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Brandenburg Zwischen Rosen und Rathaus
Brandenburg Zwischen Rosen und Rathaus
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02:16 10.07.2015
Der Bürgermeister im Ostdeutschen Rosengarten – eines der Schmuckstücke im Ort. Quelle: Rümmler
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Forst

Schneidig sah Philipp Wesemann aus, als er kürzlich bei einem Empfang in Schlips und Kragen Dietmar Woidke die Hand schüttelte. Auf den ersten Blick wirkte er in seiner Montur wie ein Mitarbeiter des Ministerpräsidenten. Doch Wesemann ist mit 25 Jahren Brandenburgs jüngster hauptamtlicher Bürgermeister und seinen eigenen Worten nach der bundesweit zweitjüngste Rathauschef. In Forst (Spree-Neiße), wo auch Woidke wohnt, trat der Sozialdemokrat am 6. Mai 2015 seinen Dienst an. Seitdem ist er auch Chef von rund 320 Verwaltungs- und Behördenmitarbeitern.

Zwar hat Philipp Wesemann für die nächsten acht Jahre etliche kommunalpolitische Themen auf dem Zettel. Doch nach ein paar Arbeitstagen sorgte zunächst sein geklauter Privat-PKW, den er genau vorm Rathaus parkte, für Schlagzeilen. „Mit dem Wagen hat jetzt sicher jemand Spaß. Von den Dieben fehlt bislang jede Spur“, scheint Wesemann den ersten Schock überwunden zu haben. Bis staune er, dass die Gauner ausgerechnet seinen Mazda „knackten“. Das Thema Grenzkriminalität spürte er so zumindest gleich am eigenen Leib, wie er sagt. „Das Thema haben wir in der Stadt schon lange auf der Agenda. Das ist doch klar“, so der gebürtige Forster. Zu kleinen Erfolgen der Vergangenheit zählt er die Aufklärung von sechs Raubüberfällen. Dazu trugen Wesemanns Worten nach auch zusätzliche Doppelstreifen der Polizei in der Stadt bei, die das Land nun zumindest teilweise wieder zurückgezogen hat.

Wesemanns Amtssitz seit Anfang Mai. Quelle: Joel/STW

Insgesamt habe er sich ein gutes Jahr „ausgesucht“, um Bürgermeister zu werden, schmunzelt der junge Kommunalchef beim Gespräch im „Ostdeutschen Rosengarten“ Forst. „Wir feiern dieses Jahr 750. Stadtgeburtstag. Ein Event jagt da das nächste.“ Philipp Wesemann kommt ins Plaudern, berichtet über Forster Rosen, Reitturniere und Radrennen. Zu Forst sagt er „Forschte“, zu Wurst „Worscht“. Das sei Forster Dialekt, quasi ein Mix aus Sächsisch und Berlinerisch.

Aber er wolle nicht ablenken von den Problemen der Stadt. „Natürlich haben wir die – und das nicht zu wenig“, so der frühere Geräteturner. Wesemann sagt aber selten „Problem“, sondern „Herausforderung“. Als eine solche sieht er vor allem die Wirtschaftsförderung. „Damit steht und fällt doch hier vieles.“ Im Rahmen seiner Unternehmenstour habe er gerade 16 Firmen besucht, vor allem Metallbetriebe und „Logistiker“. „Unsere Lage ist strategisch günstig, u.a. an Bundesstraße und Autobahn. Wir liegen im Herzen Europas.“ Öffne der Flughafen BER, würden die Karten ohnehin neu gemischt. Das stimmt zwar, klingt aber mehr nach Eigenwerbung als nach Erfolgsmeldung. Kommunale Gewerbegebiete sind nur zu 54 Prozent ausgelastet, räumt Philipp Wesemann ein. Dies will er ändern. Wie, ist noch nicht ganz klar. „Es ist hier schon viel passiert. In den Vorjahren entstanden 400 neue Arbeitsplätze. 150 Jobs konnten wir sichern“, zählt der Forster einige Erfolge auf. Die Gewerbesteuereinnahmen bezeichnet der junge Politiker als gut. Dennoch stehe die Stadt, die nicht zu den „Regionalen Wachstumskernen Brandenburgs“ zählt, mit rund 32 Millionen Euro in der Kreide.

Als „große Herausforderung“ bezeichnet Philipp Wesemann den Umbau des Stadtzentrums. 86 Prozent der City waren im Mai 1945 seinen Angaben nach kriegszerstört. „Diese Auswirkungen spüren wir noch .“ Der Amtschef spricht von 24 Prozent Wohnungsleerstand allein in der Kernstadt und dem notwendigen Rückbau alter Ostplattenbauten. Über ein Projekt „Grüne Mitte“ bestehe im Stadtrat allerdings noch kein Konsens. Angestrebt sei eine Bürgerbefragung. Forst habe das Zeug dazu, eine herausragende Wohnstadt zu werden. Im Grunde genommen, sei sie es schon, findet Philipp Wesemann.

Schon mit 20 Sozialdemokrat

Der Biologielaborant Philipp Wesemann, am 30. September 1989 in Forst geboren, arbeitete nach der Lehre in der Gubener Plastinat GmbH. 20-jährig trat er in die SPD ein.

2010 wurde er Jusos-Chef in Forst, 2012 übernahm er den Vorsitz der Stadt-SPD. Wesemann arbeitete im Wahlkreisbüro von Dietmar Woidke.


Im März 2015 gewann er die Stichwahl gegen den CDU-Kandidaten Sven Zuber. Ex-Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP) trat aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder an.

Wesemann setzt auf eine starke heimische Wirtschaft, die Gründung eines Kinder- und Jugendbeirates sowie eines Drogen-Präventionsrates.

Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Ablehnung der obligatorischen Bürgermeister-Freikarte für den „Ostdeutschen Rosengarten“ in Forst.

„Es gibt hier so schöne Ecken und landschaftlich reizvolle Ortsteile, die für Familien ideal sind.“ 2014 habe man wieder mehr Zuzüge als Wegzüge registriert. „Dazu kommen viele Rückkehrer“, fügt der Forster an. Auch Firmen, die händeringend gute Leute und Auszubildende suchen, freue das. Wesemann selbst schlendere sehr gern über Wehr- und Reisigwehrinsel auf dem Gelände der Rosengarten-Schau. Wenn Zeit bleibt, jogge er an den Euloer Teichen. SPD-Parteigenosse Dietmar Woidke laufe dort auch. Zu seinen politischen Vorbildern zählt er aber eher Helmut Schmidt, Regine Hildebrandt und Matthias Platzeck. Nicht zu vergessen sei Altkanzler Gerhard Schröder, der ihn als kleiner Junge bei einem Wahlkampfauftritt begeisterte.

Dann kommt Philipp Wesemann nochmal aufs Thema Freizeit zu sprechen. Viel sei davon seit seinem Amtsantritt im Mai nicht übrig geblieben. „Früher überlegte ich freitags oft: Was machste jetzt am Wochenende? Das hat sich erledigt“, schmunzelt der Lausitzer. Langeweile gebe es nie. Irgendein Event oder eine Feier stehe immer an. Begleitet wird er hin und wieder von seinem Lebenspartner. Ein neues Auto habe er privat nicht wieder angeschafft, erklärt Brandenburgs jüngster Bürgermeister auf Nachfrage. Wesemann fährt jetzt Rad.

Von Jens Rümmler

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