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Brandenburg Vereine für Potsdams Wissenschaftsgeschichte
Brandenburg Vereine für Potsdams Wissenschaftsgeschichte
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18:08 26.07.2018
Der ehrenamtliche Förderverein des Großen Refraktors vor dem bedeutenden Denkmal. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Jörg Limberg von der Unteren Denkmalschutzbehörde in Potsdam mag nicht schätzen, wie viele Potsdamer nicht wissen, dass auf dem Telegrafenberg Geschichtsdenkmale allererster Güte und Wissenschaftsinstitute von Weltrang beheimatet sind. Aber er ist sicher, dass sich sehr viele Leute finden, die trotz langer Wissenschaftsnächte oder Vorträgen im Bildungsforum keine Ahnung von der Historie auf der Erhebung im Süden der Stadt haben. Sie begann im frühen 19. Jahrhundert und wird seit 1990 fortgeschrieben.

Das Denkmalerbe des Telegrafenbergs

Umso lieber stellt Limberg die Vereine vor, die das seit Jahren zu ändern versuchen. 2018 ist ein günstiger Moment. In diesem Europäischen Kulturerbejahr sind Vereine aufgefordert, ihre Stadt aus ihrer jeweiligen Perspektive zu zeigen. Bis zum 31. Dezember laufen Veranstaltungen, die etwa vom Förderverein Pfingstberg, von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten oder der Brandenburgische Architektenkammer getragen werden. Neben einer Initiative zur Rettung des Helmert-Turmes unter dem Dach der Stiftung Deutscher Denkmalschutz pflegen derzeit zwei Vereine das Wissenschaftserbe auf dem Telegrafenberg.

Eine Einladung von Europa braucht der Sonnenphysiker Kurt Arlt jedenfalls nicht, um Leute für die Erforschung des Weltalls, aber inbesondere für den Großen Refraktor im gleichnamigen Gebäude zu begeistern. Eigentlich täglich gehen bei dem im März 1997 gegründeten Förderverein Großer Refraktor Potsdam e.V. Mails mit der Frage nach Besichtigungsmöglichkeiten ein. Arlt, der im vergangenen Jahr den Vorsitz des Fördervereins von Karl-August Gußmann übernommen hat, bespricht einmal in der Woche mit seinen Mitstreitern – insgesamt sind es 21 aus ganz Deutschland -, wer wann eine Führung übernehmen kann. Daneben geht es auch um Finanzielles. Wie wichtig das ist, zeigt der stolze Betrag für die Sanierung des einmaligen Potsdamer Technikdenkmals: 700000 Euro hat die Entrostung, Reinigung und Bemalung des 1899 unter Beisein Kaiser Wilhelm II. auf dem Telegrafenberg in Betrieb genommenen Beobachtungsinstruments gekostet.

Dass die von privaten Spendern und vor allem von der Pietschker-Neese-Stiftung bezahlte Sanierung in den Jahren 2003 bis 2005 jeden Euro wert war, zeigen die Besichtigungstermine. Vereinsmitglied Ludwig Grunwaldt hat zum Beispiel gerade am Donnerstagmorgen eine 30 Köpfe zählende Gruppe von Wissenschaftlern aus aller Welt zu dem Meisterstück der Ingenieurskunst mit seiner 50 Zentimeter großen Beobachtungslinse geführt. „Wenn sich die Tür öffnet ist es erst einmal ein Aha-Effekt und ein ganz großes Staunen. Wenn sie dann noch erfahren, dass das Teleskop voll funktionsfähig ist, hört es mit den Fragen gar nicht mehr auf“, so Grunwaldt. Eine Führung ohne Nachfragen habe er in dem riesigen Observatorium noch nie erlebt.

Erinnerung an große Entdeckungen

Für den Vereinsvorsitzenden Arlt ist das Doppelfernrohr aber auch aus anderen als aus touristischen Gründen wichtig: „Es ist das viertgrößte Linsenteleskop der Welt und ein Zeugnis der Leistungsfähigkeit der Ingenieurskunst um das Jahr 1899“, sagt er. Nicht zuletzt seien damit wichtige wissenschaftliche Entdeckungen gemacht worden. 1904 fand der Potsdamer Professor Johannes Hartmann mit dem Großen Refraktor heraus, dass sich zwischen einem von ihm beobachteten Stern und unserem Sonnensystem noch sonst unsichtbare Materie befinden musste. Hartmann wurde so zum Entdecker der Interstellaren Materie. „Diese Erinnerung wollen wir bewahren“, so Arlt.

Kein Denkmal, sondern ein Nachbau aus dem Jahr 2009 ist es, was der inzwischen 83-jährige Geologe Hans Paech und seine Freunde von der „Interessengemeinschaft Optische Telegraphie in Preußen 4“ mindestens einmal pro Monat Besuchern erklären. Seit 2006 erforscht die aus 10 Leuten bestehende Gemeinschaft den mechanischen Vorläufer der heute rein elektronischen Fernkommunikation. Obwohl kein Denkmal im eigentlichen Sinne, ist der voll funktionsfähige und maßstabsgetreue Nachbau der ehemaligen preußischen Signalanlage mit ihren sechs verstellbaren Flügeln zur Codierung von Zahlen trotzdem ein zentrales Element Potsdamer Geschichtsarbeit. Wer die 1830 in Betrieb genommene Signalanlage kennt, kennt die Initialzündung für die Wissenschaftsgeschichte des Telegrafenbergs. Zwar hatte diese Anlage keine wissenschaftliche Funktion, sondern eher die, mittels schneller Nachrichten in Preußen für Recht und Ordnung zu sorgen, doch begann mit ihr die technische Nutzung der Anhöhe. Und sie begründete vor allem ihren Namen.

Fake News anno 1848

Dieser Name war auch für den Geologen Hans Paech Anlass, sich mit der Geschichte der Signalanlage zu befassen. „Ich hatte keine Ahnung“, gibt er zu. Heute kann er nicht nur durch Stellung seiner Arme die Codierung bestimmter Zahlenreihen nachahmen, die Anekdoten aus der königlich-preußischen Nachrichtengeschichte purzeln nur so aus ihm heraus. Zum Beispiel die von der „Fake News“ des Preußischen Innenministers Ernst Albert Karl Wilhelm Ludwig von Bodelschwingh. Als er am 17. März 1848 erfuhr, dass auch in Berlin wohl wieder Unruhen drohten, ließ er dennoch nach Koblenz telegraphieren, in Berlin sei alles ruhig, nur um alle zu beschwichtigen. Paech fasziniert nicht nur die raffiniert einfache Technik dazu, sondern auch, wie man im Laufe der Studien immer wieder Neues über das optische Telegrafiewesen herausfindet. Zum Beispiel durch einen Dokumentenfund im Internet, der den ursprünglichen Standort des Potsdamer Mastes etwa fünf Meter entfernt von heutigen Nachbau belegte. „Wir müssen dem Telegrafenberg seine Geschichte zurückgegeben“, sagt Ludwig Grunwaldt, der sich sowohl für den Großen Refraktor wie auch für den optischen Telegrafen engagiert. Mehr über den Letzteren können Besucher wieder am kommenden Sonntag von 14 bis 17 Uhr erfahren. Dann dürfen sie auch durch Kurbeldrehen die Flügel selber einstellen und Signale senden. Das macht besonders Kindern erfahrungsgemäß einen Riesenspaß.

Von Rüdiger Braun

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