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Brandenburg Zu offenes Interview: BER-Sprecher freigestellt
Brandenburg Zu offenes Interview: BER-Sprecher freigestellt
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11:27 12.04.2016
Der geschasste Flughafensprecher Daniel Abbou. Quelle: dpa
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Potsdam/Berlin

Wegen offener kritischer Worte über Versäumnisse der Verantwortlichen beim Bau des Skandalflughafens BER ist der erst zu Jahresbeginn eingesetzte Sprecher der Flughafengesellschaft, Daniel Abbou (45), nach Angaben des „Tagesspiegels“ und der „Berliner Morgenpost“ freigestellt worden. Der Vorwurf von Seiten des Flughafenchefs Karsten Mühlenfeld an den Kommunikationsleiter: Ein Interview Abbous mit dem Branchenmagazin für Öffentlichkeitsarbeit „prmagazin“ (April-Ausgabe) sei nicht mit der Geschäftsführung abgestimmt gewesen.

Das Gespräch hat es in der Tat in sich. Das Magazin zitiert den Sprecher mit dem Satz: „Ich habe kein Interesse daran, unter dem Deckel zu halten, was Platzeck, Wowereit, Schwarz und Mehdorn verbockt haben.“ An anderer Stelle spricht er von den Versäumnissen der „alten Flughafen-Crew“, die „zu viel verbockt“ habe. Den lockeren Stil behält der Sprecher bei, wenn er zum anvisierten, aber mutmaßlich auf der Kippe stehenden Eröffnungstermin 2017 sagt: „Kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für den Flughafen.“ Abbou kündigt in dem Gespräch eine neue Offenheit an, berichtet von geplanten Publikumstouren auf dem Gelände in Schönefeld. Denn, so Abbou: Die Berliner und Brandenburger hätten ein Recht darauf zu sehen, „wo ihre Milliarden versenkt worden sind“.

Der Halb-Franzose, der zuvor Leiter der Unternehmenskommunikation beim Werbeflächenvermarkter „Wall“ war, fasste seine Strategie, mit der er Vertrauen in das Flughafenprojekt zurückgewinnen wollte, so zusammen: „Früher wurde meist gesagt: „Nein, es ist alles gut. Das ist Bullshit. Bekenne Dich dazu, wenn etwas scheiße gelaufen ist.“ Denn: „Es kommt eh alles raus“. Vertrauen entstehe nur durch Transparenz.

Abbou attestiert der Flughafenführung fehlende „politische Denke“ und äußert, es sei hinsichtlich der Wirkung in der Öffentlichkeit ungeschickt vom Flughafenchef gewesen, auf Geheimhaltung eines kritischen Berichts des Landesrechnungshofs zu pochen. Flughafenchef Mühlenfeld sei „Ingenieur – und Ingenieure pflegen eine andere Sprache als Journalisten und Politiker“, zitiert das Magazin Abbou. Gleichzeitig lobt der Sprecher seinen Vorgesetzten als „absolut lern- und kritikfähig“.

Allerdings schildert Abbou seine Reaktion auf Versuche Mühlenfelds, ein Informationsleck zu finden, aus dem Neuigkeiten an die Presse gelangten, so: „Das war der Punkt, an dem ich meinen Kopf auf die Tischplatte geschlagen habe.“

Am Ende des Interviews sagt Abbou: „Meine letzten Jobs habe ich ja immer höchstens drei Jahre gemacht.“ In diesem Fall waren es gut vier Monate.

Erst zu Jahresbeginn hatte Abbou den seit neun Jahren amtierenden Sprecher der Flughafengesellschaft Ralf Kunkel abgelöst - mutmaßlich, um dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), im Wahlkampf BER-Skandale vom Leib zu halten. Abbou gilt als gut vernetzt in der Berliner SPD und Stadtpolitik. Laut „prmagazin“ äußerte „Adrenalin-Junkie“ Abbou, er sei „schon immer ziemlich scharf darauf, die Nummer hier zu machen“ – also den Sprecherjob am BER.

Aus der Potsdamer Staatskanzlei heißt es, man kommentiere Entscheidungen der Geschäftsführung nicht. Die Opposition im Potsdamer Landtag ist weniger zurückhaltend. Grünen-Fraktionschef Axel Vogel sagt: „Das Verleugnen missliebiger Tatsachen ist eine zentrale Ursache für das Scheitern des BER. Ich hatte gehofft, die Flughafengesellschaft hätte diese Lektion endlich gelernt. Weit gefehlt.“ Daniel Abbou habe, so Vogel, „wohl gedacht, die Zeit der Angstkultur in der Flughafengesellschaft sei mit dem Abgang Hartmut Mehdorns zu Ende“. Verantwortlich für den Rausschmiss seien Aufsichtsratschef Müller und Flughafenchef Mühlenfeld.

Für die Brandenburger FDP sagte Axel Graf Bülow, die Reaktion auf das Interview seitens der Geschäftsführung sei „ganz kleines Karo“. Anstatt die „Vorlage ihres Sprechers zu nutzen und endlich klaren Tisch zu machen, werden die Aufklärer ihres Amtes enthoben“, so der FDP-Chef.

CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke hingegen wittert ein abgekartetes Spiel: „Es sollte verklausuliert werden, dass der Eröffnungstermin 2017 nicht haltbar ist.“ Abbou habe, so mutmaßt Genilke, im Auftrag des Regierenden Bürgermeisters Müller die Bombe jetzt platzen lassen, damit ein erneuter Terminaufschub nicht noch näher an die Berliner Wahl im September heran rücke.

Von Ulrich Wangemann

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