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Brandenburg Zossenerin bläst zum Marsch gegen „Fake News“
Brandenburg Zossenerin bläst zum Marsch gegen „Fake News“
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02:15 21.04.2017
Die Tiertrainerin Ariane Ullrich will „Fake News“ entgegentreten. Quelle: privat
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Zossen

„Marsch für die Wissenschaft“ – was nach einer abgehobenen Veranstaltung klingt, ist für die Biologin Ariane Ullrich das Gebot der Stunde: Eine Kundgebung zugunsten seriöser Forschung, echter Erkenntnis und mühseligen Datensammelns. Die in Zossen (Teltow-Fläming) lebende Biologin und Hundetrainerin ist froh, dass auch in Deutschland am kommenden Samstag, den 22. April, um 13 Uhr vor der Berliner Humboldt-Universität (HU) Unter den Linden ein „March for Science“ beginnt – und sie die Demonstration organisatorisch unterstützen kann.

Ullrich ist nicht alleine. Auch Potsdams Universitätspräsident Oliver Günther will am Sonnabend demonstrieren gehen. „Wissenschaft und Freiheit von Forschung und Lehre sind wichtiger Garant von Frieden, Fortschritt, Innovation und Lebensqualität“, sagt der Wirtschaftsinformatiker.

Impfgegner und die „böse Chemie“

Seit 1998 arbeitet sie als Hundetrainerin, seit 2005 tut sie das in Zossen. Bei Gesprächen mit Klienten stößt sie dabei bisweilen auf Ansichten, die sie befremdlich und aus der Zeit gefallen findet: „In meiner täglichen Arbeit beunruhigt mich am meisten die zunehmende Impfmüdigkeit und das unreflektierte Schimpfen auf die ,böse Chemie’“, sagt sie. Nicht nur Eltern, auch Hundebesitzer entwickelten sich immer mehr zu Impfgegnern – mit fatalen Folgen: „Dass typische Krankheiten wie Staupe oder gerade erst in Berlin wieder die Masern auf dem Vormarsch sind, wird einfach ignoriert, ebenso, dass daran Lebewesen sterben.“

Auch in öffentlichen Debatten sieht die Biologin die Zunahme obskurer Argumente. Besonders das Studium einschlägiger Foren im Internet entsetzt sie. Kondensstreifen der Flugzeuge sind da auf einmal die Spuren absichtlich in der Luft ausgeschütteter Chemikalien, die Pharmaindustrie mache des Geschäftes wegen bewusst Menschen krank, während die Regierung die Bürger absichtlich verdumme.

Verschwörungstheorien haben Konjunktur

„Ich bin entsetzt, welche irrationalen Gedanken auftauchen und unreflektiert verbreitet werden“, sagt sie. Inzwischen sieht sie auch in Deutschland das wissenschaftliche Denken in der Defensive. Regelrecht erleichtert war Ariane Ullrich, als sie vom „Marsch für die Wissenschaften“ in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington D. C. hörte. Damit wollen die Initiatoren den „alternativen Fakten“, der Leugnung des Klimawandels und abstruser Verschwörungstheorien den Wert der Wissenschaft und des faktenbasierten Wissens für Gesellschaft und für Demokratie hervorheben.

Ullrich konnte sich sofort mit diesen Zielen identifizieren. „Als die Bitte nach Hilfe für die Bearbeitung der Facebookseite des deutschen Marsches aufkam, habe ich mich angeboten“, sagt sie. Inzwischen hilft Ullrich bei der Vernetzung der deutschlandweiten lokalen Organisatoren der Kundgebung. Wenn man etwas ändern wolle, müsse man etwas tun – am besten gemeinsam mit anderen.

Wissenschaftsprominenz geht auf die Straße

Zu diesen Anderen gehören auch der Bochumer Komponist Claus Martin und die Bildungsforscherin Tanja Gabriele Baudson. Beide hatten immer entsetzter die Entwicklung in den USA verfolgt. Schließlich wurde in den USA die Idee des Wissenschaftlerprotests geboren. „Wir haben geschaut, ob es auch bei uns in Deutschland einen Marsch gibt, aber nichts gefunden“, erklärt Baudson. Also fingen sie an, über das Internet Mitstreiter zu suchen. der Plan ging auf.

Die Aktion am kommenden Samstag soll aber kein Marsch ausschließlich von Wissenschaftlern sein, sondern den Dialog mit den Bürgern fördern, um „falschen Fakten“ wirksam entgegenzutreten. „Optimal wäre, wenn politisch motivierte Lügen sofort durchschaut würden und keine Chance mehr hätten“, sagt Baudson.

Ihrem und Ariane Ullrichs Ruf folgt jetzt die Wissenschaftsprominenz in ganz Deutschland. Für den Marsch in Berlin haben sich unter anderem auch Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sowie der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar angemeldet.

Von Rüdiger Braun

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