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Brandenburg Zwei Brandenburger zeigen Anne Will an
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10:48 11.11.2016
Nora Illi (r.) bei Anne Will am Sonntag. Quelle: NDR
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Neuruppin/Potsdam

Die Volksverhetzungs-Anzeige gegen ARD-Talkmasterin Anne Will und ihr Redaktionsteam vom NDR schickte Heike Supranowitz nach bewährter Anwalts-Manier ab – per Fax: „Da ist meine Unterschrift drauf, und ich erhalte den Faxbericht“, sagt die 60 Jahre alte Juristin aus Neuruppin. Sicher ist sicher. Was sie sagen will, soll ankommen bei den Verantwortlichen im Sender: Am Sonntagabend zur besten Sendezeit sei im Ersten nicht weniger als „Propaganda für den sogenannten Heiligen Krieg“ gelaufen, sagt die Mutter dreier erwachsener Kinder. Das erfülle womöglich den Strafbestand der Volksverhetzung.

Staatsanwaltschaften in Hamburg und Berlin eingeschaltet

Die Neuruppinerin ist nicht allein mit ihrer Wut. Während sie die Hamburger Staatsanwaltschaft einschaltete, zeigte der Potsdamer Diplomingenieur Karl S. (Name der Redaktion bekannt) das Redaktionsteam und die Moderatorin bei der Berliner Ermittlungsbehörde an, denn die Show wurde in Berlin-Adlershof aufgezeichnet.

Die Anwältin Heike Supranowitz. Quelle: Privat

Schweizer Behörden hatten über Ermittlungen informiert

Der Anwältin und dem Ingenieur war nach der umstrittenen Anne-Will-Sendung der Kragen geplatzt, in der sich die Journalistin Will mit einer bis auf einen Sehschlitz vollverschleierten radikalen Muslima unterhielt. Gast Nora Illi, Vorstandsmitglied des „Islamischen Zentralrats der Schweiz“ (IZRS), hatte den Schleier Niqab als Quelle von „Selbstbestimmung und Freiheit“ gepriesen. Zudem verteidigte sie einen Text, in dem es heißt, der Dschihad sei eine „bitterharte Langzeitprüfung mit ständigen Hochs und Tiefs“. Beim NDR wusste man außerdem durch Vorgespräche mit Schweizer Sicherheitsbehörden, dass gegen einen Vereinsvorstand Ermittlungen laufen.

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Familienanwältin auf dem Rechtsweg

Warum geht eine märkische Familienanwältin in Sachen Polit-Talk den Rechtsweg? „Ich bin ein Kind der DDR“, sagt Supranowitz. Mehrere ihrer Angehörigen hätten als politische Häftlinge im Gefängnis gesessen. „Wir müssen mit unseren Freiheiten und Rechten besonnen umgehen.“ Das habe der NDR sträflich vernachlässigt, findet Supranowitsch. Als Familienanwältin wisse sie, dass Kinder aus benachteiligten Verhältnissen oft verzweifelt seien. Als Erklärung für den Eintritt in einen Terrorkrieg dürfe eine harte Kindheit aber nicht herhalten, so Supranowitsch. Diese Art der Rechtfertigung hatte Nora Illi in der Sendung betrieben. „Man kann sich nicht ein ganzes Leben darauf berufen, dass man als Kind mal hinten in der Reihe stand“, sagt die Anwältin.

Mit der AfD hat die Anzeigen-Erstatterin nichts am Hut

Als praktizierende Christin, Schwiegermutter eines Juden und Gastgeberin für Austauschkinder verschiedener Nationalitäten seit vielen Jahren habe sie zunehmend Angst vor Radikalisierung: „Wir haben alle eine Schmerz- und Toleranzgrenze. Die war überschritten in der Sendung.“ Was ihr wichtig ist: „Ich will nicht Fahnenträgerin der AfD sein, stehe politisch ganz woanders.“ Vielmehr mache sie sich Sorgen, dass „Rechte solche Sendungen für ihre Propaganda nutzen“, sagt Supranowitz.

Ingenieur hat NDR schon zweimal verklagt

Härter noch geht der Potsdamer Anzeigen-Erstatter Karl S. mit der Talkshow ins Gericht: „So etwas muss ich mir im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht anschauen – ich habe den Mist irgendwann ausgeschaltet.“ Schon zweimal hat er nach eigenen Angaben Anzeige gegen den NDR erstattet: Als Sendungen Terrorvideos zeigten, von denen Karl S. sagt: „Sie waren unkommentiert und unbearbeitet.“ Damals ging es unter anderem um einen IS-Führer, der vor laufender Kamera Leichen geschändet hatte. „Das ist die Multiplikation von terroristischen Inhalten“, sagt Karl S. Die Verfahren seien eingestellt worden. Er habe jedoch den Endruck gewonnen, die Staatsanwaltschaft habe sich „sehr ernsthaft“ mit dem Thema auseinandergesetzt und die Redaktionsverantwortlichen befragt.

Anne will würde ihren umstrittenen Gast wieder einladen

In Sachen Anne Will hat „Das Erste“ in eigener Sache jetzt geäußert, die Talkrunde habe einen „klaren Erkenntnisgewinn“ gebracht. Man würde Nora Illi wieder einladen, auch wenn sie für die „offene Ablehnung der Grundprinzipien unserer liberalen Gesellschaft“ stehe und „diese Haltung verständlicherweise höchst verstörend und provozierend“ auf die meisten Zuschauer wirke.

Von Ulrich Wangemann

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