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Zu wenig Ganztagsunterricht in Brandenburg

Bildung Zu wenig Ganztagsunterricht in Brandenburg

Etwa drei Viertel der Eltern wünschten sich inzwischen einen Ganztagsplatz für ihr Kind. Davon ist Brandenburg weit entfernt. Der angestrebte Ausbau der Ganztagsschule ist ins Stocken geraten. Die Hälfte aller märkischen Schüler wird nicht bis in den Nachmittag betreut.

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Die Mehrheit der Schüler in Brandenburg ist noch nicht auf einer Ganztagsschule.

Quelle: dpa

Potsdam. Immer mehr Kinder und Jugendliche in Brandenburg besuchen eine Ganztagsschule. Das geht aus einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Jedoch wird noch immer die Hälfte aller märkischen Schüler nicht bis in den Nachmittag betreut. Etwa drei Viertel der Eltern wünschten sich inzwischen einen Ganztagsplatz für ihr Kind.

Im Schuljahr 2015/2016 besuchten 47,5 Prozent eine Ganztagsschule, im Jahr zuvor waren es 47,8 Prozent. Damit landet Brandenburg bundesweit auf dem sechsten Platz und deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 39,3 Prozent. Spitzenreiter ist Hamburg mit 91,5 Prozent. Bayern landet auf dem letzten Platz. Dort gehen nur 16 Prozent in eine Ganztagsschule.

Potsdamer Bildungsministerium sieht die Lage weniger dramatisch

Die Stiftung fordert angesichts steigender Schülerzahlen bundesweit mehr Tempo bei der Ganztagsbetreuung. „Gute Ganztagsschulen sind ein Motor für die Chancen von Kindern und Jugendlichen“, sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Um flächendeckend Angebote zu schaffen und bis 2025 rund 80 Prozent der Schüler zu erreichen, müssten zusätzlich 3,3 Millionen Ganztagsplätze entstehen. Dafür würden 31 400 zusätzliche Lehrer und 16 200 Erzieher und Sozialpädagogen benötigt. In den Schulausbau müssten weitere 15 Milliarden investiert werden.

Aus Sicht des Potsdamer Bildungsministeriums ist Brandenburg ordentlich aufgestellt. Es gebe genügend Plätze und die Schulen würden von den Eltern gut nachgefragt, sagte Ministeriumssprecher Ralf Kotsch. „Wir sehen die Situation weniger dramatisch als in der Studie prognostiziert.“ Kotsch verwies darauf, dass die These von einer langfristig steigenden Schülerzahl für Brandenburg nicht zutreffe. Nach einer Modellrechnung des Ministeriums sei 2030 nicht mehr mit mehr Schülern zu rechnen.

Elternschaft fordert Ausbau des Ganztagschulangebots

Die Elternschaft sieht die Lage nicht ganz so rosig. „Der Ausbau von Ganztagsschulen im Land ist eine tolle Sache, aber man muss dafür sehr viel Geld in die Hand nehmen“, sagte Jan Alexy, stellvertretender Sprecher des Landeselternrats. Auch Gordon Hoffmann, bildungspolitischer Sprecher der CDU im Landtag, forderte, die Ausstattung der Ganztagsschulen zu verbessern. „Bevor man mehr einrichtet, muss in die Qualität investiert werden“, sagte er. Den Eltern sei es wichtiger, dass der geplante Unterricht stattfinde, dass es überschaubare Klassengrößen gebe und nicht nur Seiteneinsteiger als Lehrer starteten, so Hoffmann. „Wir haben jetzt schon Lehrermangel.“

Ähnlich äußerte sich Marie Luise von Halem, Bildungsexpertin der Grünen. Brandenburg müsse weg von der Trennung zwischen Unterricht vormittags und Hortbetreuung nachmittags. Außerdem seien Schulgebäude nötig, die für den Ganztagsunterricht geeignet sind.

Familienministerin setzt sich für Rechtsanspruch auf Ganztagsunterricht ein

Laut Bildungsministerium gab es im Schuljahr 2016/17 exakt 486 Schulen in öffentlicher und freier Trägerschaft mit Ganztagsangeboten, die von 102 497 Schülern wahrgenommen wurden. Im laufenden Schuljahr stellt das Land für Ganztagsangebote 28,8 Millionen Euro zur Verfügung. Davon entfallen 25,6 Millionen Euro auf die Lehrer und 3,3 Millionen auf Sachmittel.

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) fordert einen Rechtsanspruch auf Ganztagsunterricht. „Es ist nicht einzusehen, warum der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz mit dem Schuleintritt erlischt“, sagte sie am Dienstag. Viele Eltern seien mit einer Betreuungslücke konfrontiert.

Von Diana Bade

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