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Entwarnung nach Ebola-Verdacht in Berlin

Testergebnisse werden Mittwoch erwartet Entwarnung nach Ebola-Verdacht in Berlin

Nach stundenlanger Anspannung hat es in Berlin eine erste Ebola-Entwarnung gegeben: Experten der Charité gehen davon aus, dass es sich bei der Fieberinfektion einer 30-jährigen Frau mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um die gefährliche Viruserkrankung handelt. Zu Mittwoch werden die Ergebnisse einer Blutanalyse erwartet.

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Feuerwehr- und Notarztwagen vor dem Jobcenter in Berlin.

Quelle: Maurizio Gambarini

Potsdam. Feuerwehrleute und Polizisten tragen Mundschutz. Hunderte Menschen sitzen in einem Berliner Jobcenter fest. Anspannung liegt in der Luft. Ein Mann schlägt von innen gegen die Scheibe der Drehtür. „Lasst mich raus“, schreit er. Doch das Jobcenter in der Storkower Straße im Bezirk Pankow ist abgeriegelt – wegen eines Ebola-Verdachts. Eine 30-jährige Frau, die acht Tage zuvor in Nigeria gewesen sei, habe Symptome der tödlichen Infektionskrankheit wie hohes Fieber gezeigt, sagt ein Sprecher der Feuerwehr. Bis zum Nachmittag bestätigte sich der Verdacht aber nicht.

Fieber und und eine direkte Verbindung nach Westafrika

Eine 46 Jahre alte Berlinerin, die am Dienstagvormittag in das Center ging, berichtet: Sie habe das Gebäude gerade wieder verlassen wollen – da seien die Türen geschlossen worden. Die Menschen hätten nicht gewusst, was losgewesen sei und auf den Treppen gewartet. Erst als es unruhig wurde und einige lautstark Auskunft verlangten, habe jemand die Wartenden informiert: Es sei eine Vorsichtsmaßnahme, wahrscheinlich habe ein Besucher eine Infek tionskrankheit. Ein komisches Gefühl sei das gewesen, aber Angst habe sie nicht gehabt.

Polizeibeamte mit Mundschutz vor dem Jobcenter.

Quelle: Maurizio Gambarini

Schätzungsweise 600 bis 800 Menschen waren nach Angaben der Feuerwehr in dem Gebäude, als der Alarm ausgelöst wurde. Wer den Notruf wählte, war unklar. In Westafrika hat die Ebola-Epidemie schon mehr als 1200 Menschen das Leben gekostet. Eine Einschleppung nach Europa gilt aber als unwahrscheinlich. In Deutschland hat sich bisher keiner der Verdachtsfälle bestätigt. Auch bei der Berliner Patientin sei das unwahrscheinlich, teilte die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung mit. In dem Gebiet, in dem die Frau gewesen sei, sei bislang niemand an Ebola erkrankt. Experten der Charité gingen am Nachmittag davon aus, dass das Fieber der Frau mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von Ebola stammt.

"Wir leben noch!"

Trotzdem herrscht in dem Berliner Jobcenter große Vorsicht. Ein Amtsarzt eilt zur Patientin. Sie und mehrere Menschen, die Kontakt zu ihr hatten, werden isoliert. Die Frau, die einen deutschen Pass haben soll, wird in die Infektionsabteilung des Virchow-Klinikums der Charité gebracht. Auch zwei andere Menschen und vier Einsatzkräfte seien in die Klinik gebracht worden, sagt ein Feuerwehrsprecher. „Seit der Ebola-Epidemie in Westafrika schulen wir unsere Notärzte auch für Noteinsätze bei Verdachtsfällen. Wir gehen da sehr niedrigschwellig heran, die Information von Fieber in Kombination mit Afrika reicht im Moment schon aus“, sagt der leitende Notarzt der Feuerwehr. Symptome wie Kopfschmerzen, Durchfall und Gliederschmerzen könnten tausend Ursachen haben. "Deshalb gilt bei Ebola auch immer erst der Verdacht auf einen Verdacht." Oft sei es dann doch Malaria. Ein spezieller Rettungswagen, der mit Isolierbereichen auch für Ebola-Infizierte gerüstet sei, sei diesmal nicht zum Einsatz gekommen.

