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Zoff um Moore in Brandenburg

Anwohner und Bauern fürchten Probleme Zoff um Moore in Brandenburg

Nach dem Willen der Landesregierung soll Brandenburg wieder ein moorreiches Land werden. Doch bei Anwohnern und Bauern stößt das auf Widerstand. Die Einen fürchten nasse Keller, die Anderen bangen um ihr Weideland.

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Brandenburgs größtes und bedeutendstes Quellmoor auf dem Beesenberg bei Prenzlau wird seit 2012 renaturiert.

Quelle: dpa

Potsdam. Brandenburg gehörte einmal zu den moorreichsten Ländern Deutschlands. Davon sind laut Landesumweltamt nur 3000 Hektar übrig, gegenüber 210.000 Hektar trockengelegten Moors mit oft dicken alten Torfschichten im Untergrund. Meist befinden sich darauf Weide- oder Grünland. Betroffen sind rund sieben Prozent der Landwirtschaftsfläche. Teile davon will das Land jetzt im Zeichen des Umwelt- und Klimaschutzes wieder vernässen, so der Fachbegriff. Doch bei Anwohnern und Bauern stößt das auf Widerstand.

Etwa in der Nuthe-Nieplitz-Niederung. Dort hat sich eine Bürgerinitiative „Pro Kulturlandschaft“ gebildet, die sich gegen Pläne wendet, die Ungeheuerwiesen bei Stücken (Potsdam-Mittelmark) in Sumpfland zurückzuverwandeln. „Die Vernässung zerstört landwirtschaftliche Flächen und schreckt Touristen ab“, sagt Udo Reich, Sprecher der Initiative. Auch gegen ein Moor-Projekt des Naturschutzbunds Brandenburg in Buschow (Havelland) gibt es Proteste von Anwohnern. Sie fürchten, dass durch den steigenden Grundwasserspiegel die Keller volllaufen, sagt Sprecher Manfred Loew.

Konkret gestartet wurde ein Projekt bei Freienhagen (Oberhavel). Dort wurde die knapp zehn Hektar große Rehwiese bisher durch einen tief eingeschnittenen Graben entwässert. Ende 2012 hat man begonnen, den Wasserlauf anzustauen. Inzwischen stehen die bis zu vier Meter dicken Torfschichten in diesem Bereich bereits wieder im Wasser, sagt Projektleiter Martin Szaramowicz von der Flächenagentur Brandenburg. Auf Widerstand bei Anwohnern oder Landwirten ist das neue Moor nicht gestoßen. „In Freienhagen messen wir regelmäßig den Grundwasserspiegel“, erklärt Szaramowicz. So könne ausgeschlossen werden, dass dort das Wasser in die Keller läuft.

Bis sich tatsächlich wieder eine typische Moor-Vegetation einstellt, kann es lange dauern. Aber schon das Anstauen des Wassers sei ein Beitrag zum Klimaschutz, erklärt der Moor-Experte Hans Joosten von der Universität Greifswald, die das Projekt begleitet. „Entwässerte Moore produzieren durch den Torfzerfall Treibhausgase wie Kohlendioxid“, sagt er. Das werde gestoppt. Der Klima effekt konnte jetzt erstmals berechnet werden. Pro Hektar und Jahr kann ein Gegenwert von 14 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, sagt Joosten. Finanziert wird das Projekt über sogenannte „Moor-Futures“, mit denen Unternehmen oder Privatpersonen den Ausstoß von Treibhausgasen etwa bei Flugreisen freiwillig kompensieren können. Die Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die das Projekt gemeinsam ins Leben gerufen haben, beraten heute in Berlin auf einem „Moor-Gipfel“ über eine Ausweitung. Neue Projekte würden aber langsam und nach genauer Prüfung angegangen, sagt Szaramowicz von der Flächenagentur.

Daher macht sich der Landesbauernverband Brandenburg bisher wenig Sorgen vor einem Wachstum der Moore. Das Land gehe hier sehr vorsichtig vor, lobt Holger Brantsch vom Landesbauernverband. Bisher habe es immer passable Angebote zum Flächentausch gegeben, sagt Reinhard Jung vom Bauernbund. Problematischer sei da die ungezielte Vernachlässigung von Entwässerungskanälen, durch die viele Felder unter Wasser stünden. Unversöhnlich ist dagegen die Initiative „Pro Kulturlandschaft“. Die ganze Moor-Idee sei Blödsinn, schimpft Sprecher Udo Reich. Bei Bodenproben an den Ungeheuerwiesen habe er jedenfalls keine Reste eines ehemaligen Moores gesehen, das man renaturieren könne.

Von Ulrich Nettelstroth

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