete Praxis ist zum Beispiel hervorragend und auch teuer ausgestattet. Wer sich zum Beispiel auf einem der Behandlungsstühlen niederlässt, blickt an der Decke nicht nur auf schöne Landschaftsfotos, die Patientin oder der Patient schaut auch auf einen Flachbildschirm an der Decke. An ihm können die Patienten, bequem in den Stuhl gelagert während der ganzen Behandlung zum Beispiel schöne Reisedokus genießen. „Ich hatte zunächst den Monitor nur im Wartezimmer“, sagt Runge. „Die kleineren Bildschirme habe ich erst vor einem Jahr hinzugekauft.“.

Zum Instrumentarium Runges gehört auch ein Laser. Der dient zwar vor allem der Behandlung des Zahnfleisches oder der Korrektur von Lippenbändchen, hat aber den schönen Nebeneffekt, dass mit ihm auch kariöse Zähne praktisch schmerzfrei untersucht werden können. Auch dieses teure Instrument ist keine Selbstverständlichkeit in einer Zahnarztpraxis.

Gespräche über traumatische Erlebnisse

Genauso wenig wie die Zeit, die sich Runge, seine Zahnarztkollegin Annemarie Gebauer und seine Mutter, für ihre Patienten nehmen. In derselben Zeit, in der andere Zahnärzte vielleicht schon zehn Patienten behandelt haben, kommt Runges Team vielleicht im Schnitt auf vier. „Die Kommunikation ist superwichtig“, sagt Robert Runge. „Wir kündigen immer an, was wir tun wollen.“ In der Praxis sorge man immer für Verständnis für den nächsten Schritt und nichts geschehe gegen den Willen des Patienten. Mehr noch: Das Kollegium versucht auch herauszufinden, warum die Patienten Angst haben. Das alles kostet natürlich mehr Zeit.

„Wir fragen beim Patienten auch immer nach, wo liegt der Anfang seiner Angst“, ergänzt Teamkollegin Gebauer. Die beiden Ärzte stoßen bei ihren Patientengesprächen oft auf kleine Traumata, die die Leute erst zu Angstpatienten machten. Und wie so oft bei seelischen Leiden liegt das Erlebnis in der Kindheit. „Der klassische Fall ist, dass ein Kind beim Bohren „Aua“ rief – und der Zahnarzt trotzdem weiter bohrte“, sagt Runge. In seiner Praxis kommt so etwas nicht vor. Wenn ein Patient die Hand hebt, heißt das sofort für alle Beteiligten „Stopp!“. Erst nach einem erklärenden Gespräch geht es dann weiter. Und wer jetzt immer noch Angst hat, dem wird auch von der Arzthelferin sogar mal die Hand gehalten. Auf diese Weise wachse das Vertrauen der Patienten, dass man mit ihm umgehen kann. Irgendwann würden so aus Angstpatienten normale Patienten. „Manchmal funktioniert das schon nach ein paar Tagen, manchmal braucht es ein Jahr“, sagt Gebauer.

Eines macht Robert Runge aber nicht: Vollnarkosen. Nicht nur der Aufwand und die Notwendigkeit eines Anästhesisten lassen Runge zögern: „Der Patient lernt auch nichts dazu.“ Das Team legt Wert darauf, dass die Patienten durch ihre positiven Erfahrungen in der Praxis eine Einstellung zur Behandlung ändern. Und nicht zuletzt sei jede Vollnarkose ein Risiko. Deshalb setzt Runge weiterhin vor allem auf die gute Arzt-Patient-Beziehung. Er ist sicher: Mit etwas Einfühlungsvermögen und gesundem Menschenverstand, kann es im Grunde jedem Zahnarzt gelingen, die Angst der Patienten zu mindern.

Von Rüdiger Braun

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