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Brandenburg Zeit für eine Hausboot-Tour über Brandenburgs Seen
Brandenburg Zeit für eine Hausboot-Tour über Brandenburgs Seen
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11:45 17.09.2016
So lässt es sich aushalten: Ein Hausboot zieht gemächlich über den Großen Wentowsee bei Fürstenberg/Havel. Quelle: Yorck Maecke
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Fürstenberg/Havel

Die Faustregel ist einfach: rechts, rot, runter. „Wenn ihr zu Tal fahrt, müsst ihr die rote Tonne rechts liegen lassen, sonst setzt ihr auf“, erklärt Walter Kussmaul. Wir sind unterwegs auf der Steinhavel, einem Kanal, der vom brandenburgischen Röblinsee (Oberhavel) abgeht. Er ist Teil des Reviers, auf dem Kussmaul, Betreiber einer Charterbasis, mit seinen Kunden das Bootfahren übt.

Die „Supreme“ ist ein stattliches Hausboot von 11,50 Metern Länge, mit Schlafplätzen für vier Personen, Kochnische, Kühlschrank, Kaffeemaschine. Nur spülen muss man selbst. Ohne Motorbootschein werden wir bis ins knapp 30 Kilometer entfernte Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) und zurück zur Basis in Fürstenberg (Oberhavel) fahren. Möglich macht das die im Jahr 2000 eingeführte Charterbescheinigung. Drei Stunden muss man sich in Technik und Verkehrsregeln auf dem Wasser einweisen lassen.

Die „Supreme“ ist ein stattliches Hausboot. Quelle: Stefan Weißenborn

Eine Herausforderung sind die Schleusen. Die erste wartet gleich in der Steinhavel. Es braucht Zeit, bis man als angehender Skipper mit den Leinen umgehen kann. Aber die Feuerprobe gelingt.

Die „Supreme“ gleitet gemächlich weiter. Auf dem Menowsee stellt sich ein Gefühl der Abgeschiedenheit ein. Die Herbstsonne geht langsam unter, der Himmel ist schraffiert von lockeren Wolken. Wir sind allein auf dem See. Es ist die Einsamkeit der Nachsaison. „Da brauchste nicht nach Skandinavien“, sagt Sven, der mit an Bord ist.

Schleusen als Herausforderung für Anfänger. Quelle: Stefan Weißenborn

Wir brauchen einen Platz für die Nacht. Die Schleusen stellen um 18 Uhr den Betrieb ein. Am Jachthafen Priepert am Ellbogensee ist die Auswahl an Parklücken groß. Ein junger Mann eilt herbei, greift sich unsere Leine und zerrt das Schiffchen in die richtige Position. „Fürs erste Mal war das nicht schlecht“, teilt er uns höflich mit.

Am nächsten Tag steuern wir unserem Ziel Rheinsberg entgegen und treffen an der Schleuse Strasen, die den Ellbogensee und den Pälitzsee verbindet, auf Carsten Obst. Er ist seit DDR-Zeiten Schleusenwärter. „Ich wollte einen Beruf lernen, wo man an der frischen Luft ist. Das war mein Traum“, sagt er, als sich unser Kahn in der Kammer langsam hebt. Er klagt darüber, dass viele Schleusen auf Selbstbedienung umgestellt würden. Seine Zunft könnte aussterben.

Der Herbst ist die ideale Zeit für eine Hausboot-Tour über Brandenburgs Seen. Quelle: Weißenborn

Mit Rheinsberg am Grienericksee erreichen wir den Wendepunkt unserer Hausboot-Tour. Die Stadt ist Ziel vieler Wassertouristen. Auch im Herbst herrscht im Jachthafen viel Betrieb.

Die letzte Nacht auf dem Rückweg verbringen wir auf dem Tietzowsee. Dumpf rasselnd gleitet die Ankerkette in die Tiefe, dann herrscht Stille. Nur Fische sind zu hören, die auf der Jagd nach Insekten aus dem Wasser springen. Je dunkler die Nacht wird, desto stärker zeichnen sich die Sterne ab. So klar der Himmel im Herbst sein kann, so kalt kann es auch werden. Auf dem Deck glitzert Raureif. Wir werfen die Bordheizung an. Dass nur Hartgesottene baden gehen können, ist wohl der einzige Nachteil einer herbstlichen Hausboot-Tour auf den Seen und Flüssen Brandenburgs.

Urlaub auf dem Hausboot

Gesetzliche Regelung: Seit dem Jahr 2000 berechtigt eine Charterbescheinigung Hobby-Skipper, die keinen „Sportbootführerschein Binnen“ (SBF Binnen) besitzen, zum Führen eines gecharteten Hausboots. An Bord dürfen sich bis zu zwölf Personen aufhalten. Das Schiff darf nicht länger als 15 Meter sein und nicht schneller als mit 12 Stundenkilometern gefahren werden.

Die Gebiete: Größtenteils in Brandenburg und Mecklenburg befinden sich die für den Charterschein freigegebenen Wasserstraßen. Aber auch in Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und im Saarland gibt es Strecken.

Die Mietpreise: Für eine Woche zahlt man im Herbst rund 1000 Euro pro Boot, hinzu kommen Nebenkosten und Kaution.

Von Stefan Weißenborn

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