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Brandenburg Zeitnot auf dem Acker
Brandenburg Zeitnot auf dem Acker
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20:30 11.04.2013
Quelle: dpa
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GRÜNEBERG

„Mindestens eine Woche“, schätzt Beate Stuht, Geschäftsführerin der Agrar GmbH Grüneberg (Oberhavel). Die Bodentemperatur sei zu niedrig. Lupinen mögen eben keine kalten Füße in der Kinderstube.

Seit den 80er-Jahren ist die Agraringenieurin Stuht in der Landwirtschaft tätig. Aber an solch einen langen und zähen Winter wie in diesem Jahr kann sie sich nicht erinnern. Stuht deutet auf eine Vielzahl breiter Reifenspuren am Feldrand. Das war der erste Versuch, mit dem Trecker auf den Acker zu kommen, berichtet sie. Ende vergangener Woche sollte Mist verteilt werden. Doch die Reifen sind einfach weggerutscht. Inzwischen läuft es aber. Muss es auch. Die Schneereste am Feldrand werden einfach ignoriert. Die Zeit drängt. Dünger streuen, pflügen, säen, die Wiesen pflegen – alles müsste gleichzeitig gemacht werden. „Der Hafer müsste auch schon in der Erde sein“, seufzt die Chefin der Agrar GmbH. Die 15 Beschäftigten des Ökobetriebes bewirtschaften fast 800 Hektar Land und versorgen 200 Milchkühe. Die Jungrinder müssen endlich raus auf die Wiese, denn die Futtervorräte im Stall schmelzen dahin. Und die jungen Tiere fressen ganz schön was weg.

Die „Arbeitsspitzen innerhalb kürzester Zeit“ seien ein großes Problem für die märkischen Landwirte, erklärt Holger Brantsch vom Landesbauernverband. Manche Bauern seien schon dazu übergegangen, die Feldarbeiten nicht etwa in der üblichen Reihenfolge abzuarbeiten, sondern zuallererst die Felder auf den ertragreichsten Standorten zu bestellen. So sollen diese Einnahmen erst mal gesichert werden.

Sorgen bereitet die Sommergerste. Die habe kaum noch genügend Zeit, um zu wachsen und zu reifen. Daher sind Brantsch zufolge schon einige Betriebe auf den Anbau von Sonnenblumen oder auch Mais umgeschwenkt. Diese Kulturen werden später geerntet und haben noch ausgiebig Gelegenheit, sich zu entwickeln.

Bei der Agrar GmbH in Grüneberg wird vor allem Roggen angebaut. Der kam schon im vergangenen Jahr in den Boden. Stuht schaut sich die noch kleinen grünen Pflanzen an. „Sie sind gut über den Winter gekommen“, sagt sie erleichtert. Von Nachbarbetrieben hat sie schon anderes gehört: Dort ist beispielsweise der Raps unter der dichten Schneedecke der vergangenen Wochen allmählich vergammelt. Da haben die Bauern der Grüneberger Agrar GmbH Glück gehabt. Bisher jedenfalls. Die Frage ist, wie sich die Roggen-Pflanzen noch machen. In ihrer Entwicklung hinken sie einige Wochen hinterher. Das bedeute Stuht zufolge eigentlich Ertragseinbußen. Aber wenn es jetzt schnell wärmer wird und genug Regen fällt, wären die Einbußen nicht so groß.

Kaum ist die Schneedecke weg und die Böden sind endlich so abgetrocknet, dass die Landtechnik drauf fahren kann – schon rufen die Landwirte nach Regen. Das klinge verrückt, räumt Brantsch vom Landesbauernverband schmunzelnd ein. Doch gerade dann, wenn die Pflanzen anfangen, kräftig zu wachsen, „ziehen sie Wasser ohne Ende“, erzählt Brantsch. Die Natur hat es so eingerichtet, dass die Pflanze all ihre Kraft ins Wachstum über der Erde steckt. Der Haken: Die Wurzeln kommen zu kurz. Das wiederum macht die Pflanze sehr anfällig für Trockenheit. Da darf in diesem Jahr nichts mehr passieren.

Stuht in Grüneberg überschlägt das Arbeitspensum der nächsten Tage. Der Pflug schafft zehn Hektar am Tag. Die Grüneberger haben 60 Hektar Lupinen, 60 Hektar Mais, dann noch Getreide. (Von Ute Sommer)

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