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Brandenburg Zwischen zwei Welten: die Machnower Straße
Brandenburg Zwischen zwei Welten: die Machnower Straße
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00:22 20.02.2019
Nach dem Mauerfall gab es an der Machnower Straße wieder Durchgangsverkehr. Quelle: Archiv
Berlin

Dagmar Kasulke hält sich auch an diesem kalten Februarmorgen an ihr Ritual. Käffchen vom Kiosk, dazu eine Streuselschnecke und ein Plausch mit dem Verkäufer. Als es darum geht, dass ein paar hundert Meter weiter die Grenze zur DDR verlief, fällt der 74-Jährigen ein Bild ein, das in ihrer Wohnung in der Machnower Straße liegt. „Die Aufnahme zeigt, wie meine Tochter mit fünf Jahren getauft wurde – und im Hintergrund ist die Mauer zu sehen.“

Die Machnower Straße

Die Machnower Straße wurde um 1800 als Landstraße zwischen Kleinmachnow und Zehlendorf angelegt.

Kleinmachnow ist vermutlich im 13. Jahrhundert gegründet worden, um 1375 wurde der Ort als Parwa Machenow erwähnt. Das spätere Gutsdorf wuchs im 20. Jahrhundert zu einer Stadtrandsiedlung mit Villen und Landhäusern an.

Die deutsch-deutsche Grenze trennte Familien, Freunde und Nachbarn. Der von zwei Mauern begrenzte Grenzstreifen war 100 Meter breit. 1990 fand ein großes Eröffnungsfest statt, am 30. Juni wurden die Grenzanlagen endgültig demontiert.

Kleinmachnow gilt als eine der kinderreichsten Gemeinden in Brandenburg und hat mehr als 20 000 Einwohner. Sehenswert sind u.a. die Schleuse des Teltowkanals und die Dorfkirche aus dem 16. Jahrhundert.

Die MAZ stellt Berliner Straßen vor, die nach Orten in Brandenburg benannt sind, und beschreibt das Leben dort.

Jahrzehntelang gehörte die Grenze zu Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) zum Alltag der Bewohner in der Straße in Berlin-Zehlendorf. Wer sie fragt, wie es damals war, hört immer wieder dieselbe flapsige Antwort: „Ruhig.“ Das ist vorbei. Die Machnower Straße ist keine Sackgasse mehr, die zwischen Wachturm und Grenzzaun endet, sondern eine viel befahrene Strecke für Pendler aus dem Berliner Speckgürtel. Wer einmal die Archiv-Aufnahmen vom abgeriegelten Niemandsland gesichtet hat, erkennt, wie ganz und gar nicht selbstverständlich es ist, dass Kleinmachnower und Berliner durchs einstige Grenzgebiet joggen, radeln und mit ihren Hunden Gassi gehen. Allein auf Kleinmachnower Gebiet sollen mindestens vier Menschen beim Fluchtversuch ums Leben gekommen sein.

Flog ein Ball über die Mauer, schossen Grenzer ihn zurück

„Hier war himmlische Ruhe“, sagt ein älterer Mann mit schwarzer Kappe, schwarzer Jacke und Zigarette im Mund. Er wohnt seit rund 50 Jahren im zweiten Stock eines Wohnblocks kurz vor der Berliner Stadtgrenze. „Nur abends war es laut – da hörte man das Bellen der Wachhunde, weil die gefüttert wurden.“ Er zeigt vom Balkon auf einen abgestellten Wohnwagen, dahinter habe ein Wachturm gestanden. „Meine Kinder haben an der Grenze Fußball gespielt. Flog ein Ball mal drüber, schossen die Grenzer ihn zurück.“

Ein Mauerstein steht als Denkmal kurz vor der Grenze zu Kleinmachnow. Quelle: Julian Stähle

Der Botschafter ist trotz mehrerer Versuche nicht zu sprechen. Dabei wäre es doch interessant, sich über ein Leben in verschiedenen Welten zu unterhalten. Die Republik Niger gehört zu den ärmsten Staaten auf der Erde, die deutsche Botschaft des Landes liegt ausgerechnet in Zehlendorf. Dort, wo die meisten besonders wohlhabenden Berliner leben. Das ist nicht nur ein Klischee, die Senatsverwaltung für Finanzen gab es im vergangenen Jahr bekannt: 114 Bürger, die jährlich mehr als 500 000 Euro aus nichtselbständiger Arbeit sowie aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung erzielen, wohnen demmach in Zehlendorf. Mehr als irgendwo anders in Berlin.

Prominente am Kiosk

Thomas Gohr (38) betreibt einen Zeitungskiosk. Quelle: Maurice Wojach

Zurück am Kiosk, der – wäre er ein Mensch – wohl ganze Romane über das Leben im Viertel seit den 1950er-Jahren erzählen könnte. Wirtschaftswunder, Wendezeit und vieles mehr. Der Verkäufer Thomas Gohr, 38, ist auf der anderen Seite der Mauer aufgewachsen. Der Kleinmachnower arbeitet seit zwölf Jahren in dem Kiosk. Er gehört zu der Sorte Mensch, die man sich zum Therapeuten wünscht – oder zumindest zum Kumpel. Einer, der zuhört, mit Kopfnicken und Blickkontakt Interesse bekundet und freundlichen Frotzeleien ein ehrliches Wort folgen lässt. Etliche Krankheitsgeschichten von den Patienten der Klinik um die Ecke hat er schon gehört. Der Rest der Straße habe sich verjüngt. Er zeigt auf das Haus gegenüber – früher ein Bestattungsinstitut, jetzt sei dort eine junge Arztfamilie eingezogen. Als Gohr von den Besuchen Prominenter erzählt, spielen sich er und Stammkundin Kasulke die Namen zu wie den Ball beim Ping-Pong. Herbert Grönemeyer habe mal eine Modezeitschrift für seine Frau gekauft und Günther Jauch den „Stern“. Der gerade verstorbene Jörg Schönbohm, Ex-Innenminister in Brandenburg, habe sich Zigarillos besorgt – „und als sein Feuerzeug nicht ging, habe ich es mit Benzin aufgefüllt“, sagt Gohr.

Von Maurice Wojach

Die Liberalen in Brandenburg wählten einen alten Bekannten zu ihrem Spitzenkandidaten: den Rechtsanwalt Hans-Peter Goetz, der das bereits 2009 war. Als Wahlziel gab Goetz mindestens acht Prozent der Stimmen an. Er schließ auch eine Regierungsbeteiligung nicht aus.

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