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Zu viele Bewerber für zu wenig Kleingärten

Grüne Parzellen in Berlin und Brandenburg Zu viele Bewerber für zu wenig Kleingärten

Der klassische Kleingarten ist in Brandenburg so beliebt wie lange nicht mehr. Vor allem in den Ballungsräumen ist die Nachfrage nach den kleinen Oasen groß.

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Erholung im Grünen: Seit 18 Jahren pflegt Peter Sachert seine Parzelle in der Potsdamer Kleingartenanlage „Uns genügt’s“.

Quelle: Danilo Hafer

Brandenburg. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen weit über 20 Grad luden auch am vergangenen Wochenende wieder zum Entspannen ein. Für den Potsdamer Peter Sachert geht das nirgendwo besser als im eigenen Garten. Der 78-Jährige besitzt seit 18 Jahren eine Parzelle in der Kleingartenanlage „Uns genügt’s“ und hat immer alle Hände voll zu tun. „Ein Garten macht zwar viel Arbeit, aber das eigene Stückchen Grün macht einfach glücklich“, sagt er. Und damit ist er nicht allein. Der klassische Kleingarten ist in Brandenburg so beliebt wie lange nicht mehr. Vor allem in den Ballungsräumen ist die Nachfrage nach den kleinen Oasen groß. Im Alter bringt er vielen Ruheständlern die nötige Abwechslung, doch auch immer mehr junge Familien aus der Stadt entdecken die Lust am eigenen Garten.

„In Potsdam haben wir immer deutlich mehr Bewerber als freie Parzellen“, sagt Friedrich Niehaus, Geschäftsstellenleiter des Kreisverbandes der Garten- und Siedlerfreunde. Zu dem Verband gehören rund 7000 Kleingärten in Potsdam und Umgebung. 30 bis 40 seien derzeit in der Neuvermietung. „Wir schließen fast jeden Tag einen Aufhebungs- oder neuen Pachtvertrag ab“, sagt Friedrich Niehaus.

Dennoch haben es Außenstehende oft schwer, eine der begehrten Grünflächen zu ergattern, denn viele Potsdamer Kleingärten werden innerhalb der Familie vererbt. „Fast 35 Prozent aller Parzellen werden an Familienmitglieder weitergegeben und kommen gar nicht erst auf die Angebotslisten“, so Niehaus. Einige Parzellen in der Stadt befinden sich bereits seit vier Generation in Familienhand.

Auch in Potsdam melden immer wieder Familien aus Berlin Interesse an einem Kleingarten an. Der Zuschlag bleibe ihnen jedoch häufig verwehrt, so Niehaus. Denn in der Landeshauptstadt gebe es noch ein anderes Phänomen, berichtet er. So hätten rund 3000 Potsdamer eine Parzelle im Umland und nicht in der Stadt selbst. „Viele Gartenfreunde denken dann im Alter ab 50 oder 65 Jahren oft darüber nach, den Garten auf dem Land aufzugeben und in eine Parzelle in der Stadt zu ziehen“, so Niehaus. Dies und die schwindenden Freiräume in der Stadt, etwa durch neue Baugebiete, machen die städtischen Kleingärten so beliebt.

Anders sieht es in den ländlichen Regionen Brandenburgs aus, erklärt Fred Schenk, Geschäftsführer des Brandenburger Landesverbandes der Gartenfreunde. „Während die Nachfrage in den Ballungsgebieten hoch ist, haben die Kleingartenvereine in der Fläche mit deutlichen Problemen zu kämpfen“, sagt er. Vor allem dann, wenn eine Parzelle auf lange Sicht nicht neu verpachtet werden kann, würden häufig Kosten für die Räumung und den Rückbau anfallen, so Schenk. Daher hätte er nichts dagegen, wenn sich der ein oder andere Gartenfreund aus der Hauptstadt, der derzeit noch auf einer der Wartelisten steht, nach einer Parzelle in Brandenburg umsehen würde. Die Anlagen entlang der Bahnlinien und Ausfallstraßen seien von Berlin aus schließlich gut zu erreichen.

Bis zu vier Jahre warten einige Gartenfreunde in der Hauptstadt, bis sie endlich eine freie Parzelle erhalten, berichtet der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. Mittlerweile gibt es in Berlin sogar Wartelisten mit insgesamt rund 12 000 Interessierten.

Dass auch Kleingärten bald zu Spekulationsobjekten werden, glaubt Fred Schenk nicht. „Die Parzellen werden wie gesetzlich vorgeschrieben bewertet und dies ist dann auch der maximale Preis“, sagt er. In der Stadt Brandenburg müssen im Durchschnitt etwa 2600 Euro für einen Kleingarten gezahlt werden. Auch in Potsdam liegen die Preise für eine Gartenübernahme zwischen 2000 bis 3000 Euro. Der Wert richtet sich nach der Qualität und dem Zustand der Bebauung und Bepflanzung. „Es gibt natürlich auch Filetstücke, die dementsprechend mehr kosten“, erklärt Fred Schenk. So seien auch mal fünfstellige Summen möglich. Dies sei jedoch die Ausnahme.

In Berlin gibt es inzwischen sogar Vermittlungsagenturen für Kleingärten. Bei Laupi findet der Garteninteressierte zahlreiche Angebote, ähnlich wie bei einer herkömmlichen Immobilienseite.

Von Danilo Hafer

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