Isolierte Besucher des Jobcenters.

Quelle: Maurizio Gambarini

Nach etwa zwei Stunden dürfen alle das Gebäude wieder verlassen. Einige, die herauskommen, rufen: "Wir leben noch!" Ob die Patientin an dem tödlichen Virus erkrankt ist, muss ein Bluttest zeigen. Am Nachmittag wurde auch das Klinikgelände, wo es auch eine Isolierstation für Seuchenfälle gibt, vorsorglich abgeriegelt.

Erste Anzeichen wie bei Grippe

Die ersten Anzeichen für Ebola sind mit hohem Fieber und Kreislaufproblemen ähnlich wie bei einer Grippe oder bei Tropenkrankheiten wie Malaria. Ebola ist aber weit weniger ansteckend als Grippe und kann nur durch den Kontakt mit den Körperflüssigkeiten eines Infizierten, die in Wunden oder Schleimhäute gelangen, übertragen werden. Ebola lässt sich nach einer Infektion nur über einen Bluttest nachweisen. Das Verfahren dauert in der Regel mehrere Stunden.

Berlin ist auf mögliche Ebola-Fälle gut vorbereitet. Die Sonderisolierstation am Virchow-Klinikum hat Platz für bis zu 20 Menschen. Sie werden dort von Ärzten in Schutzanzügen versorgt.

Durch die Ebola-Epidemie in Westafrika sind bisher wahrscheinlich bereits mindestens 1229 Menschen umgekommen. Aus den vier direkt betroffenen Ländern Guinea, Liberia, Nigeria und Sierra Leone seien zwischen dem 14. und 16. August 113 neue Fälle gemeldet worden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag mit. 84 dieser Patienten seien gestorben. Eine Einschleppung des Virus nach Deutschland gilt aber eher als unwahrscheinlich.

Was passiert, wenn ein Ebola-Verdacht in Deutschland auftritt

  • Fieber, Unwohlsein, Durchfall und Erbrechen: Stellt ein Patient, der sich zuvor in einem Ebola-Land aufgehalten hat, solche Symptome fest, sollte er sich umgehend bei einem Arzt melden - zunächst telefonisch. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt, sollte der Arzt zunächst fragen, ob der Patient tatsächlich in einem von Ebola betroffenen Land war - Guinea, Sierra Leone, Liberia oder Nigeria.
  • Grundsätzlich können viele Krankheiten derartige Beschwerden verursachen. Ein begründeter Ebola-Verdacht liegt erst dann vor, wenn ein Betroffener mit Fieber sich bis zu 21 Tage vor Krankheitsbeginn in einem der Epidemieländer aufgehalten hat und möglicherweise direkten Kontakt zu Blut oder Körperflüssigkeiten von erkrankten oder toten Menschen oder Tieren hatte.
  • Wichtig sei, dass der Arzt in der Praxis oder im Krankenhaus bereits die nötigen Vorkehrungen trifft und einen isolierten Raum zur Verfügung stellt, erklärte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums.
  • Der Maßnahmenplan des RKI sieht vor, dass bei einem begründeten Verdacht umgehend das zuständige Gesundheitsamt informiert wird, ebenso eines der sogenannten Kompetenzzentren. Diese sind Teil eines Netzwerks aus Versorgungs- und Managementeinrichtungen.
  • Dann sollte ein Labortest den Ebola-Verdacht abklären. Je nach Einschätzung des Arztes sollte der Patient vom provisorischen Isolierbereich in eine der derzeit rund zehn deutschen Sonderisolierstationen verlegt werden. Das Gesundheitsamt, das Kompetenzzentrum und das RKI sollten darüber informiert werden.
  • Die Verantwortung für den Fall bleibt zunächst im jeweiligen Bundesland. Unterstützt werden die Landesgesundheitsämter neben dem RKI auch vom Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg und von der Universität Marburg, wo sich das Konsiliarlabor für Ebolaviren befindet.

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