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Zur Schnäppchensuche auf dem Polenmarkt

Weihnachtsgeschäft Zur Schnäppchensuche auf dem Polenmarkt

In Deutschland sind die Benzinpreise niedrig, in Polen wird die Tankstelle zum Paradies: Hier kostet der Liter Super derzeit einen Euro. Doch wer an der Zapfsäule oder auf den Märkten des Nachbarlandes solche Schnäppchen machen will, braucht derzeit starke Nerven.

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Beliebt bei Schnäppchensuchern: der Markt in Slubice.

Frankfurt (Oder)/Slubice. Die Geduldsprobe beginnt bereits vor dem Frankfurter Grenzübergang „Stadtbrücke“. Wer auf diesem Wege motorisiert nach Slubice will, muss sich in eine schier endlose Autokolonne einreihen: Durch eine Baustelle wird die Kreuzung vor dem Oderufer zum Nadelöhr. Auch auf der östlichen Seite des Grenzflusses geht es teils nur im Schritttempo vorwärts.

Der Rückstau der ersten Tankstellen reicht auf die Zufahrtsstraßen zurück. Dass deutsche Autofahrer hier anstehen, hat seinen Grund: Der Liter Super-Benzin kostet umgerechnet nicht einmal einen Euro. „Zwar ist Benzin derzeit auch in Deutschland nicht teuer, aber hier sparst Du noch mal 20 bis 30 Cent“, erzählt Markus Grumpert aus Eisenhüttenstadt und befüllt nach dem Tank wie viele andere auch noch einen 20-Liter-Reservekanister.

Stau vor der einzigen Zufahrt auf die Parkplätze

Der nächste Stau beginnt vor dem größten polnischen Grenzbasar an der Grenze zur Bundesrepublik am südlichen Stadtende von Slubice. Vor Feiertagen wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten ist er noch immer Hauptziel deutscher Schnäppchenjäger. Es gibt zwar ein halbes Dutzend größtenteils kameraüberwachter Parkplätze, jedoch nur eine Zufahrt. Sich dort einzufädeln kann dauern. In den Schlangen warten Autofahrer aus ganz Brandenburg und Berlin, wie die Nummernschilder verraten.

Polnische Grenzmärkte

Grenzbasare gibt es zwischen Swinemünde (Swinoujscie) auf Usedom und Zgorzelec bei Görlitz in der Nähe jedes deutsch-polnischen Übergangs. Die meisten Märkte haben täglich von etwa 10 Uhr bis zum Einbrechen der Dunkelheit geöffnet, nur an hohen kirchlichen Feiertagen bleiben sie geschlossen. Der vor allem bei deutschen Kunden beliebte Basar in Slubice galt mit einstmals 1200 Ständen als der größte seiner Art und als wichtigster Wirtschaftfaktor der 17 000-Einwohner-Stadt.

Er wurde am 21. Mai 1991 am südlichen Stadtrand eröffnet. Im Januar 2007 brannte er komplett ab. Etwa 1500 Menschen verloren auf einen Schlag ihren Arbeitsplatz. Die Brandursache wurde nie abschließend geklärt. Vermutlich spielte aber der unsachgemäße Umgang mit Propangasflaschen, mit denen die Händler Heizstrahler betrieben, eine Rolle. Kaputte Hydranten hatten die Löscharbeiten auch der von der gegenüberliegenden Seite der Oder zur Hilfe geeilten Frankfurter Feuerwehr erschwert.

Inzwischen ist ein neuer Basar aufgebaut. Die etwa 400 Stände befinden sich in einer großen 16 000 Quadratmeter großen Leichtbauhalle. Auf der anderen Straßenseite hat die Slubicer Stadtverwaltung einen zweiten Basar aus Wellblech-Läden bauen lassen. Allerdings ist offenbar nur ein Bruchteil der etwa 150 Stände an Händler vermietet. Die dort angebotenen Waren unterscheiden sich nicht vom Angebot des angestammten Basars.

Ist ein Parkplatz ergattert, kann die Schnäppchenjagd an den 400 Ständen in einer riesigen überdachten Markthalle beginnen. „Hier kannst Du mit den Händlern noch feilschen und es gibt bei Bekleidung auch große Größen“, erklärt Maria Zechner aus Potsdam die Vorteile des Grenzbasars. Wer gezielt sucht, findet auch Passendes zum Weihnachtsfest: Mistelzweige, Gestecke, Plastik-Schneemänner für den Garten.

Nicht jedermanns Geschmack sind sicher die quietschbunten Plastik-Weihnachtsmänner mit ihren Rentieren auf künstlichem Tannengrün. Je nach Größe des Arrangements kostet diese Adventsdeko zwischen 13 und 20 Euro. Noch gewöhnungsbedürftiger sind wohl nur noch in allen möglichen Farben heftig blinkende Kunst-Bäumchen und Plastik-Weihnachtskugeln.

Wer noch einen Weihnachtsbraten sucht, bekommt ihn auf dem Basar frisch geschlachtet: Gänse und Enten, je nach Gewicht zwischen 15 und 40 Euro oder aber Kaninchen für durchschnittlich 20 Euro. Weihnachten hin oder her - Zigaretten sind nach wie vor das Beliebteste, was Deutsche auf dem Basar einkaufen, bestätigt Grzegorz Szram, Vizechef der Händlervereinigung.

Dass hier Illegales verkauft wird, stört niemanden

Szram und seine Kollegen freuen sich über den weihnachtlichen Trubel. „Das Vorweihnachtsgeschäft ist für uns das einträglichste und rettet uns über magere Monate wie jeweils Anfang des Jahres“, berichtet er. Dass auf dem Basar auch Sachen verkauft werden, die nach deutschen Gesetzen illegal sind, stört ihn nicht. „La Bomba“ oder „Deutschland Rocket“ heißen etwa mannshohe Raketen, die tatsächlich Käufer finden. Sie schreckt offenbar nicht ab, dass die meisten polnischen Böller berühmt-berüchtigt für ihre Schlagkraft und Gefährlichkeit sind.

Spätestens auf dem Rückweg erfährt aber so mancher Käufer, dass die Einfuhr der mit Sprengstoff gefüllten Knaller nach Deutschland verboten ist. Auf der Stadtbrücke warten Zöllner, die Autos stichprobenartig für Kontrollen aus dem Verkehr ziehen und Feuerwerkskörper ohne das vorgeschriebene Prüfsiegel sofort beschlagnahmen.

Parkplätze sind auch vor den innerstädtischen Super- und Baumärkten der 17 000-Einwohner-Stadt Slubice Mangelware. „Ich bekomme hier die gleichen Markenprodukte, wie in Deutschland – nur billiger“, verrät Andrea Seitzer, die gemeinsam mit ihren beiden Kindern gerade das Eingekaufte im Kofferraum verstaut. Für die Berliner Familie ist das ein ganz normaler Wochenendeinkauf, der sie aufgrund der Preisersparnis häufig über die Oder lockt. „Für 50 Euro Euro bekommst Du hier im Gegensatz zu Deutschland den Einkaufswagen wirklich noch voll“, bestätigt Robert Seitzer, der gerade mit Farbeimern und Holzleisten aus dem Baumarkt kommt.

Wer sich den Stress als Autofahrer ersparen will, nutzt die grenzüberschreitende Buslinie 983. Die hält unter anderem am Frankfurter Bahnhof. Viele Schnäppchenjäger reisen mit dem Regionalexpress 1 an und steigen dann in den stündlich verkehrenden Bus um.

Von Jeanette Bederke

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